Breminale 2018 Riffs, Rock und Raketen

Künstler wie Stun, Blond oder Raketen Erna dazu Sonnencreme, Schweiß und Bier bestimmen den dritten Tag der Breminale am Osterdeich. Außerdem gab es ein Kinder-Programm im Park hinter der Kunsthalle.
27.07.2018, 23:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Pascal Faltermann Vanessa Ranft Jan-Felix Jasch Sebastian Krüger

Nein, die Schattenseiten des Breminale-Lebens gibt es auch am Freitag nicht. Der Rasen des Osterdeichs ist braun-gelb statt grün, die Besucher rot bis braun gebrannt. Mit dem Programm für Kinder geht es im Park hinter der Kunsthalle los. Der Duft von Sonnencreme, Schweiß und Bier liegt in der Luft. Am Abend stehen Musiker und Bands wie Anna Depenbusch, Stun, Digitalism oder Dyse auf der Bühne. Der dritte Breminale-Tag in Häppchen.

Ein bisschen Glamour

Extravagant, variationsreich und voller Hingabe. Die dreiköpfige Band Blond aus Chemnitz hat am Donnerstagabend kurzfristig ihren Auftritt im Flut-Zelt nach vorne gelegt und mit der Bremer Band Stun getauscht. Auf der Bühne versprühen sie Glamour und Selbstbewusstsein – auch wenn es Kuschelpop bleibt. Nina Kummer und Lotta Kummer sowie der blinde Multiinstrumentalist Johann Bonitz geben sich ihren Instrumenten hin, lassen den Bass treiben und wirbeln auf der Gitarre. Die Geschwister Lotta und Nina kommen aus einer Familie, die das Rockstar-Gen in sich trägt: Es sind die jüngeren Schwestern der Kraftklub-Musiker Felix und Till Kummer. Bonitz, der live auf der Bühne zwischen Keyboard, Gitarre und Bass durchtauscht, gehört irgendwie nun auch zur Familie.

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Auf dem Prüfstand

Jeden Tag seien Vertreter der Kulturbehörde unterwegs und schauen sich das Konzept, die Planung und den Ablauf der Breminale an. Laut Staatsrätin Carmen Emigholz wollen sich die Behördenvertreter ein genaues Bild machen und prüfen, wie das mit den neuen Veranstaltern läuft.

Kreuzberger Gören-Blues

Drei Herren mit Dreitagebart sind mit die Ersten, die am Freitag kurz nach 15 Uhr auf eine Bühne steigen. Sie nennen sich Raketen Erna, es ist der Name eines Kinderlieder-Projektes aus Berlin-Kreuzberg, das sich der Berliner Musiker Marceese Trabus ausgedacht hat. Mit Gitarre, Bass und Schlagzeug spielt das Trio Lieder für Kinder. Gleich ihr erster Song kommt bei jungen Konzertbesuchern gut an. „Ich bin die Erdbeerprinzessin, mein Pups stinkt nach Erdbeer“, heißt es und die ersten singen schnell mit. Im Anschluss muss natürlich auch die Frage mit den Kindern geklärt werden, wo Erdbeeren denn nun wachsen. Im Blaumann oder eben im Superhelden-Kostüm ist die Musik rockig, aber mit sanften Klängen. Zwar sind noch nicht allzu viele Besucher an der Bühne, der schnoddrige Kreuzberger Gören-Blues kommt aber an. „Von Kopf zu Kopf – Krabbel-Disco auf deinem Schopf“ heißt es so im Song „Läuse-Blues“. Hätte Rio Reiser eine Kinderplatte gemacht, hätte sie wohl nicht viel anders geklungen.

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Gitarrenwände und Energie ohne Ende

Schweißreibende Angelegenheit: Gitarrenwände und Riffs ohne Ende, sich langsam aufbauende Songs und die markante Stimme von Sänger Marco Goerlich bestimmen die Atmosphäre im Flut-Zelt. Die Bremer Postrock-Band Stun ist bekannt für energiegeladene, aufwühlende Konzerte. Und liefert trotz Hitze auch am Freitagabend ab. Das Quartett präsentiert zum ersten Mal drei Songs von dem Ende September erscheinenden Album „Today We Escape“. Die Stücke "Sell Your Soul" oder "Level Up Errors" feiern Livepremiere in Bremen. Johann Dallmeyer (Bass), Roman Pelz (Gitarre), Moritz Vandreier (Schlagzeug) und Sänger Goerlich spielen Tempiwechsel, wenn sie nicht erwartet werden.

Irgendwo zwischen Noise, Indie, Rock oder eben Postrock verschwimmen die Grenzen. Es gibt Brüche im Rhythmus, die ungewöhnlich sind. Die lauten und leisen Elemente verdichten sich, die Gitarren übersteuern. Und dann ziehen Songs wie "Special" oder "Pack Your Bags" unweigerlich in die Musik hinein. Es wird eine dichte und intensive Grundstimmung erzeugt. Zum Abschluss gibt es schon traditionell mit "One" den längsten Song zu hören. In Gedenken an den zum Jahreswechsel verstorbenen Bremer Konzertveranstalter Sean-Patric Braun klebt auf dem Schlagzeug ein Herz neben seinem Spitznamen "Pat". Braun hatte in den vergangenen Jahren auch immer wieder das Programm der Flut-Bühne mitgestaltet.

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Programm auf den Flut-Wiesen

Im gedruckten Programmflyer tauchen die Termine der Strandbühne Flut-Wiesen nicht auf. Das Line-up des Spielortes neben dem Flut-Zelt stand erst so kurz vor der Breminale fest, dass es nur online zu finden ist. Die Bühne aus dem Lichtluftbad (Liluba) auf dem Stadtwerder hat die Weserseite gewechselt und präsentiert in den Abendstunden ein ausgewähltes Programm mit Musik, Performance, Film und Party. An diesem Sonnabend geht es um 20.30 Uhr mit der Indietronic-Band Aroma los, die gerade den Hamburger Krach & Getöse-Newcomer-Musikpreis gewonnen hat. Ab 22 Uhr ist die dann die Scuba-Music-Label-Night geplant. Die Partynacht wird von der Bremer Gruppe Stelzen-Art mit ihren Stelzenfiguren begleitet.

Kosenloses Trinkwasser

Ist das heiß. Gefühlt steht die Luft, der Himmel ist wolkenlos. Da hilft nur eins: trinken, trinken, trinken. Der Veranstalter empfiehlt allen Besuchern, vor allem viel Wasser zu sich zu nehmen, da Getränke mit Alkohol, Koffein oder viel Zucker den Körper austrocknen. Kostenfreies Wasser erhalten alle Durstigen beim SWB-Stand direkt hinter dem Breminale-Eingang in Höhe der Sielwall-Fähre. Das Promotion-Team um Kaspar Bensel freut sich aber über eine Spende für die Seenotretter. Bensel schenkt das Leitungswasser wahlweise mit oder ohne Kohlensäure in Pappbecher oder füllt mitgebrachte Flaschen wieder auf. Besonderer Service: Wer will, kann sein Wasser mit Brause in den Sorten Himbeere, Waldmeister, Zitrone oder Orange mit etwas Geschmack versetzen.

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