Essbare Stadt Rotkohl im Grünen

Die Grünen wollen öffentliche Gärten in Bremen, wie in Andernach. Deren zuständige Gartenbauingenieurin kommt nun in die Weserterrassen und erzählt von ihren Erfahrungen.
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Rotkohl im Grünen
Von Monika Felsing

Es grünt so grün in Andernach: Von dem Städtchen am Rhein, das 2014 für das größte deutsche „Urban Gardening“-Projekt einen Innovationspreis erhalten hat, könnten die Bremer einiges übers öffentliche Gärtnern lernen. Nachdem seine Partei mit dem Vorschlag „Essbare Stadt“ eine heftige Diskussion ausgelöst hatte, hat sich ihr ernährungspolitischer Sprecher, Jan Saffe, in Andernach umgesehen. Am Dienstag, 21. November, wird er um 19 Uhr im Bürgerhaus Weserterrassen, Osterdeich 70 b, darüber berichten und Fachleute zu Wort kommen lassen. Der Eintritt ist frei.

„Ich war ziemlich überwältigt“, sagt Jan Saffe über seine Rheinreise. „Man läuft so durch die Stadt, und plötzlich tauchen da 20 Quadratmeter Gemüse auf, Rotkohl, Salat, sogar Grünkohl!“ Eine Brachfläche sei in eine Streuobstwiese umgewandelt worden, und egal, was in den Gärten an der Schlossruine angebaut wird: Jeder darf mitmachen. Und jeder darf sich bedienen. „Es gibt ja eine Reihe “Urban Gardening„-Projekte in Bremen“, weiß der Bürgerschaftsabgeordnete aus dem Steintor und benennt einen Unterschied zu den meisten Projekten: „In Andernach dürfen alle dabei gehen und was pflücken.“ Streit scheint es darüber noch keinen gegeben zu haben. „Die haben angefangen mit ein, zwei Flächen, und jetzt haben sie zehn Flächen, und das scheint zu klappen“, sagt Jan Saffe. „Und das macht wirklich was mit dem Raum.“ Wobei: „Andernach ist natürlich kleiner und nicht eins zu eins übertragbar.“

Nicht jeder öffentliche Raum eignet sich dafür. In Bremen hatte die Vorstellung von Grünkohl in den Wallanlagen für einen Sturm der Entrüstung gesorgt. „Ich wollte etwas tun, um die Diskussion zu versachlichen“, sagt Jan Saffe. Wenn schon keinen Kohl und keine Karotten im denkmalgeschützten Park, dann vielleicht andernorts? Die Gartenbauingenieurin und Buchautorin Heike Boomgaarden, Mitgründerin des Projektes „Essbare Stadt“ in Andernach, wird am 21. November im Bürgerhaus Weserterrassen über ihre Erfahrungen berichten und mit Jan Saffe und anderen darüber diskutieren, etwa mit Dorothea Becker, die den Vereinen Ökostadt Bremen und Internationaler Garten Walle angehört, jemandem vom Umweltbetrieb Bremen und Rolf Kirsch vom Landesamt für Denkmalpflege.

Der Oberbürgermeister von Andernach habe einiges an Überzeugungsarbeit geleistet und stehe voll und ganz hinter dem Projekt, hat Jan Saffe bei seinem Besuch festgestellt. Die „Essbare Stadt“ am Rhein vermarktet ihre öffentlichen Gärten auch touristisch – und hatte dieses Jahr mindestens einen Gast mehr aus Bremen.

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