Chronik der Gorch Fock Grünes Licht trotz Kostenexplosion und Korruptionsverdacht

Während der über fünfjährigen Sanierungsphase hing das Schicksal der Gorch Fock mehrfach am seidenen Faden. Letztlich aber hielt die Bundesverteidigungsministerin den Großsegler auf Kurs.
06.03.2021, 05:00
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Grünes Licht trotz Kostenexplosion und Korruptionsverdacht
Von Ralf Michel

Die Gorch Fock wurde im Dezember 1958 in Dienst gestellt. Das Segelschulschiff der Deutschen Marine ist nach dem Schriftsteller Gorch Fock (Johann Wilhelm Kinau, 1880 – 1916) benannt. Die Bark wurde nach den Konstruktionsplänen der ersten Gorch Fock gebaut, die 1933 vom Stapel lief und heute als Museumsschiff im Hafen von Stralsund liegt. Der Heimathafen der Gorch Fock II ist Kiel.

Das Segelschulschiff dient der Marine in erster Linie zur Ausbildung ihrer Offiziersanwärter und -anwärterinnen. Während der Ausbildungsfahrten rund um die Welt übernimmt die Gorch Fock außerdem die Funktion einer Botschafterin der Bundesrepublik und der Marine.

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Wenn der Kommandant des Schiffes, Nils Brandt, vom „Ende einer Odyssee“ spricht, spielt er auf die vergangenen Jahre an:

2015: Im Dezember geht der Großsegler zur Grundinstandsetzung in die Elsflether Werft, die schon seit Jahren die Reparaturen an dem Schiff durchführte. Veranschlagte Kosten der Sanierung: zehn Millionen Euro.

2016: Nachdem die Arbeiten auf der Werft begonnen hatten, werden weitere umfangreiche Schäden entdeckt. Dies führt zu einem Baustopp und zu einer „Wirtschaftlichkeitsbetrachtung“.

2017: Die Überprüfung ergibt eine Steigerung der Kosten auf 75 Millionen Euro. Gleichwohl gibt Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen grünes Licht für die Fortsetzung der Sanierungsarbeiten.

2018: Die Elsflether Werft gibt bekannt, dass die Kosten auf 135 Millionen steigen könnten. Gegen die Werft werden Korruptionsvorwürfe erhoben, die Staatsanwaltschaft Osnabrück ermittelt in mehr als 100 Einzelverfahren wegen Betrugs, Untreue und Korruption gegen zwei frühere Vorstände der Werft, mehrere Mitarbeiter der Marine sowie Zulieferer. Infolge dieser Entwicklung sowie der Kostensteigerung wird die Sanierung Ende des Jahres vom Bundesverteidigungsministerium gestoppt. Noch einmal hängt das Schicksal des Großseglers am seidenen Faden. Erneut wird darüber nachgedacht, die Sanierung komplett zu stoppen und stattdessen ein neues Schiff zu bauen. Letztlich fällt die Entscheidung für die Fortsetzung der Sanierung.

2019: Im Februar meldet die Elsflether Werft Insolvenz an. Die Arbeiten an der Gorch Fock werden zunächst auf der Fassmer-Werft fortgesetzt, anschließend dann bis zu ihrem Abschluss im Frühjahr 2021 auf der Lürssen-Werft, die die Elsflether Werft übernommen hat.

Info

Zur Sache

1782 Quadratmeter Segelfläche und der sechste Albatros

Die Gorch Fock II wurde 1958 bei Blohm & Voss in Hamburg gebaut. Sie ist 89 Meter lang und zwölf Meter breit. Ihre drei Masten sind zwischen 39,80 und 45,30 Meter hoch, die 23 Segel haben 1782 Quadratmeter Fläche. Die Höchstgeschwindigkeit des Schiffes liegt unter Segeln bei etwa 17 Knoten (31,5 km/h), unter Motor bei zehn Knoten (18,5 km/h), die Maschinenleistung beträgt 1660 PS. Nils Brandt ist der 14. Kommandant der Gorch Fock. Zur Stammbesatzung gehören 162 Männer und Frauen. Insgesamt bietet das Schiff Platz für 242 Personen. Die Galionsfigur der Gorch Fock ist ein stilisierter Albatros. Der goldene Vogel aus Kunststoff, der heute den Bug des Schiffes ziert, ist ­bereits der sechste seiner Art. Seine Vorgänger, zum Teil noch aus Holz gefertigt, wurden Opfer von Wind, Wetter und Wellengang.

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