Bislang größte deutsche Gesundheitsstudie läuft auch in Bremen / Volkskrankheiten im Vordergrund

Riechen für die Forschung

Krebs, Diabetes, Bluthochdruck, Depression, Demenz – diese Krankheiten stehen im Fokus der bisher größten Gesundheitsstudie Deutschlands. 10 000 Bremer haben die Möglichkeit, daran teilzunehmen.
22.11.2014, 00:00
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Riechen für die Forschung
Von Sabine Doll
Riechen für die Forschung

Studienassistentin Sabine Barthel (li.) hält Heidemarie Adam ein Stäbchen mit einem Alltagsgeruch unter die Nase.

Frank Thomas Koch

Krebs, Diabetes, Bluthochdruck, Depression, Demenz – diese Krankheiten stehen im Fokus der bisher größten Gesundheitsstudie Deutschlands. 10 000 Bremer haben die Möglichkeit, daran teilzunehmen.

„Ach, das war Schuhleder“, wundert sich Heidemarie Adam. „Das habe ich nun wirklich nicht erkannt.“ Die 72-Jährige riecht noch einmal an dem Stäbchen mit der Nummer zwei. Insgesamt sind es zwölf sogenannte Sniffing Sticks mit Alltagsgerüchen, die es zu erschnuppern gilt. „Mit diesem Test lässt sich erkennen, wie gut der Geruchsnerv funktioniert. Er kann im Alter nachlassen, aber auch durch Unfälle oder Erkrankungen eingeschränkt sein“, erklärt Sabine Barthel. Sie ist eine von mehreren Studienassistentinnen, die Teilnehmer der bislang größten deutschen Gesundheitsstudie begleiten. Der Riechtest ist nur eine von vielen Untersuchungen, die dabei auf dem Programm stehen.

Nationale Kohorte – kurz: NAKO – ist der Titel dieser Studie, bei der Ursachen, Risikofaktoren und Präventionsprogramme für große Volkskrankheiten wie Krebs, Diabetes, Herz-Kreislauf-Leiden, Demenz und Depressionen ermittelt werden sollen. 18 Studienorte sind dafür ausgesucht worden – einer von ihnen ist Bremen mit dem Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie BIPS. In den nächsten vier Jahren werden allein in Bremen 10 000 Frauen und Männer zwischen 20 und 69 Jahren eingeladen, bundesweit werden es 200 000 sein.

In Bremen ist die Studie im April angelaufen, am Freitag wurde sie im BIPS der Öffentlichkeit vorgestellt. Besucher konnten nicht nur einen Blick in die Untersuchungsräume werfen, sondern einige Tests sogar ausprobieren. „Seit Studienstart sind rund 5000 Bremer eingeladen worden, 700 haben sich befragen und untersuchen lassen, so viele wie in keinem anderen Zentrum“, sagt der Bremer NAKO-Projektleiter Wolfgang Ahrens. Wer angeschrieben wird, das entscheidet der Zufall – auf Basis von Daten aus dem Einwohnermelderegister. „Es gab noch nie eine Studie in dieser Größenordnung“, betont Ahrens. „Das Besondere ist vor allem, dass sie auf eine Beobachtungsphase von 20 bis 30 Jahren angelegt ist. Wir wollen erforschen, wie sich Gesundheitszustand, Risikofaktoren, Lebensstil und andere äußere Einflüsse im Lauf der Jahre verändern.“ Deshalb werden die Teilnehmer im Abstand von mehreren Jahren zu Folgeuntersuchungen eingeladen.

Wer die Einladung annimmt, leistet aber nicht nur einen Beitrag zur Erforschung der großen Volkskrankheiten. „Einen solchen umfassenden Gesundheitscheck gibt es sonst in keiner Arztpraxis“, sagt Kathrin Günther, Leiterin des Bremer NAKO-Studienzentrums. Blutdruck und -zucker, Gewicht, Lungenvolumen, Laborwerte aus Blut und Urin werden ermittelt. Dazu kommen Untersuchungen wie ein Handgreiftest zur Muskelkraft oder der Riechtest. Außerdem werden die Teilnehmer in einem Interview zu ihrem Lebensstil und Krankheiten befragt. Die Ergebnisse können mitgenommen werden.

„Für die Studie werden die Daten anonymisiert gespeichert, sodass keine Rückschlüsse von Untersuchungsergebnissen auf die Person gezogen werden können“, betont Kathrin Günther. Rund vier Stunden dauert die Untersuchung.

Wissenschaftssenatorin Eva Quante-Brandt (SPD) hat am Freitag ebenfalls ihren Geruchssinn getestet. Von der Studie und vor allem der Auswahl Bremens als Studienort ist sie begeistert. „Dies hat Strahlkraft für den Wissenschaftsstandort Bremen“, sagt sie. „Damit die Gesundheitsstudie erfolgreich ist, müssen viele Menschen daran teilnehmen“, appelliert sie an diejenigen, die eine Einladung erhalten.

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