Traditionsfest in Bremen Rund 700 Gäste feiern das Eiswettfest

Bremen. Mit Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann und dem Vorsitzenden der Axel Springer AG, Mathias Döpfner, als Ehrengäste haben rund 700 Herren im Smoking das 183. Stiftungsfest der Bremer Eiswette gefeiert. Ein Thema ist die Finanzkrise gewesen.
22.01.2012, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Rund 700 Gäste feiern das Eiswettfest
Von Sabine Doll

Bremen. Mit Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann und dem Vorsitzenden der Axel Springer AG, Mathias Döpfner, als Ehrengäste feierten rund 700 Herren im Smoking das 183. Stiftungsfest der Bremer Eiswette. Die Reden beschäftigten sich mit dem Freiheitsbegriff, der aktuellen Finanzkrise und bürgerlichem Engagement.

Es war eine kleine Gruppe, die sich gestern vor dem Congress Centrum auf der Bürgerweide postiert hatte. Ihren Protest haben sie aber dennoch lautstark geäußert. Und der richtete sich gegen einen der beiden Ehrengäste beim Stiftungsfest der Bremer Eiswette. Josef Ackermann, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank und Feindbild der Occupy-Bewegung in Deutschland, schaute interessiert dem kleinen Grüppchen aus dem Fenster zu. "Ich nehme die Anliegen der Menschen sehr ernst", sagte er. "Wir müssen den Dialog führen, deshalb habe ich mich auch erst vor Kurzem in Frankfurt bereit erklärt, Occupy-Demonstranten zu einem Gespräch zu empfangen."

Die Finanzkrise war auch gestern beim 183. Stiftungsfest unter den mehr als 700 Gästen ein Thema des Abends. Und ganz besonders auch im Hinblick auf Bremen. Denn: Bremen hat seine eigene Finanzkrise. Und um diese besondere Situation des kleinsten Bundeslandes weiß auch Ackermann, wie er in einem Vergleich mit seinem Heimatland bemerkte: "Bremen und die Schweiz sind gar nicht so weit auseinander wie man denkt. Sie haben nämlich eines gemeinsam: die Berge. In Bremen ist es allerdings der Schuldenberg", sagte er.

Die gute Stimmung und das Fest wollte sich Ackermann, der am Abend die Gästerede hielt, aber dennoch nicht von düsteren Gedanken über Rettungsschirme, Finanzkrisen und wütenden Demonstranten verderben lassen. "Traditionen wie die Bremer Eiswette haben einen großen Stellenwert. Man sollte da auch Zeit haben, über andere Dinge zu sprechen, die einem am Herzen liegen. Und vor allem Kontakte knüpfen mit alten und neuen Freunden." Diese Gelegenheit hat der Deutsche-Bank-Chef gestern nicht zum ersten Mal in Bremen wahrgenommen, bereits vor einigen Jahren war er schon einmal zu Gast beim Stiftungsfest der Eiswette.

Ebenso wie der andere Ehrengast der Traditionsveranstaltung. Mathias Döpfner, Vorstandvorsitzender der Axel Springer AG, hielt am Abend die mit Spannung erwartete Rede auf Deutschland und Bremen. In Anlehnung an sein im Herbst erschienenes Buch "Die Freiheitsfalle" sprach er über - Freiheit. Zur Pressefreiheit wollte er sich aber nicht weiter äußern, zum Bedauern vieler Gäste. Denn neben der Finanzkrise war die Affäre um Bundespräsident Christian Wulff und seine Anrufe bei Döpfner sowie "Bild"-Chef Kai Diekmann ein weiteres Gesprächsthema.

Zu Beginn seiner Rede hatte Döpfner zunächst die Lacher auf seiner Seite. "Ich fühle mich sehr geehrt, im Vorprogramm von Josef Ackermann aufzutreten", sagte er mit Bezug darauf, dass der Deutsche-Bank-Chef seine Rede erst später hielt. Döpfner äußerte sich schließlich besorgt über den Wert der Freiheit in Deutschland und in Europa. "Er ist nicht überall so verankert wie in Bremen", sagte er. Überall auf der Welt sei die Freiheit durch Diktaturen und Zensur in Gefahr, etwa in der arabischen Welt.

Nachdenklich äußerte er sich auch zur Rolle der Medien: Medien sollten nicht Politik machen, sondern Politik beschreiben, forderte er. Da seien in der Vergangenheit Fehler gemacht worden. Medien müssten auf Missstände hinweisen, sie zu korrigieren, sei aber Aufgabe der Politik. Da müssten sich die Medien heraushalten. Einziger Satz zur Affäre um Bundespräsident Wulff: Es sei klüger, sich hierzu nicht weiter zu äußern, sagte er.

Für Eiswett-Präsident Peter Braun war das diesjährige Stiftungsfest, auf dem traditionell Spenden für die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) gesammelt werden, ein ganz besonderer Termin. Denn: Der Eiswett-Präsident gibt nach sieben Jahren in dieser Funktion das Zepter weiter. Nach Informationen dieser Zeitung wird der ehemalige Handelskammerpräses Patrick Wendisch sein Nachfolger. In seiner Rede forderte Braun die Bürger zu mehr persönlichem Engagement auf, sei es in Parteien oder in anderen gesellschaftlich bedeutenden Organisationen.

"Die Menschen müssen sich von der Tribüne verabschieden und ihren wohligen Logenplatz auch einmal verlassen", betonte der Eiswett-Präsident. Leider sei in Deutschland die Tradition einer aktiven Bürgerschaft schwächer entwickelt als in anderen vergleichbaren Ländern der westlichen Welt.

Die Politik in Bremen und ihre Protagonisten bedachte Braun mit einigen launigen Bemerkungen: "In Bremen war das Eiswettjahr gekennzeichnet durch das Wort Kontinuität. Wie wir alle wissen, kann das für unsere Städte Bremen und Bremerhaven gut und schlecht zugleich sein."

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