Schüler stellen Ergebnisse im „trialogischen Café“ vor Religiöse Themen stehen auf dem Plan

Warum Christen die Adventszeit und das Weihnachtsfest feiern, ist nicht jeder Schülerin und jedem Schüler des Alexander-von-Humboldt-Gymnasiums an der Delfter Straße klar. Schließlich kommen die Jungen und Mädchen aus 63 verschiedenen Nationen mit zum Teil unterschiedlichen Kulturen. Dass es aber durchaus Gemeinsames in den Religionen gibt, das soll ein Projekt zeigen, mit dem sich die Schule ein Jahr lang beschäftigen will.
21.12.2014, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Jörg Teichfischer

Warum Christen die Adventszeit und das Weihnachtsfest feiern, ist nicht jeder Schülerin und jedem Schüler des Alexander-von-Humboldt-Gymnasiums an der Delfter Straße klar. Schließlich kommen die Jungen und Mädchen aus 63 verschiedenen Nationen mit zum Teil unterschiedlichen Kulturen. Dass es aber durchaus Gemeinsames in den Religionen gibt, das soll ein Projekt zeigen, mit dem sich die Schule ein Jahr lang beschäftigen will.

Vor Kurzem war der Auftakt zu einer Veranstaltungsserie, in der die Schüler das Judentum, das Christentum und den Islam vorstellen wollen. Einige Wochen lang hatte sich eine sechste Klasse im Deutschunterricht sowie in weiteren Fächern mit den Hintergründen des Christentums auseinandergesetzt. Texte wurden gelesen und besprochen, persönliche Erfahrungen gesammelt und im Kunstunterricht ein Adventskalender gebastelt. Gelernt haben die Jugendlichen unter anderem, dass das Wort Advent aus dem Lateinischen stammt und Ankunft bedeutet, womit im Christentum die Ankunft Jesus gemeint ist. Und das am Ende der Adventszeit Jesus der Überlieferung nach geboren wurde, worüber sich die Christen so freuen, dass sie Weihnachtslieder singen. Auch dass das Lied „Oh Tannenbaum“ in über 200 Ländern gesungen wird, war für viele neu.

„Es gibt Gemeinsames, aber auch Unterschiede in den Religionen“, hat die zwölfjährige Schülerin Leony Garms im Unterricht erfahren. „Erstaunt waren viele, dass es das Symbol des Engels auch in anderen Religionen gibt“, sagte Projektleiterin Anika Mühling. Ihr Kollege Andreas Rogasch findet es wichtig, dass sich Kinder frühzeitig mit anderen Kulturen und Religionen beschäftigen. „Je eher sie Toleranz lernen, desto friedlicher können sie später miteinander umgehen“, glaubt der Religionslehrer.

Anlass für das Projekt ist ein bundesweit angebotener Wettbewerb unter dem Titel „Trialog der Kulturen“, an dem sich 18 Schulen beteiligen, die im Laufe des Schuljahres verschiedene religiöse Themen behandeln. Einige Ergebnisse der bisherigen Untersuchungen wurden im Rahmen eines besinnlichen Nachmittags mit dem Titel „trialogisches Café“ vorgestellt, zu dem nicht nur Eltern und andere Familienangehörige, sondern auch die Bewohner des benachbarten Seniorenwohnparks „Am Sodenmattsee“ eingeladen waren. Schließlich hatten sich die Huchtinger Schüler auch das Motto „Jung und Alt – gemeinsam anders“ gegeben. Da sie ohnehin gelegentlich mit den Senioren beispielsweise bei Theateraufführungen oder in einem Leseclub zusammenarbeiten, holten die Schüler ihre Gäste aus dem Pflegeheim ab und begleiteten sie zu dem Adventsnachmittag. „Sonst sind sie nicht so schnell über die Straße“, stellte Hedwig Wiemker, Leiterin der sozialen Betreuung im Seniorenheim, fest. Die Vorfreude auf die Schüler schien eine Verjüngung bei den Senioren zu bewirken. „Die Älteren freuen sich, wenn sie etwas über die heutige Jugend erfahren und auch selbst gefragt werden, was sie früher so alles erlebt haben“, erklärte Wiemker.

Schüler und Senioren singen

Die Schultische wurden für das Adventscafé mit Tannenzweigen und Keksen dekoriert, die Schüler führten kleinere szenische Stücke auf und sangen Weihnachtslieder. Dafür hatten sie die Texte verteilt und zuvor bereits mit den Senioren Klassiker wie „Macht hoch die Tür“ oder „Stille Nacht“ einstudiert, sodass alle mitsingen konnten. „Man möchte noch einmal 20 sein“, meinte Adriane Klapprodt, die unter den Gästen aus dem Seniorenheim war und fast alle Lieder kannte und mitgesungen hat. Die Sechsklässler waren zwar erheblich jünger als 20, konnten ihre einstudierten Lieder aber trotz ihres Alters fast professionell vortragen. „Für viele war es ihr erster Auftritt“, erklärte Klassenlehrerin Tanja Büsing stolz. Weitere Veranstaltungen zu islamischen und jüdischen Feiertagen sollen im Laufe dieses Schuljahres folgen.

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