Bremen Remberti-Apotheke feiert 150-jähriges Bestehen

Bremen. Das Apothekersterben hat zuletzt in Bremen und Bremerhaven dramatische Ausmaße angenommen. 24 Apotheken mussten schließen, übrig bleiben 152. Eine davon ist die Remberti-Apotheke, sie wird in dieser Woche 150 Jahre alt.
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Remberti-Apotheke feiert 150-jähriges Bestehen
Von Jürgen Hinrichs

Das Apothekersterben hat in den vergangenen zwei Jahren in Bremen und Bremerhaven dramatische Ausmaße angenommen. 24 Apotheken mussten schließen, übrig bleiben 152. Eine davon ist die Remberti-Apotheke, sie wird in dieser Woche 150 Jahre alt.

Diedrich Johannsen war ein begabter Mann. Er rührte Salben an, Tinkturen und Lösungen, drehte Pillen, füllte Kapseln, und das alles im großen Stil. Er baute die Remberti-Apotheke zu einer Fabrik aus und stellte Produkte her wie die „Lofotendampfmedicinallebertranemulsion“ – ein Tran als Grundlage, der vom Dorsch aus Norwegen kam und mit Wasserdampf gewonnen wurde. Johannsen tat noch mehr, er schuf aus bewährten Rezepturen die „Bremer Spezialitäten“. Das waren Medikamente, die einfach produziert und entsprechend preisgünstig verkauft werden konnten. Kurz, Johannsen, war ein Tüftler und erfolgreicher Geschäftsmann. Er hatte seine Apotheke, und es gibt sie immer noch: Die Remberti-Apotheke in der gleichnamigen Straße wird in dieser Woche 150 Jahre alt.

Der Gründer war er nicht, das war 1863 ein gewisser Philipp Cornelius Engelken. Doch erst mit Johannsen kam ab dem Jahr 1915 so richtig Schwung in die Apotheke. Einmal so sehr, dass er Schwierigkeiten bekam. Der Apotheker hatte an sich die Gabe entdeckt, Menschen hypnotisieren zu können, um sie, wenn nichts anderes mehr half, von ihren Leiden zu befreien. Es funktionierte, doch als die Ärzte davon erfuhren, war schnell Schluss damit. Johannsen musste eine Unterlassungserklärung unterschreiben. Die Ärzte fürchteten um ihr „Heilungsmonopol“. Lauter Geschichten, die in einer neuen Chronik stehen. Verfasst wurde sie von Silke Funke-Johannsen, einer Enkelin von Diedrich Johannsen, die selbst auch eine Zeit lang die Apotheke führte. Heute steht ihr Sohn hinter dem Verkaufstresen. Mit Unterbrechungen ist es also noch immer die gleiche Familie, die das Geschäft führt. Mittlerweile in der vierten Generation.

24 Apotheken weniger

Eine so lange Tradition ist im Apothekergewerbe selten geworden. Da wächst kaum noch etwas, sondern verschwindet immer mehr. Ganz besonders in den vergangenen zwei Jahren, wie die Bremer Apothekerkammer mitteilt. Von 176 Apotheken im Bundesland Bremen sank die Zahl auf 152, ein wahrer Aderlass.

Erwischt hat es zum Beispiel die Einhorn-Apotheke in der Humboldtstraße. Sie war mit 350 Jahren die zweitälteste Apotheke der Stadt. Übertroffen nur noch von der Raths-Apotheke am Marktplatz, die 1532 gegründet wurde. Doch mehr als die Historie galt in der Einhorn-Apotheke am Ende die Rendite. Sie war zu gering geworden, und als die Betreiber aus Altersgründen einen Nachfolger suchten, fanden sie keinen. Schließen musste vor zwei Monaten auch die Schwan-Apotheke in der Graf-Moltke-Straße schließen, nach 164 Jahren.

Die Remberti-Apotheke ist mit ihren 150 Jahren jetzt auf Rang drei der Altersrangliste noch aktiver Betriebe. Vor ihr die Raths-Apotheke und die Adler-Apotheke in der Hutfilterstraße, deren Geschichte bis zum Jahr 1828 zurückreicht.

Den Standort in der Rembertistraße 52 gibt es seit 1968. Ursprünglich saß die Apotheke in der Rembertistraße 15, nach der Zerstörung im Krieg kurz mal im Fedelhören, und dann wieder in der Remberti-straße, zunächst in einer ehemaligen Fliesenhandlung und nun schon seit mehr als 40 Jahren am aktuellen Platz.

Heute ist sie eine Apotheke wie jede andere, nur mit mehr Tradition und besonderer Kundenbindung. So etwas wie eine „Lofotendampfmedicinallebertranemulsion“ kann man nicht kaufen, und einen Apotheker als Wunderheiler gibt es auch nicht. Der aktuelle Inhaber, Tammo Funke, ist jedenfalls nicht bekannt dafür, Menschen, die leiden, mit einer Hypnose zu kurieren.

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