Dreimaster "Schulschiff Deutschland"

Repariert und startklar für die Rückfahrt

Das „Schulschiff Deutschland“ ist startklar für seine Reise in den Heimathafen an der Lesum. Der 30 Tonnen schwere Gürtel aus Stahlplatten auf Höhe der Wasserlinie hält, wie eine Prüfung ergeben hat.
09.12.2014, 01:00
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Von Volker Kölling
Repariert und startklar für die Rückfahrt

Der denkmalgeschützte Dreimaster musste wegen massiver Rostschäden zur Reparatur in die Bremerhavener BVT-Werft.

Volker Kölling

Das „Schulschiff Deutschland“ ist startklar für seine Reise in den Heimathafen an der Lesum. Der 30 Tonnen schwere Gürtel aus Stahlplatten auf Höhe der Wasserlinie hält, wie die Dichtigkeitsprüfung nach der Dockzeit in Bremerhaven ergeben hat. Inzwischen sind auch die 38 Kabinen wieder ins Schiff eingebaut worden. Sie mussten wegen Feuergefahr bei den Schweißarbeiten aus dem Dreimaster geholt werden.

Rost hatte dem fast 90 Jahre alten „Schulschiff Deutschland“ zu schaffen gemacht. Der denkmalgeschützte Großsegler musste deshalb zur Reparatur in die Bremerhavener BVT-Werft. Inzwischen sieht es so aus, als reichte das Budget für die Grundsanierung aus staatlichen Mitteln, Stiftungsgeldern und den privaten Spenden aus der Gemeinschaftsaktion von Deutschem Schulschiffverein und WESER-KURIER.

„Viele werden fragen, wo wir denn die eine Million Euro gelassen haben. Wir haben ja keinen zusätzlichen Mast bekommen, sondern sozusagen die Fundamente des Schiffes überholt“, sagt Ingo Müller-Fellmett. So haben die Kabinen für die Hostelgäste an der Lesum immer noch kein WLAN oder TV, dafür aber wieder die Original-Gardinenbommel an den Fenstern und die Segelanweisung an der Wand. Mit Manfred Hülsemann, Projektleiter der BVT-Werft, achtet der Schiffsbetriebsmeister beim Kabineneinbau auf die Kleinigkeiten.

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Hier fehlt noch eine Glühbirne in der Leselampe, da muss ein Tischler eine Leiste austauschen. Der Schornstein ist noch eingerüstet. Aber tatsächlich ist das Gros der Arbeiten geschafft und Müller-Fellmett nach einem Monat Leben und Arbeiten auf dem Schiff ziemlich erkältet. 1000 der alten Stahlnieten hatte er mit dem Schweißgerät neu festsetzen wollen. Am Ende mussten 1600 Nietköpfe neu mit dem Schiff verbunden werden. „Dass das Schiff nicht schon Wasser genommen hat, haben wir dem Betonballast unten im Schiff zu verdanken. Der hat mit Sicherheit viel abgehalten“, sagt er. Jetzt ist der Rumpf erst einmal für viele Jahre richtig dicht: Die Schweißer haben die Platten nicht einfach nur an den alten Stahl geheftet, sondern mit sogenannten Langlöchern auch fest mit den Spanten, dem stabilen Schiffsskelett, verbunden.

Während draußen überall am Schiff die Schweißgeräte blitzten, hielten drinnen im Schiff teilweise fünf geschulte Brandschützer Wache. Müller-Fellmett: „Der Ausbau der Kabinen und der Einsatz der Brandwächter waren unbedingt nötig. Da qualmte es manchmal schon heftig aus dem Schiff.“ Das Problem: Durch die Hitze beim Schweißen außen am Rumpf drohte die Farbe innen im Schiff zu verbrennen. „Dann musste immer erst einmal gestoppt werden.“

Rückkehr für Mittwoch geplant

Mehrere Tage hat der Schiffbetriebsmeister jetzt auch einmal unter dem fast 90 Meter langen Rumpf verbracht „Da sollte ja nicht einfach nur der neue Plattengang draufgeklatscht werden. Die schönen stromlinienförmigen Linien des Schiffes machen das aber gar nicht so einfach.“ Es mussten bananenförmige Stahlbleche mit acht Millimeter Stärke als Unterkonstruktionen geformt werden.

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Beim Malen des neuen Wasserpasses hätten die Kollegen ziemlich geflucht: „Die nehmen ja heute Laser und Schlauchwasserwagen für so etwas. Aber hier ging es darum, die runde Schiffslinie mit viel Gefühl nachzuvollziehen.“ An dem roten Rallyestreifen sei dann auch tatsächlich zu sehen, dass sich etwas an dem Schiff verändert hat: Der sitzt jetzt ein ganzes Stück höher und kaschiert so den neuen Hüftgurt der weißen Schönheit.

Am Mittwoch soll das „Schulschiff Deutschland“ nach Plan eigentlich um 10 Uhr in Bremerhaven starten und um 17 Uhr am Liegeplatz vor dem Standort des Deutschen Schulschiffvereins an der Lesum sein. Doch Müller-Fellmetts Stirn legt sich in Falten, wenn er auf die Windvorhersagen schaut. Angesichts der von Sturmböen mit acht Windstärken ist nach einem Monat Leben auf dem Schiff noch keine glückliche Heimreise in Sicht. Er hat jedenfalls trotzdem schon einmal seine ehrenamtliche Crew zusammengetrommelt und volle Wassereimer in der Küche und den Toiletten verteilt: „Wenn man das Schiff sieht, denkt man nicht, dass wir uns selbst nicht mehr versorgen können. Aber es geht eben nicht mehr mit vollen Tanks und vollen Segeln seewärts.“

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