Regionale Szene

Rockertreffen in Walle

Bremen entwickelt sich immer mehr zu einem Drehpunkt der regionalen Rocker-Szene: Wie der WESER-KURIER erfuhr, trafen sich am Freitag etwa 100 Anhänger diverser Motorradclubs an der Grenzstraße.
15.12.2016, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Rockertreffen in Walle
Von Jan Oppel

Bremen entwickelt sich immer mehr zu einem Drehpunkt der regionalen Rocker-Szene: Wie der WESER-KURIER erfuhr, trafen sich etwa 100 Anhänger diverser Motorradclubs aus der Hansestadt und dem Umland am vergangenen Freitag in einem Bunker an der Grenzstraße.

Mit dabei: Anhänger des Hells Angels Charters MC Westside – und ein AfD-Politiker.

Gerald Höns hatte den Rockern den Raum nach eigenen Angaben zur Verfügung gestellt. Der Lokalpolitiker sitzt für die Alternative für Deutschland im Beirat Walle und vermietet mehrere Bunker im Stadtgebiet. Am Freitag nahm er als Gast an dem Regionaltreffen der Rocker teil und hielt am Ende eine kleine Rede.

Auf Nachfrage sagte Höns, es seien Mitglieder von 27 Motorradclubs aus Bremen und dem Umland zu einem Runden Tisch zusammengekommen. Dieser finde alle drei Monate in Bremen statt. Er habe sich vor Ort selbst ein Bild von der Rocker-Szene machen wollen. Seinen Besuch habe er mit seinen Parteikollegen abgesprochen.

Rocker-Treffen war bekannt

Auch die Polizei beobachtete das Geschehen. Wie eine Sprecherin mitteilte, sei den Behörden das Rocker-Treffen bereits im Vorfeld bekannt gewesen und vor Ort durch „entsprechende Maßnahmen begleitet“ worden. Aus „taktischen Gründen“ wolle die Polizei keine näheren Angaben zum genauen Verlauf der Veranstaltung machen. Zu Straftaten oder Ordnungswidrigkeiten rund um das Treffen sei es aber nicht gekommen.

AfD-Politiker Höns kann die Aufregung um die Veranstaltung nicht verstehen. „Mich hätte das Rockertreffen nicht weiter interessiert und ich wäre auch nicht vor Ort gewesen, wenn die Politik das Thema nicht dramatisiert hätte“, sagte er. Im Waller Beirat und vonseiten der Polizei sei er mit „unglaublichen Horrorstories“ über Rockerkriminalität konfrontiert worden. In der Vergangenheit habe er an die Hells Angels bereits Räume in einem seiner Bunker an der Holsteiner Straße vermieten wollen, die Sicherheitsbehörden hätten dieses Vorhaben aber verhindert.

Sicherheitsbehörden sehen Gefahr

In der Folge hätten die Mitglieder des Hells-Angels-Charters MC Westside aus Delmenhorst stattdessen das Lokal Parzelle Eins in Walle renoviert und sich dort mehrfach getroffen. In diesem Zusammenhang war Westside-Chef Michael Wellering bei einer Beiratssitzung vor Höns und anderen Lokalpolitikern aufgetreten und hatte erklärt, von ihm und den Mitgliedern seines Charters gehe keine Gefahr aus.

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Die Sicherheitsbehörden sehen das anders. Bremen sei für die Anhänger sogenannter Outlaw Motorcycle Gangs wie etwa die Hells Angels die Mongols ein lukrativer Markt, sagte Polizeipräsident Lutz Müller jüngst bei einer Sitzung der Innendeputation. Anhänger dieser Clubs seien im Drogenhandel und Rotlichtmilieu tätig. Derzeit gebe es zwar keine laufenden Verfahren wegen Straftaten, „die Stimmung kann aber schnell kippen“, warnte Müller. „Die kriminelle Energie ist bei diesen Leuten vorhanden.“

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