Volksbegehren gegen Bebauung

Rennbahn-Freunde nehmen die erste Hürde

Ein Volksbegehren gegen die Bebauung der Rennbahn in der Vahr ist auf dem Weg. Mehr als 4000 Unterschriften werden an diesem Donnerstag dem Wahlamt übergeben. Der Rennverein löst sich vorerst nicht auf.
31.07.2018, 19:00
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Rennbahn-Freunde nehmen die erste Hürde
Von Jürgen Hinrichs
Rennbahn-Freunde nehmen die erste Hürde

Ende März dieses Jahres fand in der Vahr der letzte Renntag statt. Der Galopprennsport in Bremen mit seiner 140-jährigen Tradition ist seitdem Geschichte.

studio b bremen

Sie lassen nicht locker und haben jetzt nach eigenen Angaben die erste Hürde genommen: Mehr als 4000 Unterschriften wird die Bürgerinitiative gegen die Bebauung der Rennbahn in der Vahr am Donnerstag dem Wahlamt übergeben. Damit ist das vorgeschriebene Quorum für ein Volksbegehren erreicht. "Es waren sogar über 5000 Unterschriften", erklärt Initiativensprecher Andreas Sponbiel. Über die Gültigkeit habe es allerdings unterschiedliche Ansichten gegeben. "Wie auch immer, die 4000 reichen ja auch", so Sponbiel. Er will mit seinen Mitstreitern auf jeden Fall weitermachen. Einen Fahrplan dafür gibt es bereits. "Das Ziel ist, die Fläche der Galopprennbahn für Erholung, Freizeit, Sport und Kultur und als grüne Ausgleichsfläche für die schon vorhandene, verdichtete Bebauung und Industrie-Ansiedlung im Bremer Osten zu erhalten", schreibt die Initiative auf ihrer Homepage.

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Das 36 Hektar große Gelände an der Ludwig-Roselius-Allee gehört der Stadt. Sie hatte es an den Rennverein und einen Golfclub verpachtet, der in der Mitte des Ovals eine Neun-Loch-Anlage betreibt. Ende 2015 machte Wirtschaftssenator Martin Günthner (SPD) den ersten Aufschlag für eine Bebauung, er sprach damals von 1000 Wohneinheiten. Ein Jahr später gab es einen entsprechenden Beschluss der Baudeputation mit dem schon legendären Ausspruch von Bau- und Umweltsenator Joachim Lohse (Grüne): "Wir können es uns nicht leisten, ein so großes Areal mitten in der Stadt weitgehend ungenutzt liegen zu lassen, nur damit dort ab und zu Pferdchen im Kreis herumlaufen."

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Mit der verbrieften Entscheidung zu bauen war die Voraussetzung erfüllt, dem Rennverein zu kündigen. Möglich wurde das durch eine entsprechende Klausel im Pachtvertrag. Ende März dieses Jahres fand in der Vahr (tatsächlich liegt die Rennbahn im Hemelinger Ortsteil Sebaldsbrück, eingebürgert hat sich aber die Zuordnung zur Vahr) der letzte Renntag statt. Der Galopprennsport in Bremen mit seiner 140-jährigen Tradition ist seitdem Geschichte.

"Wir haben nicht vor, uns aufzulösen"

Aufgelöst hat sich der Rennverein deswegen aber nicht. "Wir sind sehr aktiv und machen unseren Mitgliedern weiterhin Angebote", erklärt Vorstandssprecher Frank Lenk. Beim diesjährigen Derby in Hamburg habe der Verein für eines der Rennen einen Preis gestiftet. Für die Mitglieder sei ein Bus gechartert worden, um dabei zu sein. "Wir haben nicht vor, uns aufzulösen", betont Lenk.

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Mit dem Golfclub auf dem Gelände, der einen unkündbaren Pachtvertrag bis zum Jahr 2034 besitzt, hat die Stadt sich so geeinigt, dass die Golfer zunächst weiter ihre Bahnen ziehen dürfen. Schluss damit ist erst, wenn die Bagger rollen. Außerdem erhält der Club eine Zahlung in Höhe von 3,89 Millionen Euro zum Ausgleich für die Investitionen und die entgangenen Gewinne.

Unterschriften werden am Donnerstag eingereicht

Unterdessen arbeitet die Bürgerinitiative an dem Erhalt der Bremer Rennbahn als Erholungsfläche. Der Antrag für ein Volksbegehren geht am Donnerstag zusammen mit den Unterschriften beim Wahlamt ein. Danach hat der Senat nach Darstellung von Sponbiel 60 Tage Zeit, über den Antrag zu befinden. Lehnt er ab, womit fest zu rechnen ist, will die Initiative in die nächste Runde gehen.

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"Dann müssen wir die Unterschriften von fünf Prozent der Stadtbremer Wahlberechtigten sammeln", erklärt Sponbiel. Er hat das ausgerechnet, es sind 21.234. Sollte das gelingen, liegt die Entscheidung bei der Bremischen Bürgerschaft. Votiert die Parlamentsmehrheit dafür, die Rennbahn trotz der Proteste zu bebauen, gibt es einen Volksentscheid. "Idealerweise sollte das am Tag der Bürgerschaftswahl am 26. Mai kommenden Jahres passieren", sagt der Initiativensprecher.

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