Zukunft des Bremer Kulturfestivals Runder Tisch zum Breminale-Zoff

Im Streit um die Ausrichtung der Breminale will Kulturstaatsrätin Carmen Emigholz (SPD) nun bei einem runden Tisch nach einer Lösung suchen.
28.11.2017, 20:26
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Runder Tisch zum Breminale-Zoff
Von Pascal Faltermann

Nein, einen Sommer ohne Breminale können sich Bremens Kulturpolitiker nicht vorstellen. Dieses Horrorszenario, ausgelöst durch den Streit zwischen den zwei veranstaltenden Gesellschaften, wollte sich keiner der Anwesenden in der Sitzung der Deputation am Dienstag vorstellen. Immer wieder stellten die Vertreter aller Parteien im Saal der Handwerkskammer die Wichtigkeit, die Strahlkraft und die Bedeutung des Kulturfestivals am Osterdeich heraus. Fast schon mantraartig betonten die Deputierten, dass diese Veranstaltung unbedingt weiter bestehen müsse. Kulturstaatsrätin Carmen Emigholz (SPD) versucht unterdessen zu intervenieren. Sie will mit allen Beteiligten am Donnerstagabend bei einem runden Tisch nach einem gemeinsamen Weg suchen. Ausgang offen.

Während vom Ansgarikirchhof die Musik und der Lärm in den Saal schallten, blieben die Kulturdeputierten fast alle ruhig und überaus neutral in ihren Aussagen. Sie versuchten die Auseinandersetzungen zwischen den zwei privaten Gesellschaften nicht zu bewerten.

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Die Beziehungen zwischen der Breminale GmbH und der Unternehmensgesellschaft (UG) Sternkultur sind schwer beschädigt. Und kompliziert. Die Sternkultur UG fungierte seit 2012 als Veranstalter und hatte von der GmbH die Lizenz erhalten, den Namen zu nutzen. Als Veranstalter vergab Sternkultur wiederum der Breminale GmbH den Auftrag für die Gastronomie. Ein Prozedere, wie es auch füreinen Sicherheitsdienst oder Toiletten-Anbieter der Fall ist. Zudem erhielt Sternkultur die Förderung und war fürProgramm und Sicherheit zuständig. Doch dann kam es zum Bruch zwischen den beiden Sternkultur-Gesellschaftern Susanne von Essen (künstlerische Leiterin) und ihrem Geschäftspartner Max Maurer (technischer Leiter), der angekündigt hatte, aufhören zu wollen. Es kam zu einer Wendung: Die Breminale GmbH gab bekannt, mit der Agentur Sternevents und Jonte von Döllen als künstlerischen Leiter weiter machen zu wollen.

Sternkultur stellte sich allerdings ebenfalls neu auf und verweist auf die bereits beantragten Kulturförderungen für 2018. Sternkultur habe für das Festival 2018 Fördersummen beantragt und zum Teil bereits bewilligt bekommen. „Vom Senator für Kultur ist ein entsprechender Haushaltstitel für die Sternkultur UG eingerichtet und ein vorzeitiger Beginn für 2018 genehmigt“, sagte von Essen, die sich eine gemeinsame Lösung wünscht.

Fördergelder bislang nicht vergeben

Kulturstaatsrätin Emigholz stellte klar: „Die Stadt veranstaltet die Breminale nicht, sondern private Gesellschaften.“ Der feste Haushaltstitel werde für das künstlerische Programm vergeben, was wiederum nichts mit der Gastronomie zu tun habe, so Emigholz. Andreas Mackeben von der Kulturbehörde ergänzte: „Wir haben die rein formale Funktion als Zuwendungsgeber.“ Fördergelder seien von der Behörde für 2018 bislang nicht vergeben worden.

Das bedeutet: Die Vertreter des Kulturressorts warten darauf, dass ein künstlerisches und organisatorisches Konzept für die Breminale vorlegt wird. Das könnte auf einen Vergleich der Konzepte von Sternkultur sowie Sternevents hinauslaufen, die dann um die Förderungen wetteifern. Wer am Ende entscheiden soll, darüber wollten die Deputierten noch nicht befinden. Ihre Hoffnungen liegen auf den Schlichtungsqualitäten von Mediatorin Emigholz. „Sie haben keine beneidenswerte Rolle“, sagte Claas Rohmeyer (CDU) zur Kulturstaatsrätin. Er äußerte die Sorge, dass es gegebenenfalls zu einer Blockade kommen und die Breminale nächstes Jahr nicht stattfinden könnte.

Kai Wargalla (Grüne) stellte heraus, dass sie den Prozess der Stadt und den runden Tisch unterstütze, äußerte sich dann aber auch zum Streit der beiden Gesellschaften: „Hier versucht eine Gruppe von Männern, einer Frau die Sache aus der Hand zu nehmen.“ Sie verurteile die machtpolitischen Spielchen zwischen den Gesellschaften. „Wir sind doch nicht bei House of Cards“, sagte Wargalla in Anspielung auf die US-amerikanische Fernsehserie über Macht, Intrigen und Korruption. In der Zusammenarbeit zwischen beteiligten Breminale-Akteuren gehe es auch um Ehrlichkeit, die es bei den aktuellen Entwicklungen nicht gegeben habe. Wenn man sich streite, sei das die eine Sache, aber die Aktivitäten die hier vor sich gehen seien nicht in Ordnung. Wargalla warf den möglichen neuen Veranstaltern von Sternevents vor, dass sie die von ihnen angestrebte neue Ausrichtung noch nicht mit Inhalten gefüllt hätten.

Chance für etwas Neues

Nicht einverstanden war Wargallas Parteikollege Nima Pirooznia. Er distanzierte sich von ihren Aussagen: „Das ist ihre persönliche Meinung“, so Pirooznia. Er begrüßte den runden Tisch und dass die Breminale im Dezember erneut Thema in der Deputation sein wird. Robert Hodonyi (ebenfalls Grüne) und Ulf-Brün Drechsel (FDP) sahen in den Schwierigkeiten auch die Chance für etwas Neues. Sükrü Senkal (SPD) betonte, dass den Deputierten ein neues Konzept vorgestellt werden müsse, und Miriam Strunge (Linke) verdeutlichte, dass es eine schnelle Lösunggeben müsse und fragte: „Warum sollte vom Bewährten abgewichen werden?“

„Das war das Neutralste, was ich je erlebt habe“, kommentierte Daniel Schnier, einer der Zuhörer und Vertreter der Zwischenzeitzentrale. Dass zahlreiche Vertreter der Kulturszene die Sitzung der Kulturdeputation verfolgt haben, zeige aber, dass da mehr im Busch sei.

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