Altstadt

Reportage einer Gaststudentin gewinnt Preis von „Le Monde“

Altstadt. Es ist eine europäische Geschichte. Die französische Studentin Sophie Hériaud kommt 2015 als Gast für ein Semester an die Hochschule Bremen.
27.11.2017, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Martin Ulrich

Altstadt. Es ist eine europäische Geschichte. Die französische Studentin Sophie Hériaud kommt 2015 als Gast für ein Semester an die Hochschule Bremen. Sie studiert am Internationalen Studiengang Journalistik, lernt Deutsch und geht mit offenen Augen durch die Stadt. An der Hochschule trifft sie einen Kommilitonen, der aus Syrien geflohen ist. Sie hört seine Geschichte und ist berührt. Was machen auch angehende Journalisten, wenn sie etwas bewegt? Sie schauen genauer hin und beginnen zu recherchieren.

Sophie Hériauds Recherche mündet in eine Reportage über die Lage der Geflüchteten in Bremen. Sie zeigt, wie diese Menschen in Bremen aufgenommen werden, wie Unterkünfte bereitgestellt werden, wie ehrenamtliche Helfer sich kümmern, wie ihnen zum Beispiel Deutschunterricht erteilt wird und verschweigt auch die Probleme nicht. Wieder in Frankreich, erfährt sie von einem Reportagewettbewerb vom UNHCR, des Büros des United Nations High Commissioners for Refugees (UN Flüchtlingshilfe), und der großen französischen Tageszeitung „Le Monde“.

Sie schickt ihre Reportage aus Bremer Tagen ein und gewinnt den ersten Preis. Mit dem Preisgeld finanziert sie eine Fotoreise auf die griechische Insel Lesbos, einem der ersten Anlaufpunkte vieler Flüchtlinge. Von Lesbos aus kann man die türkische Küstenlinie sehr klar sehen. Die Entfernung wirkt bei guten Wetter überbrückbar.

Folgerichtig wird Lesbos von Flüchtenden geradezu überrannt, wenngleich die Insel für die meisten nur ein Etappenziel ist. Sophie Hériaud fotografiert Flüchtende und dokumentiert ihre Lage in Bremen und auf Lesbos. Ihre Bilder sind nicht wertend oder dramatisierend. Es sind dokumentarische Fotos im besten Sinne. Sie zeigen einfach, was ist. Und genau das berührt auch den Betrachter.

Der Bremer Rat für Integration hatte Hériauds Arbeit im Zusammenhang mit der „Globale“, dem Festival für grenzüberschreitende Literatur, in Bremen vorgestellt. Barbara Witte, die Leiterin des auslaufenden Journalistik-Studiengangs an der Hochschule Bremen, griff unter anderem den Begriff der „Public Diplomacy“ auf: Es habe sich Bewusstsein für die Kommunikation von Bürgerinnen und Bürgern eines Landes mit denen eines anderen Landes entwickelt.

Sophie Hériaud engagiert sich weiter in europäischen Zusammenhängen. Sie ist Projektmanagerin bei Toi d’Europe, einem europäischen Dokumentationsprojekt. Es soll 60 Jahre nach dem Vertrag von Rom und 30 Jahre nach der Einführung von Erasmus zeigen, wie die Sichtweisen der Jugend auf die Zukunft der Europäischen Union sind. Mit Kamera und Notizblock werden die Projektmitglieder innerhalb von zwei Monaten durch alle europäischen Länder reisen und mit Jugendlichen über ihre Erwartungen sprechen. Weitere acht Monate lang werden als Ergebnisse auf ihrer Website etwa 30 Videos veröffentlicht, die die Union darstellen.

"Toi d’Europe” ist auch auf Facebook und Instagram zu finden. Sophie Hériaud arbeitet außerdem als freie Journalistin und ist im Masterstudiengang Konfliktstudien an der Universität von Metz eingeschrieben. Man wird sicher noch von ihr hören.

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