Mein erstes Mal

Ringen um Echtheit

Sarah Ryglewski wurde vor 34 Jahren in Köln geboren und rückte 2015 für Carsten Sieling in den Bundestag nach. Im WESER-KURIER erzählt sie vom Wahlkampf als Direktkandidatin für die SPD.
17.08.2017, 11:56
Lesedauer: 2 Min
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Ringen um Echtheit
Von Milan Jaeger
Ringen um Echtheit

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Jetzt sehe ich mein Gesicht an jeder Ecke auf den Wahlkampfplakaten. Ich mache meine persönliche Kampagne. Das war im Bürgerschaftswahlkampf nicht so und ist ungewohnt, dadurch wird es aber auch konkreter. Seit einem Jahr bereite ich den Wahlkampf vor. Die Plakate zeigen nun: Jetzt geht’s los.

Seit zwei Jahren bin ich Bundestagsabgeordnete. Auch, wenn ich als Kandidatin auf der Landesliste schon Wahlkampf gemacht habe, ist das erste Mal als Direktkandidatin etwas Neues und Besonderes.

Mir war wichtig, dass ich mich auf den Plakaten wiedererkenne und natürlich auch, dass ich mir gefalle. Wenn ich jedes Mal „Oh Gott“ denken würde, wenn ich mich sehe, geht das nicht. Ich wollte schon das Gefühl haben, dass ich das bin, die da plakatiert wird, und dass man die echte Sarah sieht.

Als Bundestagsabgeordnete will ich mich vor allem für sozialen Zusammenhalt einsetzen. Es gibt viele Menschen, die das Gefühl haben, dass sich die Dinge bei uns auseinander entwickeln. Wirtschaftlich läuft es ganz gut, gleichzeitig sind – gerade in Bremen – viele Menschen lange arbeitslos.

Dass das nach wie vor so ist, hat auch damit zu tun, dass die Bundesregierung den Ländern und Kommunen oft Aufgaben gibt, ohne das nötige Geld bereitzustellen. Die Neuordnung der Bund-Länder-Finanzen hat einiges nach vorne gebracht. Bremen bekommt ab 2020 mehr Geld. Man muss aber auch das Grundverständnis ändern, wonach der Bund etwas beschließt, was die Länder und Kommunen dann alleine bewerkstelligen sollen.

Die meisten Dinge kann man vor Ort am besten lösen. Diese Erfahrung habe ich in den letzten Jahren im Bundestag gemacht. Dort macht man Gesetze, die für das gesamte Land passen müssen. Das ist, wie wenn man ein Kleidungsstück entwirft, das zehn unterschiedlich großen Menschen passen soll. Um die passenden Lösungen zu finden, muss man vor Ort arbeiten, mit den Leuten sprechen und wissen, was sie bewegt.

Deswegen versuche ich, möglichst viel Zeit in den Bremer Stadtteilen zu verbringen. Und mache dort auch meine Bürgersprechstunden. Ich will den Bremerinnen und Bremern dort begegnen, wo sie leben. Nur wenige Menschen lesen Wahlprogramme. Man erreicht sie viel besser, wenn man zu ihnen kommt. Ich will den Leuten zeigen, dass die Politik ihnen auch einfach mal zuhört – um sie geht es schließlich.

Wenn ich mit Menschen spreche, die zum Beispiel lange arbeitslos sind, sagen die manchmal: „Endlich hat sich mal jemand für mich interessiert.“ Auch wenn viele Einzelgespräche nicht gleich erdrutschartige Stimmenzuwächse bringen, glaube ich, dass das der einzige Weg ist, wieder Vertrauen aufzubauen.

Wir müssen aber auch unsere Kernwählerschaft wieder mobilisieren. Den Menschen, denen es selbst vielleicht ganz gut geht, die aber finden, dass unsere Gesellschaft nicht gerecht ist, muss klar sein, dass es um etwas geht. Man hat auch selbst eine Verantwortung, wenn man will, dass sich was ändert.

Viele sagen mir, dass wir die richtigen Themen setzen. Ich will die Unterschiede zu den anderen Parteien noch stärker deutlich machen. Dafür habe ich noch sechs Wochen Zeit.

Sarah Ryglewski

wurde vor 34 Jahren in Köln geboren und rückte 2015 für Carsten Sieling in den Bundestag nach. Die stellvertretende Landesvorsitzende der Bremer SPD ist Mitglied des Finanz- und des Petitionsausschusses. In Berlin wohnt sie in der Nähe des Gendarmenmarkts. Von ihrer Wohnung kann sie zum Bundestag laufen. In Bremen wohnt sie in der Neustadt, wo sie sich hauptsächlich mit dem Fahrrad fortbewegt.

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