Mordkomplott auf der Spur Salafist René Marc S. unter den Beschuldigten

Auf Antrag der Staatsanwaltschaft hat die Polizei Bremen am Dienstagmorgen zehn Wohnungen und Geschäfte im Stadtgebiet durchsucht. Die Staatsanwaltschaft glaubt einem Mordkomplott auf der Spur zu sein.
26.04.2016, 07:25
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Salafist René Marc S. unter den Beschuldigten
Von Ralf Michel

Auf Antrag der Staatsanwaltschaft hat die Polizei Bremen am Dienstagmorgen zehn Wohnungen und Geschäfte im Stadtgebiet durchsucht. Die Staatsanwaltschaft glaubt einem Mordkomplott auf der Spur zu sein.

Innerhalb der salafistischen Szene Bremens scheint es einen Machtkampf zu geben. Die Staatsanwaltschaft ist einem Mordkomplott auf der Spur und hat am frühen Dienstagmorgen von Spezialkräften der Polizei zehn Wohnungen und Geschäftsräume durchsuchen lassen. Bei einem der insgesamt neun Beschuldigten handelt es sich um den als Emir von Gröpelingen bekannt gewordenen René Marc S., der erst Ende Februar aus der Haft entlassen worden war.

Laut Staatsanwaltschaft sind am Wochenende zwei anonyme Hinweise bei der Polizei eingegangen. Demnach sollen neun Personen, die dem seit Ende 2014 verbotenen salafistischen Kultur- und Familienverein angehörten, verabredet haben, zwei andere Personen zu töten. Ausgangspunkt für diesen Plan soll ein ideologischer Streit über die Auslegung des Korans gewesen sein. Wer die beiden Personen sind, die umgebracht werden sollten, kann die Staatsanwaltschaft nicht sagen, sie seien noch nicht „hinreichend identifiziert“, erklärte Behördensprecherin Petra Meyer.

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Auf Grundlage der anonymen Hinweise habe die Polizei einen Zeugen vernommen, auf dessen Handy Nachrichten gesichert werden konnten, die den bisherigen Tatverdacht gegen die neun Beschuldigten bestätigten, schildert Meyer den weiteren Verlauf der Ermittlungen. Sie sollen sich darauf verständigt haben, zwei Personen zu töten, „die sowohl den Koran als auch das Leben im Islam anders auslegen sollen als die Beschuldigten“.

Zudem bestand der Anfangsverdacht der gemeinschaftlichen gefährlichen Körperverletzung. Zwei Taten, begangen in wechselnder Beteiligung, werden den neun Beschuldigten zur Last gelegt: Am 21. April sollen sie ihr Opfer aus dessen Wohnung in Gröpelingen gelockt, anschließend angegriffen und mit einem Messer am Bein verletzt haben. Einen Tag später soll eine andere Person in der Nähe des Einkaufszentrums Lindenhof-Center in Gröpelingen angegriffen und am Kopf verletzt worden sein.

Mit einer konzertierten Aktion hat die Staatsanwaltschaft am Dienstagmorgen versucht, das Komplott zu zerschlagen. Gemeinsam mit Spezialkräften aus den Bundesländern Berlin, Hamburg, Mecklenburg Vorpommern und Schleswig Holstein wurden zehn Durchsuchungsbefehle vollstreckt. Insgesamt waren über 200 Polizeibeamte im Einsatz. Durchsucht wurden Objekte in Gröpelingen, Lesum, Walle und Woltmershausen. Das Islamische Kulturzentrum (IKZ) war nicht unter den durchsuchten Gebäuden. Es habe keinen Hinweis auf eine Beteiligung des IKZ gegeben, sagt Petra Meyer.

Widerstand hat es laut Staatsanwaltschaft nicht gegeben. Einige der Beschuldigten wurden abgeführt, um sie erkennungsdienstlich zu behandeln. Anschließend wurden alle wieder auf freien Fuß gesetzt. Um sie in Haft nehmen, reicht ein Anfangsverdacht nicht aus. Allerdings wurden diverse Gegenstände beschlagnahmt, wie etwa ein Einhandmesser, Elektroschocker, Schreckschusswaffen, ein Beil, Mobiltelefone und Laptops. Die sichergestellten Telefone und Computer werden jetzt ausgewertet, das Einhandmesser auf DNA-Spuren hin untersucht – denkbar ist, dass es sich dabei um das Messer handelt, mit dem am 21. April ein Mann am Bein verletzt wurde.

René Marc S. unter den Beschuldigten

Unter den Beschuldigten befindet sich auch René Marc S., einer der Gründer des verbotenen Kultur- und Familienvereins. Der 35-Jährige war erst Ende Februar nach dreieinhalbjähriger Haft freigekommen und stand seither unter besonderer Beobachtung. Der Mann gilt als hochgefährlich, ein Islamist, der als Terrorhelfer verurteilt wurde. Derzeit steht er unter Führungsaufsicht des Landgerichts Bremen und muss sich einmal die Woche bei der Polizei melden. Zudem wurden sein Reisepass und sein Personalausweis eingezogen. Die Sicherheitsbehörden fürchten, dass er erneut versuchen wird, andere Personen zu radikalisieren und sie zu bewegen, in Syrien zu kämpfen.

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Bremen gilt laut Innenbehörde weiterhin als eine der Salafistenhochburgen in Deutschland. 360 Personen werden derzeit in Bremen der salafistischen Szene zugerechnet, in ganz Deutschland sind es 8650. Während sich die Zahl der Salafisten im Bund in den vergangenen drei Jahren nahezu verdoppelt hat, ist sie in Bremen auf hohem Niveau stabil geblieben. 2012 gingen die Behörden von 350 Salafisten in Bremen aus.

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