Bremerhavener gegen Fremdenhass

Rund 1.000 Menschen demonstrieren für Toleranz

"Bremerhaven bleibt weltoffen!": Unter diesem Motto demonstrierten am Montagabend etwa 1.000 Teilnehmer für Toleranz - und gegen Fremdenfeindlichkeit und die Pegida-Bewegung.
16.02.2015, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Frank Miener
Rund 1.000 Menschen demonstrieren für Toleranz

Etwa 1.000 Menschen haben am Montagabend für Toleranz und Weltoffenheit in Bremerhaven demonstriert.

Frank Miener

Rund 1000 Menschen haben gestern Abend in Bremerhaven ein Zeichen für Weltoffenheit und Toleranz gesetzt: Bei einer Kundgebung im Zentrum der Stadt haben sie für ein friedliches Zusammenleben von Religionen und Kulturen beworben. Klare Aussage war dabei, das Bremerhaven keinerlei Fremdenfeindlichkeit oder Islamhass toleriere. Pegida und deren Ableger hätten in der Stadt keine Chance, lautete die Parole.

Die Demonstration stand dabei unter dem Eindruck der Terroranschläge von Paris im Januar und in Kopenhagen sowie der Bedrohung des Karnevalsumzugs in Braunschweig vom Wochenende. „Diese Stadt ist eine Hafenstadt und stolz auf ihre Tradition der Offenheit“, sagte Oberbürgermeister Melf Grantz, der betonte, dass in Bremerhaven Ausländer willkommen seien und man Flüchtlingen immer eine helfende Hand reichen werde. Er forderte ein „vernünftiges Einwanderungsgesetz“, um eine angemessene rechtliche Grundlage zu haben.

Weitere Redner vom DGB, den Kirchen sowie der jüdischen und der muslimischen Gemeinde forderten gegenseitigen Respekt und ein friedliches Zusammenleben. Fremdenfeindlichkeit und Intoleranz dürften in Bremerhaven keinen Boden finden. Besonderen Eindruck machte dabei der Bericht eines iranischen Flüchtlings. Allerdings nahmen das mutmaßlich regimetreue Störer zum Anlass, die Abschiebung des Mannes zu fordern. Das allerdings wurde von den anwesenden Zuhörern mit Buhrufen und Pfiffen quittiert.

Die Kundgebung, zu der ein Bündnis aus Politik, Wirtschaftsvertretern sowie Vereinen und Verbänden aufgerufen hatte, war eine die Reaktion auf eine vor einigen Wochen angemeldete Demonstration. Diese war dann aber nach starkem Widerstand auf Facebook wieder zurückgezogen worden ist. „Wir haben hier klar erkannt, dass es sich um Mitglieder der NPD handelt, die einen rechten Aufmarsch unter dem Deckmantel von Pegida veranstalten wollten“, sagte der Grünen-Kreisvorsitzende Frank Willmann, der das Bündnis mit initiiert hatte. Ebenfalls an der Spitze der Gegenbewegung standen Grantz, DGB-Chef Karsten Behrenwald und die evangelische Kirche.

Bremerhaven reiht sich damit laut Grantz in die Städte ein, die in Reaktion auf die Pegida-Demos in Dresden und anderen Städten entstanden sind. Zwar befindet sich die Protest-Bewegung anscheinend auf dem Abstieg, dennoch wolle man an der Position der großen Mehrheit der Bremerhavener keinen Zweifel aufkommen lassen. Dazu müsste man sich aber kennen.

Die Pegida-Bewegung in Dresden will unterdessen zur Oberbürgermeisterwahl in der sächsischen Landeshauptstadt am 7. Juni antreten. Das gab Pegida-Gründer Lutz Bachmann gestern Abend auf der 15. Kundgebung der „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ bekannt. Bachmann sprach von drei möglichen Kandidaten. Die in Dresden entstandene Bewegung brachte gestern schätzungsweise 2000 Menschen auf die Straße. Auch in Leipzig und Chemnitz gab es Kundgebungen von Pegida-Ablegern.

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