Diskussionsrunde

Röwekamp fordert G9

Bei einer Diskussionsrunde zur Bildungspolitik gab es viele Probleme zu besprechen. Besonders beim Thema G8 oder G9 konnten sich Bildungssenatorin Bogedan und CDU-Fraktionschef Röwekamp nicht einigen.
14.11.2018, 21:38
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Röwekamp fordert G9
Von Lisa-Maria Röhling

Dass mit dem kürzlich geschlossenen Schulkonsens die Bildungsdiskussion beendet ist, dem widerspricht Thomas Röwekamp, CDU-Fraktionsvorsitzender in der Bremischen Bürgerschaft. „Der Konsens verbietet die Debatte nicht“, betonte er bei der Diskussionsrunde „Bogen überspannt? – Bildungspolitik in Bremen“. Dort suchten Rö­wekamp, Bildungssenatorin Claudia Bogedan (SPD), Zentralelternbeiratssprecher Pierre Hansen und Peer Sieveking, Lehrer am Gymnasium Horn, vor allem nach Lösungsansätzen für die aktuellen Probleme im Bildungssystem.

Das Thema Bildung bewegt vor der Bürgerschaftswahl nicht nur die Parteien, sondern auch die Bremer: Knapp 250 Gäste hatten sich für die Veranstaltung, zu der die Konrad-Adenauer-Stiftung eingeladen hatte, angemeldet. Denn es gab viele Themen zu besprechen: Inklusion, die Qualität des Abiturs in Bremen, der Einfluss der sozialen Herkunft auf Bildungserfolge.

Allerdings kristallisierte sich schnell ein kontroverser Disput heraus: das Abitur nach acht Jahren. Denn das, so Röwekamp, sei von Beginn an ein Fehler gewesen. Deshalb werde sich die CDU, falls sie nach der Bürgerschaftswahl im kommenden Mai das Bildungsressort führen könne, für die Wiedereinführung von G 9 einsetzen. Zwar sei er vom geschlossenen Schulkonsens, der unter anderem eine Fortführung des zweigliedrigen Schulsystems für die kommenden zehn Jahre festschreibt, überzeugt, allerdings gebe es noch Raum für Diskussionen.

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Das sieht Claudia Bogedan anders: „Der Konsens wäre eine schöne Gelegenheit gewesen, über so was zu reden.“ Allerdings sei eine Umstellung von G 8 auf G 9 nicht ohne Komplikationen und erhebliche Schwierigkeiten zu bewältigen. „Wenn Herr Röwekamp das Rezept in der Tasche hat, wären wir sofort mitgegangen. Niemand in der SPD war je ein Anhänger von G 8“, sagte sie. Doch nun sei es wichtig, Stabilität im Schulsystem zu schaffen. Auch Pierre Hansen betonte, eine Umstellung auf G 9 sei in Bremen momentan nicht zu bewältigen: Es gebe schon jetzt nicht genug Schulplätze, diese Situation würde sich durch eine Verlängerung der Schulzeit nur verschärfen. Zudem sei das Gros der Eltern mit dem aktuellen Schulsystem laut einer Erhebung des Zentralelternbeirates zufrieden. „Sie wollen nur, dass man sich mehr kümmert“, so Hansen.

Inwiefern es Gymnasien und Oberschulen beispielsweise gelingt, Schüler auf eine Berufsausbildung oder ein Studium vorzubereiten, sorgte für weiteren Dissens unter den Diskussionsteilnehmern. Dass Bremer Abiturienten schlechter als andere auf ein Studium vorbereitet seien, wollte ­Bogedan nicht durchgehen lassen: „Das Abitur in Bremen ist nicht weniger wert als andernorts.“ Im Publikum wurde dem allerdings mit Lachen und Zwischenrufen widersprochen. Vielmehr, so die Senatorin, gelinge die Berufs- und Studienorientierung nicht gut. ­Röwekamp hingegen setzte sich dafür ein, dass Gymnasien ihre Schüler gezielter auf ein Hochschulstudium und Oberschulen wiederum auf eine Berufsausbildung vorbereiten. Denn gerade in einigen Betrieben kämen Schulabgänger an, die auf die dortigen Arbeitsanforderungen nicht vorbereitet seien.

Dass es im Bremer Bildungssystem zahlreiche Probleme gibt, darüber ließ die mitunter hitzige Podiumsdiskussion keine Zweifel. Wie sie allerdings zu lösen sind, das blieb trotz regem Meinungsaustausch unbeantwortet.

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