Internet-Initiative „Bremen lebt“ Revolverheld-Sänger kämpft für die Vielfalt im Viertel

Die Internet-Initiative „Bremen lebt“ hat einen weiteren prominenten Unterstützer gewonnen: Johannes Strate von der Band Revolverheld. Der wiederum hat einen Werder-Spieler zum Mitmachen aufgerufen.
23.04.2015, 19:03
Lesedauer: 3 Min
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Von Ina Friebel und Jörn Seidel

Johannes Strate hat sich in den Streit ums Bremer Viertel eingeschaltet. Auf Youtube veröffentlichte der Sänger der Band Revolverheld unter dem Hashtag #bremenlebt eine Videobotschaft, in der er mit kämpferischen Worten und einem eigens komponierten Song den Wandel vom alternativen Kneipenviertel zum Wohlstandsquartier beklagt. „Das werden wir verhindern!“, sagt der gebürtige Bremer, der selbst viele Jahre im Viertel gelebt und jede Kneipe kennengelernt habe.

Damit ist Strate einem Aufruf der Bremer Band Faakmarwin gefolgt, die Ende März im Internet die Initiative „Bremen lebt“ losgetreten hatte. Mit einem Rapsong über das Viertel beziehen die Musiker Stellung im Streit zwischen Betreibern von Kneipen, Cafés oder Clubs und Anwohnern, die sich über Lärm und Dreck der feiernden Leute beschweren. In dem Video tanzt ein buntes Trüppchen junger Leute rappend durch das Viertel, angeführt von Sänger Alex Skipka. Die Botschaft: „Alles soll bleiben, wie es ist.“ Und: „Wenn ihr Ruhe wollt, zieht nach Schwachhausen.“ Fast 14000 mal wurde das Video mittlerweile angeklickt, an dessen Ende die Band weitere Künstler dazu aufruft, sich an der Aktion zu beteiligen. So haben auch die Bands Moving Houses und We had to leave, der Rapper Testrix und die SPD-Kulturpolitikerin Karin Garling bereits Unterstützervideos veröffentlicht.

Strates Beitrag auf Youtube

Begonnen habe die Aktion mit einem Facebook-Eintrag des Kneipenbetreibers vom „Eisen“, in dem er die angespannte Situation im Viertel deutlich machte, erzählt Skipka. „Mir wurde klar, wie verzweifelt die Kneipenbetreiber sind.“ Also habe er sich entschlossen, ein Lied zu schreiben und mit Freunden ein passendes Video zu drehen – „Bremen lebt“ war geboren. „Die Problematik ist größer und wichtiger, als dass wir das alleine machen wollten. Deswegen haben wir andere Musiker nominiert“, berichtet der Sänger. Zwar sei er selbst nur zugezogener Bremer und wohne in der Neustadt. „Aber seit ich hier lebe, bin ich oft im Viertel unterwegs“, sagt Skipka. „Viele der Kneipen gibt es bereits seit mehren Jahrzehnten. Sie dienen als freier Ort für Kunst, Gestaltung und Kultur.“ Als Künstler wolle er daher ein Zeichen setzen.

Einige Anwohner hatten mit ihren Beschwerden bereits Erfolg: Im „Litfass“ dürfen zum Beispiel nur noch acht Konzerte im Jahr stattfinden. „Das heißt für uns: Irgendwann werden wir nicht mehr stattfinden“, gibt der Musiker zu bedenken. Denn die Kneipen würden sich nun eher auf größere Bands konzentrieren – die kleinen lokalen Künstler blieben auf der Strecke. „Ich frage mich, warum die Leute ins Viertel ziehen, wenn sie mit der Lautstärke nicht zurechtkommen.“ Er selbst habe sich wegen des Lärms bewusst dafür entschieden, in der Neustadt zu leben.

Aus demselben Grund lebt auch Philip Hellerbach, Schlagzeuger der Bremer Band Moving Houses, in der Neustadt. Dort hat er mit Sänger Miran Zrimsek auch immer wieder Auftritte – und mit ähnlichen Problemen zu kämpfen wie im Viertel. „Wir wollten vor einigen Wochen im ,Karton’ auftreten. Als sich die Anwohner beschwerten, sind wir spontan auf ein Nebengebäude ausgewichen.“ Mithilfe der Betreiber des „Karton“ sei so aus einer entkernten Shisha-Bar ein Konzertsaal entstanden. Dort zeichneten die Musiker ein Video auf und posteten es ebenfalls unter dem Hashtag #bremenlebt auf Youtube. „Das spiegelt die Situation gut wider“, sagt Hellerbach.

Der Zukunft im Viertel und in der Neustadt blickt er skeptisch entgegen: „Es gibt sehr oft Lärmbeschwerden. Die Möglichkeiten zum Auftreten werden immer begrenzter.“ Noch vor einem Jahr sei ein spontaner Auftritt im „Litfass“ kein Problem gewesen. „So etwas ist heute nicht mehr möglich“, bedauert der Musiker.

Man darf gespannt sein auf weitere Videos der Aktion „Bremen lebt". Am Ende seines Beitrags ruft Johannes Strate weitere Prominente zur Veröffentlichung von Unterstützervideos auf: Radiomoderatorin Lea Finn, Werder-Spieler Sebastian Prödl und TV-Entertainer Jan Böhmermann.

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