Zimmermann verliert Kamera in Bremen Riesige Anteilnahme für einen Pechvogel

Die Geschichte von Philip Nasseri bewegt die Menschen: Der Zimmermannsgeselle, der seine Kamera samt Speicherkarte mit Tausenden Fotos aus fünf Jahren Wanderschaft verloren hat, bekommt viel Zuspruch.
28.02.2015, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Riesige Anteilnahme für einen Pechvogel
Von Nikolai Fritzsche

Als der WESER-KURIER vor einer Woche über Philip Nasseri berichtete, hatte niemand ein solches Echo vorausgesehen: Über 100.000 Mal wurde der Artikel über den Zimmermannsgesellen bereits im Internet gelesen, der seine Kamera samt Speicherkarte mit Tausenden Fotos aus fünf Jahren Wanderschaft in Bremen verlor. Und noch immer wächst die Zahl der Leser des Berichts. Das ist auch darauf zurückzuführen, dass er bereits mehrere Tausend Mal bei Facebook geteilt wurde.

Das Mitgefühl mit dem Pechvogel ist groß, in Bremen und darüber hinaus. Erkennbar ist das unter anderem an den Kommentaren auf der Facebook-Seite des WESER-KURIER. „Hoffentlich findet er die“, ist da zu lesen, „Ich drücke ganz fest die Daumen!“, schreibt eine andere Nutzerin. Eine weitere appelliert: „Finder, gib ihm die Kamera zurück, Du tust ein gutes Werk.“

Genau das ist bisher aber nicht passiert. Nasseri wollte ursprünglich bereits vergangenen Sonntag in Richtung Süddeutschland weiterziehen, blieb dann aber bis Donnerstag in Bremen. Seine Hoffnung: die Fotos doch noch wiederzubekommen. „Ich habe Flyer gemacht und sie an vielen Orten in der Stadt hinterlegt“, erzählt er.

Die Bremer nehmen Anteil

Zimmerleute sind innerhalb Deutschlands und darüber hinaus gut vernetzt. Viele lernen sich auf der Walz kennen. Während der Tippelei, wie die Wanderschaft auch genannt wird, übernachten Gesellen oft bei Kollegen, die die Wanderjahre bereits hinter sich haben. Diese Vernetzung schlägt sich jetzt in der riesigen Resonanz bei Facebook nieder: Immer mehr Menschen werden auf die Geschichte aufmerksam.

Am Freitag sah es kurz so aus, als könnte sich Nasseris unerfreulicher Aufenthalt in Bremen doch noch zum Guten wenden: Per E-Mail wies eine Leserin die Redaktion auf ein Inserat auf "bremen.de" hin, in dem es um eine gefundene SD-Karte ging. Die Anzeige war aber bereits zwei Wochen alt, es handelte sich also nicht um die Speicherkarte des Zimmermanns. Der Hinweis zeigt aber: Die Bremer nehmen Anteil daran, dass Nasseri in ihrer Stadt seine Erinnerungsfotos verloren hat, und wollen ihm helfen, sie wiederzufinden. Ein anderer Leser, Inhaber eines Foto-Geschäfts in Worpswede, bot Nasseri an, die Fotos kostenlos und für unbegrenzte Dauer zu archivieren. Dafür hätte allerdings die Speicherkarte wieder auftauchen müssen.

„Mittlerweile glaube ich nicht mehr daran, dass ich die Bilder zurückbekommen werde“, sagt Nasseri. Die große Resonanz freut ihn trotzdem: „Einige Leute haben sich auch direkt bei mir gemeldet, mir Mut zugesprochen und von ähnlichen Erfahrungen berichtet.“

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