Irische Fluggesellschaft Ryanair zieht alle Maschinen aus Bremen ab

Wie Ryanair am Montag bestätigte, wird die Basis in Bremen geschlossen und beide Flugzeuge vom Standort abgezogen. Die meisten Verbindungen sollen allerdings bleiben.
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Ryanair zieht alle Maschinen aus Bremen ab
Von Florian Schwiegershausen

Der Billigflieger Ryanair schließt zum November seine Basis am Bremer Airport und zieht damit seine zwei Maschinen vom Standort ab. Viele der Flugverbindungen sollen durch Jets aus dem Ausland erhalten bleiben. Laut Gewerkschaft Verdi sind von der Entscheidung 90 Piloten, Flugbegleiter und Techniker betroffen.

Flughafen-Sprecherin Andrea Hartmann sagte dazu: „Eine Schließung der Bremen-Basis im Winter bedeutet lediglich, dass die Bereitstellung der Crews der Ryanair-Maschinen in diesem Zeitraum nicht mehr aus Bremen, sondern von anderen im Umlauf des Flugzeuges befindlichen Standorten erfolgt.“ Ein Blick ins Buchungssystem des Unternehmens zeigt: Die Verbindungen nach Fuerteventura sowie Eidal in Israel werden ein­gestellt. Nach Teneriffa geht es nur noch am Dienstag statt wie bisher auch am Sonnabend. Was die Balearen angeht, fliegt Ryanair nur noch einmal wöchentlich nach Palma de Mallorca. Zusätzlich wird die Hälfte der Flüge zu Litauens Hauptstadt Vilnius ge­strichen.

In Weeze am Niederrhein zieht Ryanair zwei von fünf Maschinen ab und in Eindhoven alle vier. Alle betroffenen Passagiere sind laut Ryanair bereits per E-Mail oder per SMS informiert worden. Sie sollen entweder auf andere Flüge umgebucht werden, oder die Passagiere erhalten das Geld zurück. Gleichzeitig mit dieser Ankündigung hat der Billigflieger seine Geschäftserwartungen gesenkt. Zum einen, weil der Treibstoff teurer geworden sei, zum anderen hätten die Streiks das Vertrauen der Kunden untergraben, sagte Ryanair-Chef Michael O‘Leary.

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Am Freitag waren wegen der Ausstände bei Flugbegleitern und Piloten mindestens 250 Flüge ausgefallen. Bereits in der vergangenen Woche hatte die irische Fluggesellschaft laut der Gewerkschaft Verdi vor den Streiks damit gedroht, dass im Falle eines Ausstands die Basis in Bremen geschlossen werden würde. Markus Westermann, Bezirksgeschäftsführer des Verdi-Bezirks Bremen-Nordniedersachsen, sagte zu der Entscheidung: „Das ist die Strafe für den Streik der vergangenen Woche.“ Verdi forderte die Fluggesellschaft auf, wieder an den Verhandlungstisch zurückzukehren. „Das wird nicht einfach sein“, räumte Westermann ein. Er kündigte aber an, dass im Fall der Fälle weitere Streiks möglich seien: „Es ist ein Skandal, dass Ryanair das Streikrecht nicht akzeptiert und so mit Füßen tritt.“

Steiner befürchtet einen kompletten Rückzug von Ryanair

Der SPD-Bürgerschaftsabgeordnete Dieter Reinken sagte: „Ryanair schadet sich selber, wenn es Teile des Geschäfts aufgibt. Gleichzeitig ist Billigfliegerei ohne vernünftige Arbeitsbedingungen kein Zukunftsmodell, das merkt jetzt auch Ryanair. Insofern habe ich Sympathien für die Beschäftigten und hoffe, dass sie akzeptable Verhandlungsergebnisse erzielen.“ Die Linke-Bürgerschaftsabgeordnete Claudia Bernhard kritisierte ­Ryanair ebenfalls: „Die Tarifsituation und die Bezahlung der Beschäftigten müssen dringend verbessert werden. Lohndumping darf kein Geschäftsmodell sein. Dass Ryanair damit droht, den Standort Bremen zu schließen, ist ganz schlechter Stil und verstärkt das ohnehin ramponierte Image des Billigfliegers.“

Die Bremer FDP-Fraktionsvorsitzende Lencke Steiner befürchtet, dass sich Ryanairkomplett zurückziehen könnte: „Neben den vielen Destinationen, die in Bremen wegfallen können, ist auch der volkwirtschaftliche Schaden durch ausbleibende Touristen nicht zu unterschätzen.“ Flughafenchef Elmar Kleinert müsse nun neue Perspektiven aufzeigen und die Vielfalt der Ziele erhalten. Steiner forderte Wirtschaftssenator Martin Günthner (SPD) auf, Kleinert bei dieser Aufgabe nach allen Kräften zu unterstützen.

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Laut dem CDU-Bürgerschaftsabgeordneten Jörg Kastendiek ist die Entwicklung ernstzunehmen: „Die Passagierzahlen sind mit Ausnahme dieses Jahres immer weiter gesunken, während andere Flughäfen zulegen konnten.“ Dabei habe es der Senat versäumt, effektiv gegenzusteuern und neue Perspektiven für den Flughafen aufzuzeigen. Kastendiek rüffelte auch den Billigflieger: „Unverantwortlich verhält sich Ryanair, wenn das Unternehmen mit solchen Aktionen und auf dem Rücken der Mitarbeiter am Standort versucht, Streiks zu unterbinden.“ Laut Verdi sollen die betroffenen Mitarbeiter von Ryanair nun angeben, an welchen Standorten sie zukünftig arbeiten möchten.

Prognose gesenkt

Am Montag kappte die Fluggesellschaft ihre Prognose für das laufende Jahr und sorgte damit für kräftige Kursverluste. Ryanair-Aktien verloren am Vormittag bis zu 12 Prozent an Wert. Auch die Aktien anderer Fluggesellschaften gerieten in den Abwärtssog.

Der Gewinn dürfte im Geschäftsjahr 2018/19 (Ende März) bei 1,10 bis 1,20 Milliarden Euro liegen, teilte Ryanair in Dublin mit. Bislang war der Konzern von 1,25 bis 1,35 Milliarden ausgegangen. Als Grund für die Senkung gab Ryanair die Streiks in Deutschland, den Niederlanden, Belgien, Spanien und Portugal an. Alleine Ende vergangener Woche waren wegen der Ausstände bei Flugbegleitern und Piloten mindestens 250 Flüge ausgefallen. Das fliegende Personal will höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen nach dem jeweiligen nationalen Recht erreichen.

Nicht nur die mehr als 400 Maschinen mit dem Ryanair-Logo werfen in diesem Jahr weniger Gewinn ab. Die neue Ryanair-Tochter Laudamotion dürfte nach bisherigen Angaben in diesem Jahr rund 150 Millionen Euro Verlust einfliegen. Diese Summe ist in der Gewinnprognose von Ryanair noch nicht enthalten.

Branche kämpft mit Kerosin-Preisen

Steigende Kosten für Flugbenzin sind indes ein Problem, das die gesamte Branche betrifft. Bereits Ende vergangener Woche hatte der Ryanair-Konkurrent Easyjet seine Gewinnprognose eingeengt. Der um Sonderposten bereinigte Vorsteuergewinn dürfte zwischen 570 und 580 Millionen britische Pfund (639 bis 651 Mio Euro) erreichen, hieß es am Freitag. Am Montag folgten dann negative Analystenkommentare. Die Easyjet-Aktie verlor gut 6 Prozent. Auch die Papiere von Lufthansa verloren gut ein Prozent an Wert. (sei/dpa)

+++Dieser Artikel wurde am 01.10.2018 um 20.53 Uhr aktualisiert+++

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