Golfclub will noch nicht verhandeln Ringen um die Rennbahn

Statt ihn mit Millionenbeträgen aus dem Pachtvertrag herauszukaufen, soll verstärkt nach einer anderen Fläche für den Golfclub auf der Galopprennbahn gesucht werden, steht in einem Positionspapier der Beiräte.
26.04.2017, 21:06
Lesedauer: 4 Min
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Ringen um die Rennbahn
Von Jürgen Hinrichs

Statt ihn mit Millionenbeträgen aus dem Pachtvertrag herauszukaufen, soll verstärkt nach einer anderen Fläche für den Golfclub auf der Galopprennbahn gesucht werden, steht in einem Positionspapier der Beiräte.

Sie reden jetzt miteinander, das immerhin. Ein Gespräch, aber nicht mehr, wie die eine Seite betont. „Das waren keine Verhandlungen“, sagt David Müller. Er ist Chef des Golfclubs auf dem Gelände der Galopprennbahn in der Vahr. Der Club soll weichen, so wie der Rennverein, damit auf dem Areal Wohnungen gebaut werden können.

Der Club sagt nein, er will bleiben und hat das Recht dazu, sein Pachtvertrag läuft noch bis zum Jahr 2034. Ein Konflikt, und deswegen muss geredet werden. Aber verhandeln? „Erst mal nicht“, erklärt Müller. Die Vertreter der Stadt seien Anfang des Monats nach Bayern eingeladen worden.

Dort, in Germering bei München, ist die Heimat von Golf-Range. Das Unternehmen betreibt in Deutschland zehn Anlagen, eine davon in Bremen – den Neun-Loch-Parcours im weiten Oval der Galopprennbahn. Die Bremer sollten kommen und berichten.

Kein Ergebnis ohne Verhandlungen

„Ein Jahr lang haben wir die Informationen nur aus der Zeitung erhalten“, kritisiert Müller. Nun also aus erster Hand. Was genau plant die Stadt? Wie viele Wohnungen sollen es werden, und wo sollen sie entstehen? Welche formalen Schritte sind dafür notwendig? Und: Wann soll es losgehen?

Weil nicht verhandelt wurde, konnte es auch kein Ergebnis geben. „In den nächsten ein oder zwei Jahren wird ohnehin nicht gebaut“, hat Müller aus dem Gespräch mit Vertretern der Wirtschaftsbehörde mitgenommen. Zeit, um sich näher zu kommen. „Wir werden uns alles anhören.“

Klar sei, dass der Club an Bremen festhalten wolle. „Unsere erste Idee ist nicht, den Standort aufzugeben.“ Die Anlage funktioniere und werde gut angenommen. In den mehr als zehn Jahren hat Golfrange in Bremen nach eigenen Angaben rund 700 Mitglieder gewonnen.

Heftiger Streit über die Pläne

Seit vor anderthalb Jahren bekannt wurde, was die Stadt mit der Rennbahn vorhat, tobt ein heftiger Streit über die Pläne. Widerstand gibt es nicht nur vom Golfclub, sondern auch von den zuständigen Beiräten in Hemelingen und der Vahr. Sie fühlten sich übergangen und lehnten das Vorhaben zunächst ab.

Mittlerweile gibt es einen Regionalausschuss der beiden Beiräte, um den Informationsfluss zu verbessern. Eingeladen sind regelmäßig Vertreter der Behörden. Für die nächste Sitzung am 9. Mai ist ein Positionspapier vorbereitet worden. Erstmals haben sich darin die verschiedenen Fraktionen in den Beiräten auf eine gemeinsame Diskussionsgrundlage geeinigt.

In dem Papier, das dem WESER-KURIER vorliegt, wird zum Golfclub Stellung bezogen. Statt ihn mit Millionenbeträgen, die in der Stadt dringend woanders benötigt würden, aus dem Pachtvertrag herauszukaufen, solle verstärkt nach einer anderen Fläche für den Club gesucht werden.

1000 neue Wohnungen

Alternativ könnte man die bestehende Anlage in Richtung Ludwig-Roselius-Allee verlegen, um in der Ecke Wilhelm-Busch-Siedlung/Carl-Goerdeler-Park mit der Entwicklung des Geländes zu beginnen. Nach Auslaufen des Vertrages mit Golf-Range könne die Bebauung auf dem freigewordenen Areal fortgesetzt werden.

Die Beiräte fordern, es bei rund 1000 neuen Wohnungen zu belassen. Keinesfalls dürfe es zu einer verdichteten Bebauung wie in der Neuen Vahr kommen. Die Fläche solle vielmehr auch für Sport- und Freizeitstätten genutzt werden, für ein Schwimmbadkomplex zum Beispiel. Von der Wirtschaftsbehörde war Mercedes ins Spiel gebracht worden, der Bau eines Ausbildungszentrums. Die Beiräte lehnen das ab. Dafür gebe es in der Nähe andere verfügbare Flächen, heißt es in dem Positionspapier.

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Abgestimmt wurden die Forderungen und Vorschläge mit allen Fraktionen in den Stadtteilparlamenten. Da sind SPD und Grüne, die den Senat stellen, genauso dabei, wie die Opposition in der Bürgerschaft. Der harsche Protest ist der Suche nach einem Kompromiss gewichen.

Bürgerinitiative will Öffentlichkeit mobilisieren

Anders bei der Bürgerinitiative Rennbahngelände. Sie ist weiterhin strikt gegen die Pläne des Senats. „Wir sehen das Rennbahngelände als Sportfläche, die in Zukunft neben der Golf-Range, dem Hotel und der Rennbahn den Bürgern Möglichkeiten für zusätzliche Aktivitäten bieten soll“, schreibt die Initiative.

Sie will für ihr Ziel die Öffentlichkeit mobilisieren, hat nach eigenen Angaben bereits 1700 Unterschriften gesammelt und prüft, ob ein Volksbegehren in Frage kommt. Die Galopprennbahn ist zu einem Politikum geworden, befeuert von allen Seiten, zuletzt auch von der CDU in der Bürgerschaft.

Sie fordert vom rot-grünen Senat ein Moratorium für die weitere Nutzung der Rennbahn, das solange gelten soll, bis ein abgestimmtes Nutzungskonzept für die gesamte Fläche vorliegt. So hat es in dieser Woche die Fraktion beschlossen, wie der Presse mitgeteilt wurde.

Klärungsbedarf in vielen Dingen

„Nach der hektischen Entscheidung, dem Rennverein zu kündigen, ohne dass ein Zeitraum für eine wohnbauliche Nachnutzung absehbar ist und es keine Einigung mit dem Golfanlagenbetreiber gibt, werden wir keine weitere Nutzungsbrache akzeptieren“, erklärt Silvia Neumeyer, baupolitische Sprecherin der CDU-Fraktion.

Weder der Bau- noch der Wirtschaftssenator könnten heute sagen, wie das geplante Wohnquartier aussehen soll und welcher Wohnungsmix angestrebt wird, so die Abgeordnete. All das müsse geklärt werden, allerdings dieses Mal unter Einbeziehung und Beteiligung der Menschen vor Ort. Eine Randbebauung rund um den Golfplatz kommt für Neumeyer nicht in Frage.

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