Standesamt an der Hollerallee in Bremen Sanierung soll fünf Millionen Euro kosten

Bremen. Der bauliche Zustand des Standesamtes an der Hollerallee ist mangelhaft. Jetzt haben Gutachter den Sanierungsbedarf ermittelt. Fünf Millionen Euro werden benötigt, doch das Gebäude ist nur 1,5 Millionen wert, und im Haushalt stehen nur 2,5 Millionen Euro zur Verfügung.
24.01.2010, 06:00
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Sanierung soll fünf Millionen Euro kosten
Von Michael Brandt

Bremen. Hier sollen Paare den Bund fürs Leben eingehen – aber ob sie sich auch hineintrauen? Das Standesamt an der Hollerallee ist seit vielen Jahren nicht repariert worden, der Zustand ist eher abschreckend. Jetzt haben Gutachter den Sanierungsbedarf für die Villa ermittelt. Fünf Millionen Euro werden benötigt. Problem: Das Gebäude ist eigentlich nur 1,5 Millionen wert, und im Haushalt der Stadt stehen nur 2,5 Millionen Euro für die Erneuerung zur Verfügung.

Rund 1500 Trauungen finden laut Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) pro Jahr im Standesamt an der Hollerallee statt. Von einem schönen Ambiente direkt am Bürgerpark kann man aber offenbar nur noch bedingt sprechen. „Skandalös“ findet Mäurer es zum Beispiel, dass Rollstuhlfahrer ins Foyer hinaufgetragen werden müssen, weil es weder Rampe noch Aufzug gibt. „Allein schon deshalb müssen wir eine Lösung hinbekommen.“

So gehört der Bau eines Fahrstuhls zu den Zielen der Sanierung. Fußböden, Heizung, Elektrik, sanitäre Anlagen – „es ist kaum etwas da, was man nicht neu machen muss.“ Bereits vor einem Jahr lautete das Fazit einer Ortsbegehung: Es zieht durch die Fenster, der Keller ist feucht, und im alten Tresorraum verschimmeln die Aktenordner. Die Mängelliste ließe sich ohne weiteres fortsetzen.

Mäurer: Standort erhaltenswert

Trotz des hohen Aufwands hält es der Innensenator für den richtigen Weg, an der Rettung der historischen Kaufmannsvilla festzuhalten, die unter Denkmalschutz steht. Mäurer: „Der Standort ist erhaltenswert. Es ist einfach ein schönes Gebäude. Wir lassen uns da nicht beirren.“ Zuständig für die Sanierung sei der städtische Betrieb „Immobilien Bremen“.

„Jetzt müssen wir eine Lösung finden“, sagt Mäurer außerdem. Er kann allerdings noch nicht sagen, wie diese Lösung angesichts der auseinanderdriftenden Zahlen aussehen könnte. Denkbar zum Beispiel, dass die historische Kaufmannsvilla an einen Investor verkauft und dann in ordentlich saniertem Zustand zurückgemietet wird.

Aber fünf Millionen Euro einfach auf die Miete aufschlagen? „Wenn man das machen würde, wäre die Miete nicht mehr zu bezahlen.“ Und noch mal: „Wir müssen Ideen entwickeln.“ Mehrfach hat Mäurer die Sachlage bereits im internen Kreis vorgestellt.

Zu den Überlegungen gehört demnach auch, dass vorsorglich bereits nach einem anderen Standort Ausschau gehalten worden ist, an dem Trauungen in respektabler Umgebung stattfinden könnten. Dem Vernehmen nach soll es dabei auch um ein Objekt in der Überseestadt gehen.

Aber der Innensenator macht klar, dass für ihn die Sanierung der Villa an der Hollerallee Priorität hat. Und er betont, dass es in diesem Fall keine ausufernden Kosten geben darf. Wie berichtet, hatte das Innenressort erst vor wenigen Wochen wegen der Verteuerung eines kombinierten Polizei- und Löschboots von knapp drei auf 4,4 Millionen Euro kritische Debatten auszustehen. So erklärt Mäurer jetzt: Er will mit dem Geld hinkommen, das im Haushalt zur Verfügung steht. Mehr als die besagten 2,5 Millionen Euro seien angesichts der Bremer Haushaltslage nicht drin.

Bereits vor über einem Jahr hatte das Innenressort die Sanierung angekündigt, damals war man allerdings noch von einem Sanierungsbedarf von 2,5 bis drei Millionen Euro ausgegangen. Dass das Projekt jetzt nicht mehr im Rahmen des Konjunkturprogramms des Bundes abgearbeitet werden soll, nehme den Überlegungen den Zeitdruck, heißt es.

Nach Aussage von Innenressort-Sprecher Rainer Gausepohl greifen ungefähr 400 Paare pro Jahr die Möglichkeit auf, auf dem Lür-Kropp-Hof in Oberneuland ihre Ehe besiegeln zu lassen: Rund 100 Paare heiraten im Rathaus. Unabhängig vom Zustand der Villa an der Hollerallee werde derzeit überlegt, verstärkt alternative Orte für die Eheschließungen anzubieten. Laut nachgedacht wird zum Beispiel darüber, Gebäude in historischen Parkanlagen dafür zu nutzen.

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