Die Ausstellung „Meer erleben“ gibt im Weserpark Einblicke in die Ozean-Forschung der Universität Bremen

Reise in die Unterwasserwelt

Osterholz. Hinterher ist man immer klüger. So oder so ähnlich kann wohl die Geschichte des Deichbaus auf einen Satz gebracht werden.
16.06.2016, 00:00
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Hinterher ist man immer klüger. So oder so ähnlich kann wohl die Geschichte des Deichbaus auf einen Satz gebracht werden. Denn es gilt: „Wer nicht will deichen, der muss weichen!“ Der Küstenschutz und seine Bedeutung ist nur eines von insgesamt sieben Modulen der Ausstellung „Meer erleben“, die vom Zentrum für Marine Umweltwissenschaften (Marum) der Universität Bremen entwickelt wurde. Noch bis zum 25. Juni macht die Wanderausstellung zum Thema Ozeane und Meeresforschung im Weserpark Halt.

Ein Knopfdruck und das Becken füllt sich mit blau gefärbtem Wasser. Es kommt bedrohlich nahe an die schematische Darstellung der deutschen und niederländischen Nordseeküste heran und lässt erahnen, was auf uns zukommen könnte. Etwa 40 Prozent der Weltbevölkerung lebt weniger als 100 Kilometer vom Meer entfernt. Der weltweit steigende Meeresspiegel gibt Anlass zur Sorge, denn setzt sich dieser Trend fort, ist nicht nur Holland in Not.

Das Exponat zeigt deutlich, wie sich die Pegelstände in den letzten Jahrhunderten veränderten und was das für Mensch und Natur bedeutet: Deiche müssen stetig höher, breiter und widerstandsfähiger gebaut werden. Neben dem Modul „Mensch und Meer“, das die Geschichte des Küstenschutzes thematisiert, gibt es sechs weitere Stationen mit den Titeln „Krabbe & Co.“, „Vielfalt und Evolution“, „Tauchfahrt in die Tiefsee“, „Abgetaucht!“, „Steine, Sand und Sedimente“ und „Dynamik der Erde“. Die Stände verteilen sich auf der gesamten unteren Verkaufsfläche des Weserparks.

In insgesamt 40 Einkaufszentren macht die „Meer erleben“-Ausstellung deutschlandweit Halt. Für Initiator Professor Gerold Wefer vom Marum ist die Eröffnung im Weserpark ein Heimspiel. Zusammen mit Center-Managerin Monika Mehrtens eröffnete Wefer die Schau.

Wer sich einmal als Kapitän eines Tauchroboters versuchen möchte, sollte das Aquarium am Modul „Abgetaucht!“ besuchen. In dem mit rund 2500 Litern Wasser gefüllten Zylinder kann mit Hilfe eines Joysticks modernste Meeresforschungs-Technologie ausprobiert werden. Neben vielen interaktiven Exponaten können Besucher auf Infotafeln auf Fragen wie „Warum laufen Strandkrabben seitwärts?“ oder „Wie entsteht eine Welle?“ Antworten finden.

„Die Ausstellung ist ein tolles Angebot für die ganze Familie. Sie kann erstes Interesse für die Naturwissenschaften wecken und bietet spannende Informationen“, sagt Ortsamtsleiter Ulrich Schlüter.

Hauptattraktion sind für viele Besucher die lebenden Tiere. Zwei runde Aquarien, an denen sich die Kinder ihre Nasen plattdrücken, bilden die Bedingungen der Kieler Bucht nach. Neben Krabben, Plattfischen und Miesmuscheln sind die lilafarbenen Seesterne der absolute Hingucker. Woher sie ihre Färbung haben, wisse man nicht, sagt Ausstellungsbetreuer Jan Mauer. Der Seestern selber sei aber farbenblind.Um das Aquarium herum steht auch Yvonne Uca aus Mahndorf mit Tochter Meyna. Durch Zufall sind sie auf die Ausstellung aufmerksam geworden und wollen auf jeden Fall noch einmal wiederkommen, um sich mehr Zeit zu nehmen. Sie selbst waren zuletzt im vergangenen Sommer an der Nordseeküste und haben das bunte Treiben im Meer erlebt. Beim Gang durch die Ausstellung fällt eines auf: Die unangenehmen Aspekte des Zusammenlebens von Mensch und Meer werden nicht thematisiert. Exponate zum Thema Klima- und Umweltschutz, Konsum und Überfischung sucht man vergebens.

Die Lage ist ernst: Nach Angaben des WWF schwimmt im Nordpazifik ein Müllteppich, der in den letzten Jahrzehnten auf die Größe Zentraleuropas angewachsen ist. Plastikabfälle gelten als unmittelbare Gefahr für Fische, Vögel und Meeressäuger. Auf Nachfrage sagt Frank Schmieder vom Marum, die Ausstellung sei speziell für Einkaufszentren konzipiert und solle den ersten Kontakt mit dem Thema Ozeane und Meeresforschung herstellen. Besondere Herausforderung dabei sei die richtige Präsentation. In ihrer Forschung werden auch Folgen des Klimawandels untersucht, aber der Rahmen der Ausstellung erfordere eine Auswahl der Themen.

Die Ausstellung „Meer erleben“ kann bis zum 25. Juni während der Öffnungszeiten des Weserparks von montags bis sonnabends, 8 bis 20 Uhr, besichtigt werden. Führungen für Schulklassen sind möglich: Anmeldung unter Telefon 40 90 70 beim Center-Management.

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