Pädagogen-Initiativkreis kooperiert mit Quirl Resilienz-Projekt für Kinder und Jugendliche in Bremen gestartet

Der Pädagogen-Initiativkreis hat ein nachhaltig angelegtes Resilienz-Projekt für Kinder und Jugendliche in prekären Quartieren mit Hilfe des Teams der Quirl-Kinderhäuser und Helfern erfolgreich gestartet.
28.12.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Resilienz-Projekt für Kinder und Jugendliche in Bremen gestartet
Von Ulrike Troue

Einen vielversprechenden Weg, wie Kinder und Jugendliche, die in prekäre Familienverhältnisse eingebunden sind, unterstützt werden können, zeigt der Pädagogen-Initiativkreis auf. Die einstigen Lehrer Lutz Drosdowsky und Helmut Zachau haben ihn im Frühsommer gegründet, um ein Resilienz-Projekt umzusetzen. Denn diese Kinder und Jugendlichen leiden nach Ansicht der beiden Pädagogen aus dem Bremer Westen besonders unter der Pandemie: Durch geschlossene Kindergärten und Schulen oder Homeschooling sind sie in häuslicher Isolation zusätzlichen Spannungen ausgesetzt.

Drosdowsky und Zachau haben inzwischen 40 Lehrkräfte im Ruhestand dafür gewonnen, ihre Pensionserhöhung ebenfalls mindestens zwei Jahre lang für das Förderprojekt „Beweg Dich, dann bewegt sich was“ zu spenden. Sechs Pädagogen haben Einzelspenden getätigt. Somit stehen laut Drosdowsky zum Jahresende 24.257 Euro für sozialraumbezogene Familienbildungsarbeit zur Verfügung. „Ein super Ergebnis!“

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Als „Glücksfall“ stuft Zachau die Zusammenarbeit mit dem Verein Quirl-Kinderhäuser ein. Die Mitarbeitenden würden die Kinder aus „den Blockaden“ herausholen und hätten trotz der erheblichen Einschränkungen durch die Pandemie erste Angebote „mit Kreativität, Energie und Begeisterung umgesetzt“, lobt er.

Möglichkeiten ausschöpfen

Ursprünglich war ein offenes Theaterprojekt mit Netzwerkaktionen geplant. Doch derzeit sind offene Angebote undenkbar. „Also machen wir das, was möglich ist und auch als Modell für später dienen kann“, erklärt Quirl-Vorständin Barbara Köberlein. In Abstimmung mit dem Initiativkreis werden zunächst die rund 200 Kinder in den Quirl-Einrichtungen gefördert.

Die Fäden dafür hat die systematische Fachberaterin Andrea Sbach in der Hand. „Mein Herz schlägt für bedarfsgerechte Familienbildung“, betont sie. Die sei in Bremen unterrepräsentiert. Dabei ist Sbach der Vernetzungsgedanke wichtig. Gleich zum Projektstart hat sie ihre Kontakte zu anderen Fachkräften genutzt und darüber hinaus die Fühler ausgestreckt zu freischaffenden Künstlern, Studierenden und jungen Menschen aus Kunst und Kultur, die ihre Ideen weiterentwickeln und mit Familien umsetzen möchten. „Das ist gut gelungen, so haben wir auf jeden Fall starten können“, findet die Quirl-Fachberaterin.

Es gab zum Beispiel ein Sommerferienprogramm „Das kommt uns in die Tüte“ für zukünftige Schulkinder aus den Kinderhäusern Quirli und Blau in Kooperation mit der Grundschule Pastorenweg. An drei Standorten hat die „Compania Cuchufleta“ die Gruppen bis zu je 20 Teilnehmenden zu Improvisationstheater mit Musik und Tanz angeleitet. Wegen wechselnder Teilnehmerzahlen sei vieles spontan gestaltet worden, die Kinder hätten viel Freiraum für ihre Wünsche gehabt, bilanziert Andrea Sbach. Dadurch rückte der Bewegungsdrang in den Vordergrund.

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Wichtig ist ihr auch der Kontakt zu den Eltern. So wurden anfangs Gutscheine für das Ferienangebot verteilt, parallel dazu hat Sbach über die bestehenden vertrauten Einrichtungen versucht, Familien aus prekären Verhältnissen zu erreichen. Denn das Ziel des Resilienz-Projekts ist nach ihrer Aussage: Gemeinsame Erlebnisse für Familien zu schaffen und Lernen durch Erleben zu ermöglichen.

Nach anfänglichen Berührungsängsten sei der Funke der Begeisterung von vielen Kindern auch auf die Eltern übergesprungen, berichtet Teresa Linke. Die Entspannungs- und Achtsamkeitstrainerin konnte dank der gesicherten Finanzierung durch den Pädagogen-Initiativkreis mit 15 Wochenstunden nun fest vom Verein Quirl-Kinderhäuser angestellt werden. Dafür ist sie den ehemaligen Lehrkräften dankbar, die wiederum der geschaffene Mehrwert freut.

Bedürfnis nach Bewegung und Ruhe

Linke leitet im Quirl-Kinderhaus am Hafen in der Überseestadt regelmäßig 17 Mädchen und Jungen im Vorschulalter zu Bewegungsmeditation an. Sie mache ihnen zuerst Vorschläge, sagt sie. Meistens wollten sie tanzen. „Ich baue auch mal einen Kletterparcours auf“, so Linke. „Sie sollen ruhig Angst haben, die nehme ich ihnen. Und wenn alle sich ausgetobt, geschwitzt und ein bisschen losgelassen haben, mache ich Meditation.“

Die Kinder schließen die Augen, es ist absolut still. „Für viele ist es ganz neu, dass dann einfach mal gar nichts passiert“, stellt die Achtsamkeitstrainerin fest. In ihrer Gruppe in Arsten habe das indes schon eine halbe Stunde geklappt, erzählt Linke, die davon ein Ruhebedürfnis der Kinder ableitet.

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Als weitere Angebote seien Kräuterwanderungen, Yoga und weitere naturkundliche Aktionen mit der Naturpädagogikexpertin Laima Luzzi geplant, zählt Projektkoordinatorin Sbach auf. Außerdem hat ein Kursus „Gesundheit und Bewegung“ mit Müttern in Kooperation mit dem Gesundheitstreffpunkt West in Gröpelingen begonnen.

Das Quirl-Team nutzt seine Netzwerke, kooperiert mit anderen Institutionen, Arbeitskreisen und freischaffenden Akteuren und baut die Zusammenarbeit aus. Damit greift bereits der von Zachau und Drosdowsky erhoffte zweite Projektgedanke: der nachhaltige Synergieeffekt. Folglich bekommen beide durchweg positive und interessierte Rückmeldungen.

Wer sich einbringen möchte, kann Näheres über das Resilienz-Projekt und den Pädagogen-Initiativkreis von Helmut Zachau oder Lutz Drosdowsky erfahren. Sie sind per E-Mail an helmut.zachau@nord-com.net beziehungsweise Ldrosdowsky@t-online.de zu erreichen.

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In dieser Reihe schauen wir auf coronafreie Themen, die Bremen im vergangenen Jahr beschäftigt haben, und darauf, was aus ihnen geworden ist.

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