Hunde in Bremen Rot-Grün will Auslaufflächen für Hunde

Bremen. Für Hunde in Bremen gilt genereller Anleinzwang. Ausnahmen gibt es nur wenige, und bisher wurden auch keine gesonderten Auslaufzonen geschaffen. Rot-Grün fordert das seit Langem, scheitert aber offenbar am eigenen Senat.
14.06.2013, 05:00
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Rot-Grün will Auslaufflächen für Hunde
Von Jürgen Hinrichs

Bremen. Für die rund 14000 Hunde in Bremen gilt genereller Anleinzwang. Ausnahmen gibt es nur wenige, und anders als in Städten wie Hamburg, Berlin oder München wurden in Bremen bisher auch keine gesonderten Auslaufzonen geschaffen. Rot-Grün fordert das seit Langem, scheitert aber offenbar am eigenen Senat.

Es war ein seltener Moment parteipolitischer Eintracht, ein Bündnis von Regierung und Opposition: der Antrag in der Bürgerschaft, für die Hunde in der Stadt Auslaufflächen zu schaffen. Überschrieben war die Initiative vom September 2011 mit "Freie Bewegung für Menschen und Hunde". Der Senat sollte die Beiräte in den jeweiligen Stadtteilen dabei unterstützen, geeignete Flächen zu finden und Betreibermodelle zu entwickeln. Passiert ist seitdem aber nichts. "Nach Kenntnis des Ressorts hat sich bisher in keinem Fall die Anlage einer Hundeauslauffläche konkretisiert", schreibt der Umweltsenator in einem Bericht der Verwaltung. Rot-Grün hat deswegen jetzt einen neuen Antrag vorgelegt. Die Koalition macht in der Angelegenheit noch einmal Druck – ihrem eigenen Senat.

"Hunde müssen freien Auslauf haben, das steht unter anderem im Tierschutzgesetz", sagt die Grünen-Abgeordnete Linda Neddermann. Gerade in der Brut- und Setzzeit sei das in Bremen aber so gut wie unmöglich. Das Hundeanleingebot gelte dann in fast allen Bereichen, zum Beispiel auch auf Rasenflächen öffentlicher Parks, die als Liege- oder Spielwiese benutzt würden.

"Deswegen brauchen wir gesonderte Auslaufflächen", betont Neddermann. Für die Hunde, das zuerst. Aber genauso mit dem Gedanken verbunden, Menschen zu schützen, die Angst vor den Tieren haben. Entweder müssten die Areale umzäunt werden oder mindestens klar und unmissverständlich ausgewiesen sein. Hundehalter, die ihre Lieblinge verbotenerweise frei laufen lassen und dies mit der Not begründen, nirgendwo sonst einen Platz zu finden, hätten dann kein Argument mehr.

Was Rot-Grün jetzt vorlegt, unterscheidet sich von dem Antrag vor gut anderthalb Jahren, den auch die CDU unterschrieben hatte, nur in Nuancen. Neu ist, dass der Senat für die Beiräte eine zentrale Ansprechstelle einrichten soll, um ihnen bei der Suche nach geeigneten Flächen behilflich zu sein. "Bisher sind mit den Ressorts Umwelt, Inneres und Gesundheit drei Behörden mit dem Thema befasst", kritisiert Neddermann.

Zeitgleich mit dem Antrag der Koalition hat Umweltsenator Joachim Lohse (Grüne) in seinem Bericht zur Schaffung von Hundeauslaufflächen festgestellt, dass es eine Lockerung der Freilauf-Verbote in Natur- und Landschaftsschutzgebieten mit ihm nicht geben werde. Und: Mehr Freiraum für Hunde könne ohnehin nur dann geschaffen werden, wenn die entsprechenden gesetzlichen Vorschriften verändert würden. "Dies ist seitens des Senators für Inneres und Sport noch nicht eingeleitet worden." Lohse spielt den Ball damit ins Feld seines Kollegen Ulrich Mäurer (SPD). Gleichzeitig zitiert er den Standpunkt der Senatskanzlei. Demnach müsste es für die Freilaufflächen keine Änderung der Gesetze geben. Ortsämter und Beiräte könnten auch so darüber entscheiden.

Diesen Ausführungen zufolge gibt es im Senat entgegen dem erklärten Willen von Rot-Grün keine klare Linie, wie den rund 14000 Hunden in der Stadt zu mehr Auslauf verholfen werden kann. Trotzdem wurde von den beiden Koalitionsfraktionen jetzt ein neuer Antrag formuliert. Für die CDU lässt das nur den einen Schluss zu, und er zielt auf Umweltsenator Lohse: "Die Fraktion der Grünen hat anscheinend das Vertrauen in den eigenen Senator verloren und versucht nun, Druck durch das wiederholte Einbringen von Anträgen auszuüben", sagt Frank Imhoff, umweltpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion. 22 Monate lang habe Lohse in der Angelegenheit nichts getan. Imhoff: "Das ist einfach lächerlich."

Andere Städte in Deutschland haben längst entsprechende Regelungen getroffen oder verlegen sich auf weitgehende Freizügigkeit. In Hamburg zum Beispiel gilt für Hunde zwar genauso wie in Bremen eine generelle Anleinpflicht. Dafür hat die Stadt aber rund 60 Auslaufzonen ausgewiesen. München wiederum praktiziert den bayerischen Freigeist und erlaubt den Hunden fast alles. Nur von Kinderspielplätzen, speziell abgetrennten Spiel- und Liegewiesen, Zieranlagen, Biotopen und Freibädern müssen sich die Vierbeiner fernhalten. In Berlin schließlich gibt es keinen allgemeinen Leinenzwang. Für die 130000 Hunde dort und ihre Halter stehen darüber hinaus 30 üppig ausgestattete Auslaufzonen zur Verfügung, darunter 1250 Hektar freie Fläche in Waldgebieten.

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