Revierleiter Michael Nägele verleiht Ndirga Gueye eine Urkunde für Zivilcourage

Retter in der Not

Steintor·Hulsberg. Das sind Termine, die dem Revierleiter Spaß machen. Schon zum dritten Mal in diesem Jahr hat Michael Nägele, Leiter des Polizeireviers Steintor, einem mutigen Menschen, der anderen in einer Notsituation beigestanden hat, eine Urkunde für Zivilcourage verliehen.
03.12.2015, 00:00
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Von Liane Janz
Retter in der Not

„Ich wollte helfen“, sagt Ndirga Gueye über seinen mutigen Einsatz. Revierleiter Michael Nägele zeichnet ihn dafür aus.

Walter Gerbracht

Das sind Termine, die dem Revierleiter Spaß machen. Schon zum dritten Mal in diesem Jahr hat Michael Nägele, Leiter des Polizeireviers Steintor, einem mutigen Menschen, der anderen in einer Notsituation beigestanden hat, eine Urkunde für Zivilcourage verliehen. Ndirga Gueye stand im November im Steintor einem Touristen bei, der um seine Spiegelreflexkamera kämpfte.

Ein 29-Jähriger, der der Polizei als Wiederholungstäter bekannt ist, wollte dem 52-jährigen Wetzlaer die Kamera aus der Hand reißen, doch der Hesse wehrte sich. Ndirga Gueye wurde auf die Situation aufmerksam und fragte erst einmal ganz harmlos, was denn los sei. Der Tourist bat ihn um Hilfe, und es folgte eine Diskussion mit dem alkoholisierten Räuber. Irgendwann habe der Räuber eine Holzlatte, in der Nägel steckten, aufgehoben und zuschlagen wollen. „In dem Moment hab ich nicht an meine Gesundheit gedacht. Ich wollte helfen“, sagt Ndirga Gueye heute. Der Postbote vom Hulsberg griff zu, hielt Täter und Latte fest, während ein weiterer Zeuge, ein Tourist aus Berlin, die Polizei rief. Außerdem fuhr gerade eine Streife vorbei, die auf die Situation aufmerksam wurde. Der Angreifer wurde festgenommen und sitzt in Untersuchungshaft.

Der Zwischenfall ist aus mehreren Gründen außergewöhnlich. Das Steintor ist eigentlich nicht der Nachhauseweg von Ndirga Gueyer. Er kam vom Arzt und hatte beschlossen, einen Spaziergang durch das Steintor zu machen. Kurze Zeit vor dem Zwischenfall hatte er eine Operation am Bauch gehabt, und war gerade erst aus der Klinik entlassen worden. Als er dem Touristen zu Hilfe kam, trat der Täter ihn in den Bauch. Er hatte Glück, es ging glimpflich aus, und er musste nicht erneut ins Krankenhaus. Allerdings war Ndirga Gueye der Einzige, der eingriff. Auf der belebten Straße Vor dem Steintor bildete sich zwar eine Schar Schaulustiger, doch niemand habe ihm geholfen, den Täter festzuhalten, und erst einmal habe keiner Anstalten gemacht, den Notruf zu wählen, erzählt Ndirga Gueye. Der Ladeninhaber, vor dessen Geschäft sich das Ganze abspielte, habe sogar versucht, sie wegzuscheuchen.

In solchen Situationen sollten Zeugen grundsätzlich die 110 wählen, rät die Polizei. Das gehe auch ohne Guthaben auf dem Handy. Am besten sollte der Notruf gewählt werden, bevor man eingreife, sagt Revierleiter Michael Nägele. In diesem Fall ging aber alles so schnell, dass das nicht möglich war. Außer der Tatsache, dass Ndirga Gueye überhaupt geholfen hat, war es auch die Art und Weise, wie er es tat, die dem Revierleiter positiv auffiel. Er habe zunächst versucht, verbal auf den Täter einzuwirken, statt gleich drauf los zu gehen. Erst als die Situation zu eskalieren drohte, sei er auch körperlich eingeschritten. Und das, obwohl es ihm körperlich nicht gut ging.

Generell rät die Polizei allen, die eine Straftat beobachten, sich nicht selbst in Gefahr zu bringen, sondern Hilfe zu holen und als Zeugen zur Verfügung zu stehen.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+