Führungskräfte üben Kritik an Quante-Brandt Revolte gegen Gesundheitssenatorin

In der Bremer Gesundheitsbehörde ist das Betriebsklima offenbar auf dem Nullpunkt. In einem Brandbrief haben leitende Mitarbeiter den Führungsstil von Senatorin Eva Quante-Brandt heftig attackiert.
12.04.2018, 05:55
Lesedauer: 4 Min
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Von Sabine Doll und Jürgen Theiner

In der Gesundheitsbehörde von Senatorin Eva Quante-Brandt (SPD) gärt es gewaltig: In einem sehr ungewöhnlichen Vorgang äußern sowohl Sachbearbeiter als auch Führungskräfte massive Kritik am Führungsstil und dem persönlichen Umgang der Ressortchefin mit ihren Mitarbeitern. Quante-Brandt hatte das Amt der Senatorin für Wissenschaft, Gesundheit und Verbraucherschutz nach der Bürgerschaftswahl 2015 übernommen, seitdem soll sich das Betriebsklima deutlich verschlechtert haben. Jetzt ist offenbar ein Punkt erreicht, an dem die Mitarbeiter auf allen Hierarchieebenen die Situation nicht mehr hinnehmen wollen. In Brandbriefen an Quante-Brandt machen sie ihrem Ärger und Frust über die beschädigte Hauskultur Luft.

Anlass ist das Ausscheiden der Abteilungsleiterin Gesundheit, Bettina Godschalk, die nach gerade einmal fünf Monaten das Handtuch geworfen hat. Anfang April ist sie an ihren früheren Arbeitsplatz im Bundesgesundheitsministerium zurückkehrt. "Ich wäre sehr gerne geblieben; vor allem auch, weil ich die Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern sehr geschätzt habe", sagt sie dem WESER-KURIER. Grund für ihre Rückkehr nach Berlin seien Konflikte mit der Senatorin gewesen: "Es gab einige Vorkommnisse, weshalb eine vertrauensvolle Zusammenarbeit nicht mehr möglich war. Das betrifft nicht die fachliche Ebene, sondern die persönliche Zusammenarbeit."

"Bestürzung und Betroffenheit"

In einem sehr deutlichen und offenen Brandbrief an Quante-Brandt bringen alle sechs Referatsleiter ihre "Bestürzung und Betroffenheit" über das Ausscheiden der Abteilungsleiterin zum Ausdruck. "Wir sind nicht bereit, dies kommentarlos hinzunehmen", heißt es in dem gemeinsamen Schreiben vom 19. März, das dem WESER-KURIER vorliegt. Innerhalb von nur zwei Jahren sei dies der dritte Wechsel innerhalb der Abteilungsleitung. Dies sei "offensichtlich kein Beleg und auch nicht förderlich für ein gutes Betriebsklima und in der Sache schädlich".

Den Grund dafür sehen die Führungskräfte im Umgang und fehlender Wertschätzung gegenüber den Mitarbeitern. "Es ist bei vielen der Eindruck entstanden, dass nach Ihrer Auffassung die Abteilung weder effizient noch effektiv arbeitet. An diesem Eindruck konnten anerkennende Worte im Rahmen von festlichen Ansprachen insofern nichts ändern, als Sie Ihre negative Einschätzung der Arbeit nach unserer Beobachtung nicht nur intern, sondern auch gegenüber Dritten kundtun." Das sei eine neue und nicht nachvollziehbare Situation. Bei Senatorinnen und Senatoren vor Quante-Brandt sei die Abteilung durchweg in ihrer Fachlichkeit und ihrem Wirken anerkannt gewesen und habe auch extern einen guten Ruf gehabt. Durch das Ausscheiden der Abteilungsleiterin befürchten die Referatsleiter "gravierende und kaum absehbare Folgen" für die Arbeit in der Gesundheitsabteilung.

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Fachlichkeit ist auch das Stichwort einer früheren Führungskraft des Gesundheitsressorts. Sie sieht die Behörde auf einem gefährlichen Kurs. „Der Apparat funktioniert zwar noch, die Leute machen ihre Arbeit“, sagt die Insiderin, die nicht namentlich in Erscheinung treten möchte, „aber das Innovationspotenzial und die Kreativität nehmen ab“. Dies sei die eigentliche Folge des problematischen Stils von Eva Quante-Brandt. „Sie praktiziert eine Führung, die sich nicht mit Fachlichkeit paart. Und sie hat kein Vertrauen in die Fachlichkeit ihrer Mitarbeiter.“ Wer als Beschäftigter solches Misstrauen von oben spüre, fühle sich nicht gerade angespornt, sich an seinem Arbeitsplatz weiter engagiert einzubringen. „Das war unter Quante-Brandts Vorgängern anders. Die haben zumindest auf die Fachlichkeit ihrer Mitarbeiter vertraut, wenn dann auch im Einzelfall mal anders entschieden wurde, als die Untergebenen empfohlen hatten“, so die langjährige Behördenmitarbeiterin.

Auch die Sachbearbeiterebene meldet sich zu Wort. In einem Brief an die Behördenspitze stellen sich rund 30 Mitarbeiter hinter die Position der Referatsleiter.

Zahlreiche Angriffe auf der persönlichen Ebene

In der Gesundheitsbehörde rumort es offenbar schon lange. Nach Erkenntnissen des WESER-KURIER haben seit 2015 bereits mehrere Mitarbeiter die Behörde aus ähnlich gelagerten Gründen verlassen. Ein ehemaliger Mitarbeiter berichtet, fachliche Kritik sei bei mehreren Gelegenheiten von der Senatorin "sehr schnell mit Angriffen auf der persönlichen Ebene" beantwortet worden. Sätze wie "Das taugt nichts" oder "Was soll ich denn damit anfangen?" seien auch "lautstark und vor anderen" gefallen. In einem anderen Fall soll ein leitender Mitarbeiter aus einer anderen Dienststelle von Quante-Brandt in die Abteilung Gesundheit geholt worden sein, um eine besondere Aufgabe auf Führungsebene zu übernehmen. "Verwaltungstechnisch war alles geregelt, das Türschild hing am Büro, der leitende Mitarbeiter hatte die Nachfolge in seiner vorherigen Dienststelle geregelt. Dann gab es vonseiten der Senatorin einen Rückzieher." Der leitende Mitarbeiter sei daraufhin in den Ruhestand gegangen.

Auch beim Personalrat ist das Thema inzwischen angekommen. Eine Arbeitnehmervertreterin sagt anonym: „Das Problem bei Frau Quante-Brandt ist der Stil und die mangelnde Nachvollziehbarkeit von Entscheidungen. Man täte im Gesundheitsressort sicher besser daran, mehr miteinander zu sprechen. Mein Eindruck ist: Die Mitarbeiter werden von der Hausspitze nicht abgeholt.“

Die Gesundheitssenatorin selbst sieht die Dinge offenbar entspannter als ihre Untergebenen. Ihre Sprecherin Christina Selzer teilte am Mittwoch auf Anfrage schriftlich mit, dass Quante-Brandt bereits ein klärendes Gespräch mit den Referatsleitern geführt habe. Es sei "sehr konstruktiv verlaufen". Man habe "Verabredungen getroffen, um den Austausch zwischen Abteilung und Hausleitung weiter zu intensivieren". Laut Selzer geht die Senatorin davon aus, dass Missverständnisse ausgeräumt worden sind".

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