Thomas de Maizière zu Gast in Bremen Reservisten sollen Bundeswehr stärker unterstützen

Bremen. In der Scharnhorst-Kaserne ist die Einheit der Regionalen Sicherungs- und Unterstützungskräfte in Dienst gestellt worden. Die Reservistentruppe ist im Zuge der Neukonzeption die deutschlandweit erste von 27 solcher regionalen Einheiten.
16.06.2012, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Helge Dickau

Bremen. In der Scharnhorst-Kaserne ist am Freitag die Bremer Einheit der Regionalen Sicherungs- und Unterstützungskräfte in Dienst gestellt worden. Die Reservistentruppe ist die deutschlandweit erste von 27 solcher regionalen Einheiten, die im Zuge der Neukonzeption der Bundeswehr aufgestellt werden sollen. "Die Reserve wird ein Teil der Bundeswehr", sagte Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU), der zu den Reservisten sprach.

"Die politische Lage der Welt stellt uns vor neue Herausforderungen – die Neukonzeption der Bundeswehr ist unsere Antwort darauf", sagte Thomas de Maizière (CDU) am Freitag vor rund 100 Angehörigen einer neuen Reserve-Einheit. Der Bundesverteidigungsminister war extra mit dem Helikopter nach Bremen gekommen, um dabei zu sein, als die Regionale Sicherungs- und Unterstützungskompanie Bremen mit militärischen Ehren in Dienst gestellt wurde. Sie ist die erste von 27 regionalen Einheiten, die bundesweit eingesetzt werden sollen.

Insgesamt besteht die Einheit aus 170 Reservisten aus Bremen, Bremerhaven und Osterholz, die sich freiwillig dafür gemeldet haben. Ihr Kompaniechef, Hauptmann der Reserve Stephan Leupold, hat sie am Freitag in der Scharnhorst-Kaserne übernommen – damit ist die Kompanie jetzt offiziell. Nur ausgebildet ist sie noch nicht, das kann noch rund zwei Jahre dauern.

Einsatz im Katastrophenschutz

Denn auf die Reservisten warten andere Aufgaben, als dies vorher der Fall war. Die Regionale Kompanie steht für Wach- und Sicherungsaufgaben im Rahmen des sogenannten "Heimatschutzes" zur Verfügung und soll im Rahmen des Katastrophenschutzes eingesetzt werden. Deshalb waren auch weitere Hilfsdienste vor Ort: Das Technische Hilfswerk, das Rote Kreuz, der Malteser Hilfsdienst, die Deutsche Lebensrettungs-Gesellschaft und die Feuerwehr hatten Abordnungen geschickt. "Heimatschutz kann nur von mehreren Schultern getragen werden, die Reserve ist eine davon", sagte der Bundesvorsitzende des Reservistenverbands, Oberst a.D. Roderich Kiesewetter.

Darüber hinaus sollen die Reservisten künftig auch als personeller Ausgleich für die reguläre Truppe dienen – wenn nämlich Angehörige der Bundeswehr für Einsätze abgezogen sind und daher nicht zur Verfügung stehen können. "Früher wäre es auch ohne Reservisten gegangen", sagte de Maizière. Künftig jedoch werde die Reserve enger mit der Truppe zusammenrücken, sie werde "ein Teil der Bundeswehr".

Grund dafür ist die Neukonzeption der Bundeswehr. Die Wehrpflicht wurde ausgesetzt und eine Freiwilligen-Armee eingeführt – eine Folge davon ist, dass die Reservisten stärker eingebunden werden, was in Form der Sicherungs- und Unterstützungskräfte geschehen soll. Dafür habe die Kompanie in Bremen "Signalcharakter", sagte der Bundesverteidigungsminister. Sie solle nachhaltig finanziert, gut ausgerüstet, demografiefest und in der Gesellschaft verankert sein, sagte er. De Maizière bedankte sich bei den Reservisten für ihren Einsatz und fügte hinzu, dass jetzt noch mehr Verantwortung auf sie zukomme.

Auch Christian Weber, Präsident der Bremischen Bürgerschaft, war in die Kaserne gekommen, um der Indienstnahme der Kompanie beizuwohnen. Er beglückwünschte die Reservisten ebenfalls zu ihrem ehrenamtlichen, gesellschaftlichen Engagement. Er ließ es sich allerdings nicht nehmen, sich an de Maizière zu wenden und seine Meinung zur Aussetzung der Wehrpflicht zu sagen: "Ich war immer für die Wehrpflicht und werde auch immer für die Wehrpflicht sein." Außerdem hoffe er, dass sich de Maizière nicht vom Finanzminister die Feder führen lasse: "Dann geht’s schief." Weber war auch der einzige Redner, der auf die Demonstranten vor der Kaserne einging. Dort hatte sich eine Handvoll Menschen eingefunden und in den Redepausen durch Zwischenrufe bemerkbar gemacht. Unter anderem das Bremer Friedensforum und Mercedes-Arbeiter verteilten dort Flugblätter, um sich gegen den Einsatz von Soldaten für zivile Hilfsdienste auszusprechen.

Bundesweit gibt es nach Angaben des Reservistenverbandes rund 3300 Bewerbungen für die Sicherungs- und Unterstützungskompanien. Bis alle 27 Einheiten Realität geworden sind, dauert es jedoch noch ein paar Jahre, die praktische Phase der Neukonzeption hat gerade erst begonnen. "Begonnen haben wir ganz oben, bei uns selbst: im Ministerium", sagte de Maizière. Und mit der Bremer Kompanie "beginnen wir auch geografisch ganz oben."

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