Repair Café in der Innenstadt

Reparieren statt entsorgen

Bremen. Defekte Alltagsgegenstände haben Jung und Alt am Sonnabend gemeinsam mit Experten repariert: in einem sogenannten Repair Café. Die Idee dazu kam von einer Gruppe Studenten.
22.06.2014, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von SASKIA BÜCKER

Defekte Alltagsgegenstände haben Jung und Alt am Sonnabend gemeinsam mit Experten repariert: in einem sogenannten Repair Café. Die Idee dazu kam von einer Gruppe Studenten. Sie wollen damit nicht nur ein Zeichen gegen die Wegwerfkultur unserer Gesellschaft setzen, sondern bieten Raum für Austausch und alternative Ideen zum Neukauf von Elektronik und Textilien.

Fünf Jahre lang hat Tobias Dennert sein kaputtes Radio in der Küchenecke verstauben lassen. Immer bei den besten Liedern fange das Ding an zu rauschen, sagt er. Dennert tippt auf einen Wackelkontakt. Selbst reparieren? Das letzte Mal hat der 23-Jährige beim Werken in der Schulzeit gelötet. Zum Elektroladen gehen? Das kann er sich in seiner Ausbildung zum technischen Zeichner noch nicht leisten. Wegwerfen und ein neues Radio kaufen? Das wäre doch irgendwie schade.

Umso begeisterter war Dennert, als er vom Projekt seiner Freundin Julia Makowski hörte: Zum ersten Mal veranstaltete sie mit einer Gruppe von Studierenden des Bachelorstudiengangs Kommunikations- und Medienwissenschaft ein Repair Café.

Ob gesplitterter Smartphone-Bildschirm, kaputter Computer, Loch in der Jeans oder Probleme mit der Gangschaltung – einen Nachmittag lang reparierten zahlreiche Besucher unter Hilfestellung von freiwilligen Experten ihre mitgebrachten Gegenstände. Kostenlos, versteht sich.

Bei Kaffee und Kuchen wurde in lockerer Atmosphäre geschraubt und viel gequatscht: Über Reparaturtipps genauso wie über Alternativen zum Wegwerfen von Gegenständen.

„Reparieren ist, mehr noch als recyceln, die umweltfreundlichste Alternative zum Wegwerfen und Neukaufen“, sagte Sigrid Kannengießer, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für historische Publizistik. Sie hatte die Idee, das Repair Café im Rahmen eines Praxisseminars der Uni in Bremen zu etablieren. In Oldenburg hatte sie eine ähnliche Veranstaltung besucht und war sofort begeistert: „Ganz praktisch wird mit dem Konzept die Nutzungsdauer von Geräten erweitert und somit ein Neukauf vermieden – ohne Energieverbrauch.“

Gleichzeitig finde in offener Runde ein Austausch statt. „Wir wollen ein Bewusstsein für die Problematik von Medientechnologien schaffen“, sagt Kannengießer. Mit einem starken Konsum von Elektrogeräten und Textilien hierzulande wachse gleichzeitig der Abbau von gefährlichen Rohstoffen und die Produktion unter menschenunwürdigen Bedingungen in den Produktionsländern. Auch die giftigen Müllberge würden immer größer, gibt Kannengießer zu Bedenken.

Damit das Repair Café stattfinden konnte, gab es seit Mitte April viel für die Studenten zu organisieren. Die Seminarteilnehmer können jetzt nicht nur planen, sondern sind sich zudem ihres persönlichen Konsumverhaltens bewusst. „Ich kenne das von mir selbst, dass ich denke, die einfachsten Dinge nicht reparieren zu können und stattdessen einfach alles wegwerfe“, sagt etwa die Mitorganisatorin Alina Götz.

Mit so vielen Besuchern beim ersten Repair Café in Bremen habe sie nicht gerechnet. Vor allem am Tisch für Elektronik herrschte reger Andrang. Auch Tobias Dennert konnte sein Radio wieder flottmachen. Die Rädchen und Kabel des Innenlebens seien für ihn jetzt kein Fremdwort mehr. „Eine tolle Idee, ich komm mit mehr Kram wieder“, sagt er.

Das nächste Repair Café findet wieder in der Innenstadt statt: Am Sonnabend, 5. Juli, von 12 bis 16 Uhr im Café „noon“, Wegesende 22.

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