Überreste des Bremer Stadtbads entdeckt

Römische Bäderkultur am Bahnhof

Es ist ein Stück Bremer Stadtgeschichte, die Bauarbeiter in dieser Woche auf dem Bahnhofsvorplatz ausgebuddelt haben. Die Überreste des früheren Stadtbades zeugen von einer Bäderkultur mitten in der Stadt.
14.02.2015, 00:00
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Römische Bäderkultur am Bahnhof
Von Sabine Doll
Römische Bäderkultur am Bahnhof

So sah sie aus, die öffentliche Badeanstalt vor dem Bremer Hauptbahnhof, der sich auf der rechten Seite außerhalb des Bildes befindet.

Dieter Bischop

Es ist ein Stück Bremer Stadt- und Architekturgeschichte, die Bauarbeiter in dieser Woche auf dem Bahnhofsvorplatz ausgebuddelt haben. Die Überreste des früheren Stadtbades zeugen von einer Bäderkultur mitten in der Stadt.

Denis Fiebig ist ein wenig ratlos. „Seit Mittwoch versuchen wir, das Wasser abzupumpen, aber es läuft immer wieder nach. Darum müssen sich jetzt die Architekten kümmern“, sagt der Polier. „Wer konnte auch ahnen, dass wir uns mit den Überresten einer alten Badeanstalt beschäftigen müssen?“ Der Überrest, der den Bauarbeitern Sorgen bereitet, ist ein sogenanntes Kesselhaus. Es ist Relikt des früheren Stadtbades, das am 1. Dezember 1877 auf dem heutigen Bahnhofsvorplatz eröffnet und Anfang der 1950er-Jahre abgerissen wurde. In dem Kesselhaus, überdacht von einer Kuppel, wurde das Wasser für den Badebetrieb erhitzt und von dort in die verschiedensten Winkel des Gebäudes weitergeleitet, wie Dieter Bischop vom Landesamt für Archäologie erklärt.

In dieser Woche ist das Kesselhaus bei den Erdarbeiten freigelegt worden – und es wird seiner ursprünglichen Bestimmung irgendwie immer noch gerecht. Fast bis zum Rand steht das Wasser in dem sechs Meter tiefen und knapp fünf Meter breiten Kesselhaus. Bischop hat nur eine Erklärung für das nachlaufende Wasser, und er hat sie in einem Artikel des Architekten Gustav Runge in der „Deutschen Bauzeitung“ vom 15. August 1877 gefunden. „Das zum Betriebe erforderliche Wasser wird zum grösseren Theil einem Brunnen von 4,30 Meter Durchmesser entnommen, welcher nach den angestellten Proben sowohl quantitativ als qualitativ allen Anforderungen genügt“, heißt es dort. Der Brunnen ist offenbar Bestandteil des Kesselhauses.

Lesen Sie auch

Bischop ist fasziniert von dem Fund. Auch wenn er keine archäologische Relevanz hat, wie er sagt. „Dennoch handelt es sich um ein wertvolles Stück Bremer Stadt- und Architekturgeschichte und zeigt viel vom damaligen Zeitgeist. Und der orientierte sich sehr stark an römischen Thermenanlagen“, sagt der Archäologe. Mit mehreren Arten von Einrichtungen, in denen die Gäste die römische Bäderkultur zelebrieren konnten. „Reinigungsbäder“, „Douchebäder“, „Medizinalbäder“ „Wannenbäder“, „Schwitzbäder“ – und dazu eine üppig ausgestattete Schwimmhalle mit darüber befindlicher Galerie.

„Das Bassin ist in seiner ganzen Innenseite mit poliertem Marmor-Estrich, der Boden mit weissem und schwarzem Marmor bekleidet, und es wird dabei besonders ins Auge gefasst, das im Bassin befindliche Wasser stets von solcher Klarheit zu erhalten, dass man die Zeichnung des Marmorbodens durch eine Wassertiefe von zwei Metern mit völliger Bestimmtheit erkennen kann“, schreibt Architekt Runge in seinem Artikel in der „Deutschen Bauzeitung“.

Ein Frühstücksei? Keineswegs! Es ist die Kuppel des alten Stadtbades.

Ein Frühstücksei? Keineswegs! Es ist die Kuppel des alten Stadtbades.

Foto: Frank Thomas Koch

Auch ein anderer Zeitgeist spiegelt sich in dem 1877 eröffneten Bad wider, es richtete sich an zwei Klassen von Besuchern: an die weniger betuchten Badegäste und eine wohlhabende Klientel, die mehr geboten bekam, mit den hohen Eintrittspreisen aber auch den Betrieb am Laufen halten sollte. Apropos Finanzierung des Konzepts: Das Startkapital von 300 000 Mark spendierte die „städtische Sparkasse“, das Grundstück stellten die die „bremischen Behörden“ zur Verfügung.

Archäologe Bischop ist gespannt, wie es mit den Bauarbeiten weitergeht. „Demnächst werden wahrscheinlich die Mauern des Schwimmbeckens zum Vorschein kommen“, sagt er. Das wurde beim Abriss zugeschüttet. Mit Sensationsfunden rechnet er zwar nicht. „Doch wer weiß, was alles von der Ausstattung des Bades in die zugeschütteten Becken geraten ist.“

Lesen Sie auch

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+