Bremer Denkmalpflegepreis

Sanierer können nun Lob, Ehre und Geld ernten

Die Bewerbungsfrist für den vierten Bremer Denkmalpflegepreis läuft - aber nicht mehr lange: Am 1. August ist Einsendeschluss.
07.07.2019, 16:13
Lesedauer: 4 Min
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Sanierer können nun Lob, Ehre und Geld ernten
Von Justus Randt

Kenntnisse, Fertigkeiten, Verantwortungsbewusstsein und Geld – ohne wird es nichts mit dem Denkmalschutz. Und auch nicht mit dem Bremer Denkmalpflegepreis. Der wird in diesem Jahr zum vierten Mal ausgelobt. Noch bis zum 1. August können sich private und öffentliche Denkmaleigentümer darum bewerben. Teilnahmevoraussetzung ist, dass sie ihr geschütztes Kleinod in den vergangenen drei Jahren, seit der dritten Preisvergabe 2016, saniert haben.

Die Ausschreibung richtet sich gleichermaßen auch an Handwerker, Architekten und ehrenamtliche Denkmalheger und -pfleger, wie beispielsweise Vereine in Bremen und in Bremerhaven. Der mit insgesamt 3000 Euro dotierte Preis wird vergeben vom Landesamt für Denkmalpflege und dem Verein Aufbaugemeinschaft Bremen in Zusammenarbeit mit der Architektenkammer, der Handelskammer Bremen, der Handwerkskammer Bremen und der Industrie- und Handelskammer Bremerhaven. Der WESER-KURIER und die Nordsee-Zeitung stiften als Medienpartner einen Sonderpreis von 2500 Euro.

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Außer dem Preisgeld werden auch blau-weiße Denkmalplaketten ausgegeben, die an der Fassade angebracht werden können. Die Preisverleihung soll am 24. Oktober im Bremer Rathaus gefeiert werden. „Der Bremer ist zurückhaltend und bescheiden, aber wir haben es immer geschafft, Kandidaten zur Bewerbung zu ermutigen“, sagt Georg Skalecki.

Der Leiter des Landesamtes für Denkmalpflege betont, dass der Denkmalpflegepreis bereits einiges Renommee verkörpert: „Für Architekten und Handwerker ist er ein Qualitätsmerkmal und eine wichtige Würdigung ihrer Arbeit. Und für Eigentümer und Bauherren, die oft finanziell belastet sind, ist das Preisgeld eine Unterstützung. Die Jury ist übrigens vollkommen frei darin, wie sie die 3000 Euro verteilt.“

Immerhin 53 Bewerbungen hatte es 2016 gegeben, 39 davon aus Bremen und Bremen-­Nord, 14 aus Bremerhaven, 2013 waren es 45 (davon vier aus der Seestadt). Als der Preis 2010 erstmals ausgeschrieben wurde, war der Zeitraum, in dem die Sanierung vorgenommen worden sein musste, zwei Jahre länger. Deshalb sei die Zahl der Bewerber damals größer gewesen: 77 insgesamt, 66 davon aus Bremen.

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Im Laufe der Zeit sind in – überwiegend private – Projekte und Bauherren ausgezeichnet worden. Im vergangenen Jahr beispielsweise die Familie Schefold für die behutsame Restaurierung einer floralen Deckenmalerei im ehemaligen Herrenzimmer ihres Alt-Bremer Hauses im Denkmal-Ensemble Mathildenstraße (Fesenfeld). Die Architekten der Restaurierung des Turms der neogotischen St.-Jakobi-Kirche in der Neustadt erhielten eine Auszeichnung.

Und auch die Handwerker, die den maroden Sandstein des Südturms der Kirche Unser Lieben Frauen vor weiterem Verfall gerettet haben. In der Kategorie der Vereine hatte der Förderverein Knoops Park für ungewöhnliches Engagement das Preisgeld zugesprochen bekommen. Der Sonderpreis war an ein Bremen und Bremerhaven verbindendes Projekt gegangen: Der Verein Dampfeisbrecher Welle konnte das – nach seiner Außerdienststellung 1975 bereits einmal gesunkene – „letzte Dienstwasserfahrzeug aus der Zeit der Weserkorrektur“ restaurieren. Mittlerweile ist das Schiff 104 Jahre alt.

Landesweit sind es vor allem „die Vereine und Einzelpersonen, die sich ehrenamtlich engagieren“, die Georg Skalecki zur Teilnahme an der Ausschreibung ermuntern möchte. „Sie unterstützen die Denkmalpflege oft meinungsbildend in ihren Stadtvierteln“, sagt der Landeskonservator und nennt ein bedeutendes Beispiel aus der Vergangenheit: Ohne den Verein der Freunde des Sendesaals Bremen „und ohne sein vielfältiges Engagement wäre es mir vielleicht nicht möglich gewesen, den Sendesaal zu retten“, betont er. Auch Wätjens Park in Blumenthal ist ein gutes Beispiel: „Der war total verwildert, und der Förderverein hat es geschafft, ihn wieder ins Bewusstsein der Bevölkerung zu bringen.“

Anzahl der Denkmäler ist gestiegen

Kredite sind günstig zu bekommen, Handwerker viel beschäftigt. Und es gebe durchaus Bauherren mit preiswürdigen Vorhaben, sagt Georg Skalecki. „Der unglaubliche Boom in der Bauwirtschaft ist an der Denkmalpflege nicht vorbeigegangen. Es ist viel gemacht worden in den vergangenen drei Jahren.“ Die Arbeitsbelastung in der Denkmalbehörde nehme ständig zu.

Auch die Zahl der Denkmäler hat zugenommen: Während es vor zehn Jahren noch knapp 1700 Bau-, Garten-, technische oder bewegliche Denkmäler wie die „Welle“ im Land Bremen gab, sind es aktuell 1807, davon 194 in Bremerhaven. In diesem Jahr wurden die ehemalige Tabakfabrik Brinkmann in Woltmershausen, die alte Feuerwache im Holz- und Fabrikenhafen und der Dampfeisbrecher „Wal“ mit Liegeplatz in Bremerhaven in die Denkmalliste aufgenommen. Ebenso wurden die Bremer Häuser am Schwachhauser Ring 6 bis 16 zu Denkmälern erklärt – und die Dietrich-Bonhoeffer-Kirche in Huchting.

Der Landeskonservator ist gespannt, ­welche und wie viele Bewerbungen die Jury unter dem Vorsitz von Andrea Pufke, der Leiterin des Rheinischen Amtes für Denkmalpflege, erreichen werden. „Derzeit“, sagt Georg Skalecki, „beschäftigt uns das Industrieareal der Silberwarenfabrik Koch & Bergfeld in der Neustadt.“ Die umgestaltete ehemalige Produktionsstätte könne 2022 eine potenzielle Bewerberin um den Denkmalpflegepreis sein. „Das ist ein schönes, großes Denkmal, ein historisches Zeugnis der bremischen Industriegeschichte mit reich gestalteter Fassade.

Weitere Informationen

Der zweiseitige Anmeldebogen zum Wettbewerb um den Denkmalpflegepreis 2019 kann beim Landesamt für Denkmalpflege angefordert und bis zum 1. August abgegeben werden: Sandstraße 3, 28195 Bremen. Das Formular kann auch unter www.denkmalpflege.bremen.de heruntergeladen, die Bewerbung als E-Mail abgeschickt werden: office@denkmalpflege.bremen.de.

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