TV-Bericht über Pädophile

RTL äußert sich zu Lynchjustiz in Bremen

Nach einem RTL-Bericht über Pädophile ist in Burglesum ein 50 Jahre alter Mann überfallen und lebensgefährlich verletzt worden. Nun hat sich RTL zu dem Vorfall geäußert.
14.06.2018, 10:26
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Von Gabriela Keller
RTL äußert sich zu Lynchjustiz in Bremen

Selbstjustiz ist in Deutschland eine Straftat.

dpa

Ein 50-Jähriger aus Marßel ist am Dienstag Opfer einer Lynchattacke geworden. Mehrere bislang unbekannte Täter schlugen den Mann in seiner Wohnung zusammen und verletzten ihn lebensgefährlich. Laut Polizei glaubten sie, ihn in einer Fernsehsendung als vermeintlich Pädophilen erkannt zu haben. Auch die Wohnadresse des Mannes wollten die Täter im Film erkannt haben. Daraufhin drangen sie gegen 13 Uhr in eine Wohnung eines Mehrparteienhauses an der Upsalastraße ein und schlugen den Bewohner zusammen.

Gegen die noch unbekannten Täter wird jetzt wegen versuchter Tötung ermittelt. Bei dem Überfall wurde das Opfer lebensgefährlich verletzt. Nach Angaben von Frank Passade, Sprecher der Staatsanwaltschaft Bremen, erlitt der Mann unter anderem eine Hirnblutung. Inzwischen ist er außer Lebensgefahr. Ob der Mann sich noch im Krankenhaus aufhält, dazu konnte der Sprecher der Staatsanwaltschaft am Donnerstag keine Angaben machen.

Opfer nicht die Person aus dem Fernsehbeitrag

Eines können die Ermittler schon jetzt sagen: "Das Opfer ist nicht identisch mit der Person, die in dem Fernsehbeitrag gezeigt wurde", so Passade. Unklar ist noch, wie viele Täter beteiligt waren. Zum jetzigen Zeitpunkt lasse sich nur eine ungefähre Zahl nennen, so der Sprecher der Staatsanwaltschaft. "Möglicherweise waren es bis zu zehn Täter." Die weiteren Ermittlungen müssten zeigen, ob alle, die in die Wohnung des Opfers eindrangen, auch auf den Mann einschlugen.

Den Film, in dem die Täter ihr Opfer als mutmaßlichen Pädophilen erkannt zu haben glaubten, lief im RTL-Mittagsjournal "Punkt 12". Der Sender reagierte am Donnerstag entsetzt auf die Tat. "Die Person, die Opfer einer Lynch-Justiz in Bremen wurde, war zu keinem Zeitpunkt Gegenstand der Berichterstattung von RTL", so RTL-Sprecher Matthias Bolhöfer. Der Sender verurteile den "brutalen Akt der Lynchjustiz auf das Schärfste".

"Keinerlei Hinweise auf Adresse"

Der Sender hat eigenen Angaben nach die Polizei nach der Sendung über die Recherchen informiert und belastendes Filmmaterial übergeben. Nachdem der mutmaßliche Fall von Lynchjustiz bekanntgeworden war, händigte RTL den Ermittlern weiteres Rohmaterial aus. Dieses werde jetzt intensiv geprüft, sagte Passade. Es könnte aber auch sein, dass der in dem Beitrag gezeigte Mann ein Unbeteiligter sei, der mit dem Ganzen nichts zu tun habe.

Laut RTL-Sprecher ging es in dem Beitrag darum aufzuklären, wie Pädophile eine bei Kindern und Jugendlichen beliebte Internet-Plattform zunutze machen. Der Film zeige einen anonymisierte dargestellten Mann bei einem von einem Reporter fingierten Treffen vor einem Einkaufszentrum in Marßel. Der Reporter hatte sich auf der Plattform als 13-jähriges Mädchen ausgegeben. Der vemeintliche Pädophile sei im Beitrag stark verpixelt abgebildet. "Im Beitrag wurden keinerlei Hinweise auf den Ort oder eine vermeintliche Adresse des mutmaßlichen Pädophilen wie etwas Straßennamen oder Hausnummern gezeigt. RTL hat seine journalistische Sorgfaltsplflicht in jeder Hinsicht wahrgenommen."

Die Polizei weist ausdrücklich darauf hin, dass niemand das Recht habe, die Justiz in die eigene Hand zu nehmen. "Keine Form und kein Anlass von Selbstjustiz sind tolerierbar. Es ist Aufgabe der Staatsanwaltschaft und der Polizei Straftaten zu verfolgen." Mögliche Zeugen werden gebeten, sich beim Kriminaldauerdienst unter Telefon 04 21 / 362 38 88 zu melden.

++ Dieser Artikel wurde am 14. Juni um 17 Uhr aktualisiert. ++

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+