Studierende der Uni Bremen gewinnen als Team „B-Human“ die Robocup-Europameisterschaften in Eindhoven Roboterfußballer holen EM-Titel

Horn-Lehe. Deutschland ist Europameister! Diese Meldung kommt für so manchen Fußballfan vielleicht etwas überraschend, schließlich findet die Fußball-Europameisterschaft in Frankreich doch erst im Juni statt. Den Titel im Roboter-Fußball allerdings sicherte sich das Team „B-Human“ bei den erstmals seit 16 Jahren wieder ausgetragenen „Robocup European Open“ in Eindhoven in der „Standard Platform League“.
07.04.2016, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Christian Markwort

Deutschland ist Europameister! Diese Meldung kommt für so manchen Fußballfan vielleicht etwas überraschend, schließlich findet die Fußball-Europameisterschaft in Frankreich doch erst im Juni statt. Den Titel im Roboter-Fußball allerdings sicherte sich das Team „B-Human“ bei den erstmals seit 16 Jahren wieder ausgetragenen „Robocup European Open“ in Eindhoven in der „Standard Platform League“. Der amtierende Vizeweltmeister besiegte den WM-Dritten, das „Nao-Team HTWK“ aus Leipzig, im Finale deutlich mit 5:0. Damit ist das gemeinsame Team der Universität Bremen und des Forschungsbereichs „Cyber-Physical Systems“ des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI) seit mittlerweile acht Jahren auf europäischer Ebene ungeschlagen.

Die „Standard Platform League“ verdankt ihren Namen der Tatsache, dass alle Fußballteams dasselbe Robotermodell verwenden, nämlich den humanoiden Roboter „NAO“ der französischen Firma Aldebaran Robotics. Die Teams unterscheiden sich lediglich in der Software, die sie für die Roboter entwickeln. Dank ihrer Hilfe agieren die NAOs im Spiel vollständig autonom. „Sie müssen während der Begegnungen ihre Umgebung erkennen, Entscheidungen fällen und diese dann gemeinsam umsetzen“, erklärt Franziska Martin, beim DFKI zuständig für die Unternehmenskommunikation. In den Fußballspielen treten jeweils fünf Roboter gegeneinander an. Ein wichtiger Teil, damit sie Fußball spielen können, ist die Bildverarbeitung, also das Erkennen von spielrelevanten Dingen, wie Tore, Ball, Spielfeld oder eben ihre künstlichen Gegenspieler. Dazu ist der „NAO“ mit zwei Kameras im Kopf ausgerüstet und kann somit seine Umwelt wahrnehmen. Die Aufgabe gestaltet sich aufgrund der geringen Rechenleistung des „NAOs als echte Herausforderung und wird von den Studierenden mit unterschiedlichen Verfahren gelöst.

Das Team „B-Human“ besteht aktuell aus 27 Studierenden der Universität Bremen sowie den Betreuern Thomas Röfer vom DFKI-Forschungsbereich „Cyber-Physical Systems“, der von Rolf Drechsler geleitet wird, und Tim Laue von der Universität Bremen. „B-Human“ tritt seit 2009 bei Robocup-Wettbewerben in der „Standard Platform League“ an und hat seit der ersten Teilnahme bereits viermal die Weltmeisterschaft gewonnen, siebenmal die „German Open“ – und sicherte sich nun eben auch die „European Open“.

Das Finale war eine erneute Auflage des in den vergangenen Jahren bei europäischen Robocup-Wettbewerben immer wieder ausgetragenen Endspiels zwischen dem Bremer und dem Leipziger Team, das die Bremer in diesem Jahr wieder etwas deutlicher für sich entscheiden konnten. Beide Teams hatten alle ihre Spiele auf dem Weg ins Finale hoch gewonnen, im Finale konnten die sehr dribbelstarken Leipziger Roboter den Ball oft in die Bremer Hälfte bringen, scheiterten aber letztlich aber häufig an der starken Bremer Verteidigung. Durch gezielte Distanzschüsse und schnelle Konter setzte sich das Bremer Team wiederum Tor um Tor von den Leipzigern ab und errang somit verdientermaßen den Titel.

Beim diesjährigen Wettbewerb gab es zwei zentrale Neuerungen: Zum einen wurde jeder Anstoß vom Schiedsrichter mit einer Trillerpfeife angepfiffen. Die Roboter mussten den Pfiff erkennen, um zu wissen, dass es losgeht. Konnten sie dies nicht, wurden sie mit einiger Verzögerung gestartet. Diese Regel wurde bereits im Vorjahr in Finalspielen angewendet und gilt nun für alle Spiele.

Zum anderen ist der Ball ab sofort schwarz-weiß statt wie bisher orange und sieht aus wie die Miniaturausgabe eines regulären Fußballs. Da die Roboter, die Feldmarkierungen und die Tore ebenfalls weiß sind, erschwert dies den Robotern die Erkennung des Balls erheblich. Während diese Tatsache den drei Erstplatzierten „B-Human“, „Nao-Team HTWK“ und den „Nao Devils“ aus Dortmund kaum anmerkte, hatten die restlichen Mannschaften noch erhebliche Probleme mit dieser Regeländerung. „Bis zur Weltmeisterschaft in Leipzig haben deshalb viele Teams noch einiges zu tun“, betont Franziska Martin.

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