Landkreis Osterholz

Rettungshundestaffel feiert Zehnjähriges

Zehn Jahre besteht die Rettungshundestaffel im Landkreis Osterholz schon. Zur Übung auf dem Gelände der ehemaligen Lützow-Kaserne in Schwanewede war auch Landrat Lütjen vor Ort.
02.07.2018, 07:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Karsten Hollmann
Rettungshundestaffel feiert Zehnjähriges

Hundeführer Henry Oetjen und seine Begleitperson Melanie Prohaska begeben sich auf dem Gelände der ehemaligen Lützow-Kaserne mit einem „Verweiserhund“ auf die Suche nach einer vermissten Person.

Karsten Hollmann

Schwanewede. Wer zu schnell fährt, geblitzt wird und dafür zahlen muss, der könnte damit etwas Gutes tun. Die Rettungshundestaffel im Landkreis Osterholz erhält schließlich Gelder aus der Verkehrsüberwachung des Landkreises. „Das ist sehr gut angelegtes Geld“, versicherte Landrat Bernd Lütjen im Rahmen einer Veranstaltung anlässlich des zehnjährigen Bestehens der Staffel auf dem Gelände der ehemaligen Lützow-Kaserne in Schwanewede.

Lütjen war auch vor einem Jahr anwesend, als Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius die Verdienste der Rettungshundestaffel würdigte. „Damals hatte die Staffel noch 16 Hunde. Jetzt sind es bereits knapp 30“, wies der Landrat auf das enorme Wachstum der Staffel hin. Vor zwölf Jahren wurde der Vorsitzende der Rettungshundestaffel im Landkreis Osterholz, Edgar Schumacher, bei einer Heimtiermesse in Oldenburg das erste Mal auf das Thema aufmerksam. Die nächstgelegene Staffel war seinerzeit in Wildeshausen. „Da wollte ich aber nicht immer ganz hinfahren“, gab Schumacher zu bedenken.

Zeitaufwendige Ausbildung

Er habe sich dann das Okay seiner Frau Heike Schumacher, der 1. Kreisrätin und Vertreterin von Landrat Bernd Lütjen, geholt und sich auf die Suche nach einem geeigneten Gelände gemacht. Dieses wurde dann schließlich in Schwanewede gefunden. „Aber weder ich noch meine Frau wussten damals, was da auf uns zukommen würde“, teilte Edgar Schumacher mit. Die Ausbildung von Rettungshunden sei sehr zeitaufwendig. „Ohne überheblich wirken zu wollen, können wir auf unsere Staffel sehr stolz sein“, urteilte Schumacher. Da pflichtete ihm Bernd Lütjen bei: „Das hat mit Überheblichkeit nichts zu tun. Sie haben hier einen tollen Haufen, in dem die Mitglieder gerne zusammenkommen. Wenn man sich nicht versteht, würde man so etwas nicht machen.“

Neben Edgar Schumacher ist auch Imke Weiß seit der Geburtsstunde der Staffel immer noch dabei. „Es freut mich, dass so etwas Schönes und Tolles daraus geworden ist.“ Angefangen hat alles am 28. Dezember 2008 mit 14 Mitgliedern und zwei Hunden. Derzeit hat die Staffel 23 Mitglieder. Die Rettungshundestaffel arbeitet inzwischen als freie Staffel mit einem Kooperationsvertrag zusammen mit der Polizei Niedersachsen. Die Einsätze sind ehrenamtlich und kostenfrei. Das Ziel der Rettungshundestaffel ist es, vermisste Personen zu suchen und Leben zu retten. Während ein Spürhund niedersachsenweit nach vermissten Personen sucht, so sollen die acht Flächenhundeeinheiten nur im Umkreis von 100 Kilometern vermisste Personen suchen. „Wir mussten irgendwo eine Grenze setzen“, ließ Edgar Schumacher wissen. Dieser führte dann auch noch Hundeführerin Jaqueline Reinke ein: „Das ist die härteste Frau, die man sich vorstellen kann.“ Bei der Flächensuche handelt es sich um eine eigene Sparte der Rettungshundestaffel. Bei vermissten Kindern, verwirrten Menschen oder suizidgefährdeten Personen kommt der Flächenhund zum Einsatz. Die Flächensuchhunde suchen nicht nach einer bestimmten Person, sondern ein vorher bestimmtes Gebiet nach Personen ab. Der Flächensuchhund läuft dabei ohne Leine frei ohne seinen Hundeführer, der in einem gewissen Abstand hinterhergeht. „Wir sind dabei Tag und Nacht ehrenamtlich im Einsatz“, informierte Sonja Fricke, die für die Öffentlichkeitsarbeit in der Organisation zuständig ist. Alleine in diesem Jahr habe die Staffel bereits 16 Einsätze durchgeführt. Um sich die Arbeit der Staffel besser vorstellen zu können, wurden den anwesenden Gästen bei der Jubiläumsveranstaltung auch praktische Einsatz-Szenarien demonstriert. Dabei war zunächst der Personenspürhund, auch Mantrailer genannt, im Einsatz. Die Mantrailer verfolgen den individuellen Geruch einer Person. Dieser bekam erst einmal sein Geschirr angelegt und nahm dann bei einem simulierten Verkehrsunfall anhand des Türgriffs eines Fahrzeuges als Geruchsprobe die Fährte einer Person auf. Der Hund fand Stefanie Boedtner auch bereits nach kurzer Zeit, die sich als Versuchsperson zur Verfügung stellte.

Zur Belohnung ein Spielzeug

Dann war der „Verbellerhund“ an der Reihe. Dieser nahm die Fährte einer vermissten Person auf und blieb nach Auffindung dieser Person so lange bellend bei dieser, bis die Hundeführer eintrafen. Diese alarmierten dann die Rettungskräfte. „Der Hund kann über einen Zeitraum von 15 Minuten ein Gebiet von etwa 700000 Quadratmetern absuchen“, informierte Edgar Schumacher. Wer sah, mit welcher Intensität und Laufleistung der Hund unterwegs war, konnte sich ungefähr vorstellen, weshalb der Vierbeiner nach einer Viertelstunde kaputt gewesen wäre. Zum Schluss durfte noch der „Freiverweiser“ seine Kunst an den Tag legen.

Dieser Hund sucht die vermisste Person und kehrt bei einem Fund zu seinem Hundeführer zurück. Auf dem Weg zur Person, die unter einem Baum lag, musste der Hund aber erst einmal kurzzeitig einem tierischen Bedürfnis nachgehen. „Das ist der Vorführeffekt“, nahm Edgar Schumacher die Situation gelassen. Kurz darauf fand der Rettungshund aber auch schon die gesuchte Person und kehrte sodann zu seinem Hundeführer Henry Oetjen zurück. Der Hund führte Oetjen und seine Begleitperson Melanie Prohaska dann an der Leine zur Person. Ein Hundeführer geht niemals alleine. Zur Belohnung erhielt der Hund ein Spielzeug. Damit der Hund bei einem Einsatz nicht etwa durch Jogger oder Spaziergänger abgelenkt wird, ist er darauf trainiert, nur hilflose, liegende Personen zu finden.

„Am Anfang war die Rettungshundestaffel ein Exot. Aber nun hat die Staffel weit über die Grenzen des Landkreises Osterholz hinaus Anerkennung bekommen“, sagte der Osterholzer Kreisgeschäftsführer des Deutschen Roten Kreuzes, Volker Leopold. Edgar Schumacher arbeitet mit einem Labrador in der Rettungshundestaffel. „Das ist ein guter Flächenhund“, versicherte der 59-Jährige. Der gelernte Einzelhandelskaufmann, der bereits seit 30 Jahren Hausmann ist, probierte es zwischendurch auch mit der Spürhundvariante. „Dann hat mir ein Kollege aber gesagt, dass ich doch lieber wieder in die Fläche gehen solle, weil ich dort hingehöre“, so Schumacher. Dies habe er auch selbst eingesehen.

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