Oberneulander koordinieren Flüchtlingsengagement / Bürger können sich an spezielle Ansprechpartner wenden

Runder Tisch bringt Struktur in die Hilfe

Oberneuland. Angebot und Nachfrage unter einen Hut zu bringen, ist die zentrale Aufgabe des Runden Tisches für Flüchtlingshilfe im Wohn- und Büropark Oberneuland, der nun erstmals getagt hat. Von beidem gibt es reichlich, wie sich herausstellte, doch wie finden Hilfsbedürftige und -bereite am einfachsten zusammen?
21.09.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Maren Brandstätter
Runder Tisch bringt Struktur in die Hilfe

Oberneulands neuer Ortsamtsleiter Jens Knudtsen hat für die besser Koordinierung der Flüchtlingshilfe einen Runden Tisch einberufen. Der Einladung ins Gemeindehaus der evangelischen Kirche folgen Vertreter zahlreicher Institutionen.

Petra Stubbe

Angebot und Nachfrage unter einen Hut zu bringen, ist die zentrale Aufgabe des Runden Tisches für Flüchtlingshilfe im Wohn- und Büropark Oberneuland, der nun erstmals getagt hat. Von beidem gibt es reichlich, wie sich herausstellte, doch wie finden Hilfsbedürftige und -bereite am einfachsten zusammen?

Ortsamtsleiter Jens Knudtsen hatte Vertreter aus Vereinen und Institutionen eingeladen, um gemeinsam eine Struktur zu ersinnen. Patenschaften für einzelne Themenfelder stellten sich am Ende als Mittel der Wahl heraus, um interessierten Bürgern jeweils einen verantwortlichen Ansprechpartner zu bieten und entsprechende Kontakte an die Mitarbeiter der Arbeiterwohlfahrt (Awo) zu vermitteln, die die Unterkunft betreibt. Als Koordinator für Deutschunterricht zeichnet ab sofort der Bürgerverein Oberneuland-Rockwinkel verantwortlich, Sportangebote werden beim Bremer Hockeyclub gesammelt, und der Verein Overnigelant wird sich um die Kleiderkammer kümmern.

Einrichtungsleiterin Mirijam Köhler erklärte vor allem Räumlichkeiten als zentralen Punkt auf ihrer Bedarfsliste. „Wir haben keinen Aufenthaltsraum“, erläuterte sie. Die Flüchtlingszeltunterkunft im Wohn- und Büropark wird mittlerweile nicht wie seinerzeit geplant von bis zu 300, sondern von 426 Menschen bewohnt, berichtete Uwe Eisenhut, stellvertretender Fachbereichsleiter bei der Awo. Auch das Zeitfenster für den Standort wurde inzwischen um einige Wochen erweitert und reicht nach derzeitiger Planung bis Mitte Dezember, wie Kom Koyou vom Sozialressort berichtete.

Die Ideen am Runden Tisch waren vielfältig. Regelmäßige Backtage, gemeinsame Obsternte und Beteiligung am jährlichen Laubfegen auf dem Lür-Kropp-Hof nannte Rolf-Gerhard Facklam als denkbare Beiträge zur Freizeitgestaltung der Flüchtlinge. Der Vorsitzende der Lür-Kropp-Stiftung erklärte zudem die Kutscherstube zum potenziellen Unterrichtsraum. Angelehnt an das Projekt „Weihnachten im Schuhkarton“ regten Elif Yurtgüven und Kübra Öztürk vom Lür-Kropp-Hof an, eine vergleichbare Aktion für die Flüchtlingskinder zum islamischen Opferfest am 25. September anzuschieben. Für dieses Datum ist auch ein Willkommensfest in der Einrichtung geplant.

Der Bürgerverein will sich mit Deutschunterricht und Begleitung bei Arzt- und Behördengängen einbringen, berichtete der Vorsitzende Kay Entholt. Sportangebote in den Vormittagsstunden stellte der Bremer Hockey-Club in Aussicht. Der Verein Overnigelant wird sich nicht nur um die Kleiderkammer kümmern, sondern sich auch am Deutschunterricht beteiligen. Außerdem klinkte er sich spontan in die Schuhkarton-Aktion ein.

Beiratssprecherin Tamina Kreyenhop (CDU) schlug in diesem Zusammenhang vor, sich in einem Gasthaus nach entsprechenden Räumlichkeiten zu erkundigen. Pastor Michael Klingler von der evangelischen Kirchengemeinde berichtete von Gottesdienstspenden zugunsten der Flüchtlingsunterkunft und bot an, Räume der Gemeinde, so es der Belegungsplan zulasse, für Unterricht und andere Aktionen zu nutzen. Außerdem plane man, ein regelmäßiges internationales Café einzurichten. Es folgten diverse weitere Hilfsangebote, die von Einrichtungsleiterin Köhler und ihren Kollegen dankend zur Kenntnis genommen wurden.

Im Zuge der Diskussion stand mehrfach die Frage im Raum, ob Deutschunterricht-Angebote für die Bewohner überhaupt sinnvoll seien, da diese in der Regel nur für sehr kurze Zeit in der Unterkunft untergebracht seien. „Unbedingt“, betonte Barbara Schneider vom Verein Zuflucht. Der Unterricht bringe den Flüchtlingen neben Sprachkenntnissen vor allem Kontakte und Struktur. „Ansonsten werden die Tage lang.“

Mirijam Köhler berichtete aus ihrer eigenen Erfahrung, dass die Begleitung von Flüchtlingen zu Ärzten, Ämtern oder auch künftigen Angeboten außerhalb der Einrichtung überaus hilfreich wäre. Außerdem wies sie darauf hin, dass die Betreuung von Kindern ein polizeiliches Führungszeugnis voraussetze.

Auch über finanzielle Unterstützung wurde am Runden Tisch gesprochen. Die Diskussion, ob und wo ein gesondertes Spendenkonto eingerichtet werden soll, wurde allerdings auf das nächste Treffen vertagt. Sowohl die Awo als auch die evangelische Kirchengemeinde sind bis dahin Ansprechpartner für Spendenwünsche.

Wer sich außerhalb der Patenschaftsthemen mit individuellen Projekten oder Unterstützung einbringen möchte, kann mit allen beteiligten Institutionen, dem Ortsamt oder der Flüchtlingseinrichtung Kontakt aufnehmen.

Obendrein engagieren sich unzählige Unternehmen für die Flüchtlinge in Oberneuland. Am Freitag etwa übergab die Firma Harren & Partner, die ihren Sitz ebenfalls im Büropark hat, der Zeltunterkunft zahlreiche Sachspenden wie Schulmaterialien und Fahrräder. Außerdem seien rund 4000 Euro eingesammelt worden, so ein Firmenmitarbeiter. Die benachbarten Flüchtlinge wolle man langfristig unterstützen.

Wer für die Flüchtlingshilfe in der Oberneulander Zeltunterkunft Geld spenden möchte, kann sich an diese beiden Institutionen wenden: Evangelische Kirchengemeinde Oberneuland, Telefon 20 58 10, E-Mail: buero@kirche-oberneuland.de. Oder: Awo Bremen, Telefon 790 20, E-Mail: info@awo-bremen.de. Die Flüchtlingsunterkunft der Awo in Oberneuland ist unter Mobiltelefon 015 75 / 529 53 12 erreichbar. Das Ortsamt hat die Telefonnummer 36 11 18 54.

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