Was kostet dieser Winter? Sanierung der Straßen wird teuer

Bremen. Schnee und Eis schmelzen - doch welche Kosten hat dieser Winter bis jetzt verursacht? Mit dem Tauwetter wird sichtbar, dass sich etliche Straßen während der Kälteperiode in Rallye-Pisten verwandelt haben. Viele Menschen haben sich bei Stürzen verletzt und zwei sehr heizintensive Monate liegen hinter den Bürgern.
21.02.2010, 03:20
Lesedauer: 3 Min
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Von Katja Butschbach

Bremen. Schnee und Eis schmelzen - doch welche Kosten hat dieser Winter bis jetzt verursacht? Mit dem Tauwetter wird sichtbar, dass sich etliche Straßen während der Kälteperiode in Rallye-Pisten verwandelt haben. Viele Menschen haben sich bei Stürzen verletzt und zwei sehr heizintensive Monate liegen hinter den Bürgern.

Zumindest bei den Heizkosten gibt es leichte Entwarnung: Dramatisch hohe Nachforderungen kommen nicht auf die Bürger zu, meint Andreas Holtgrave, Energiereferent der Verbraucherzentrale Niedersachsen. Die Heizspiegelkampagne hat berechnet, dass für eine 70-Quadratmeter-Wohnung im Januar Zusatzausgaben zwischen 15 und 20 Euro entstehen. Laut Holtgrave gleichen sich diese Kosten allerdings dadurch aus, dass das vergangene Jahr überdurchschnittlich warm gewesen ist. Die Kostensteigerung im Vergleich zum Vorjahr werde 'deutlich unter zehn Prozent' liegen. Die Preise für Heizöl und Gas seien relativ stabil: 'An der Preisschraube ist nicht gedreht worden.'

Bei der Bremer Gewoba geht man davon aus, dass in diesem Winter deutlich mehr Heizenergie verbraucht wird als vor einem Jahr. Hohe Nachzahlungen seien für die meisten Kunden wahrscheinlich nicht zu erwarten, meint Pressesprecherin Karin Liedtke. 'Viele haben bei der letzten Anpassung auf eine Reduzierung verzichtet. Wir hoffen, dass wir die Mehrkosten so auffangen können.'

Teuer wird der Winter dagegen für die Krankenkassen. Jeder zehnte Norddeutsche hat sich laut einer Forsa-Umfrage für die DAK bei einem Sturz auf glatten Wegen Prellungen oder Knochenbrüche zugezogen. 'Es gab doppelt so viele Glatteisunfälle wie 2009', vermeldet die Krankenkasse KKH-Allianz. Die Kosten für einen komplizierten Knochenbruch liegen bei bis zu 15000 Euro. Jede stationäre Aufnahme nach einem Glatteisunfall schlägt mit 4000 Euro zu Buche.

Der Klinikverbund Bremen hat im Februar ein Viertel mehr Patienten in der Unfallchirurgie betreut als im Vorjahreszeitraum, die Monate Januar und Februar sind allerdings unauffällig gewesen, erklärt Melanie Walter, Sprecherin der Krankenhaus-Dachgesellschaft Gesundheit Nord. 'Wir verzeichnen derzeit fast doppelt so viele Sprunggelenksfrakturen wie in anderen Wintern und 30 bis 40 Prozent mehr Handgelenksfrakturen.' Die Techniker-Krankenkasse rechnet damit, dass sie in diesem Winter in Niedersachsen sechs Millionen Euro zusätzlich für dieBehandlung von Versicherten ausgeben muss, die sich witterungsbedingt verletzt haben. Wenn Anlieger nicht geräumt haben, kommen laut Gabriele Peters von der Verbraucherzentrale Niedersachsen Fragen der Haftung hinzu.

Ist ein Mitarbeiter nach einem Glätteunfall krankgeschrieben, bringt dies wiederum Probleme für die Unternehmen: Vor allem in Klein- und Mittelbetrieben der Bauwirtschaft sind Fehlzeiten ein belastender Kostenfaktor. Die Berufsgenossenschaft Bau geht von mindestens 400 Euro Ausgaben pro Fehltag aus - sie entstehen dadurch, dass die Betriebe weiterhin Lohn und Lohnnebenkosten zahlen, Aushilfskräfte einsetzen oder Produktionsausfälle hinnehmen müssen.

Auch auf Bremen kommen hohe Kosten zu: Der Winterdienst ist in dieser Saison mindestens sechs Mal so teuer wie im Vorjahreswinter. 'Wir gehen von einem hohen sechsstelligen Betrag aus', sagt Michael Ortmanns, Sprecher des Senators für Bau und Umwelt. Noch teurer wird die Straßensanierung - in Bremen sind drei Millionen Euro für ein Sofortprogramm vorgesehen. 'Dieser Winter hat viele Kommunen vor außerordentliche Aufgaben und außerordentliche Kosten gestellt', sagt Ortmanns. In dieser Lage könne der Bund erwägen, ob er die Städte und Kommunen bei der Straßensanierung finanziell unterstützen wolle, auch wenn das generell nicht üblich sei. An die Bürger sollen keine Kosten weitergegeben werden.

Allerdings können sich Autofahrer, so Rainer Hillgärtner, Sprecher des Automobilclubs ACE, auf mehr Reparaturen einstellen: 'Der Straßenzustand ist vielerorts ein prima Konjunkturprogramm für Kfz-Werkstätten.' Folgekosten dieses Winters können auch in den Wohnungen entstehen: Nämlich dann, wenn sich Schimmel an den Wänden gebildet hat, wenn in langen Wintern geheizt, aber nicht richtig gelüftet wird. Gabriele Peters meint dazu: 'Das kann dann richtig teuer werden, wenn eine Grundsanierung fällig ist. Das ist oft ein Streitpunkt zwischen Mietern und Vermietern.'

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