Konferenz in Bremen

Sanierungsstau auf Verkehrswegen

Bremen. Die Infrastruktur für den Bremer Verkehr ist marode und benötigt dringend einen Schub von Investitionen. Am 25. März wird es eine Konferenz zu dem Thema geben, maßgeblich vorbereitet von der BSAG.
18.03.2014, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Sanierungsstau auf Verkehrswegen
Von Jürgen Hinrichs

Brücken, die den Schwerlastverkehr nicht mehr aushalten. Schienen, die mit Güterzügen überlastet sind. Straßen, die durch Flickschusterei an Substanz verlieren. Kurz: Die Infrastruktur für den Verkehr ist marode und benötigt dringend einen Schub von Investitionen. In Bremen wird es am 25. März eine Konferenz zu dem Thema geben, maßgeblich vorbereitet von der Bremer Straßenbahn AG (BSAG).

Der Winter war nicht mild, nein, er war gar nicht da, und das ist ein Glück, jedenfalls für die Straßenbauer. Es gibt nicht so viele Schlaglöcher, die geflickt werden müssen. Eine Investition, die in den vergangenen Jahren den Bremer Haushalt stärker strapaziert hat als vorherzusehen war. Der Bau- und Verkehrssenator musste etliche Millionen zusätzlich aufbringen und schiebt trotzdem einen riesigen Reparaturbedarf vor sich her.

Ein Beispiel, wie die Infrastruktur langsam an Substanz verliert. Alarmierend, meinen die Planer. In Bremen wird es dazu am 25. März eine groß angelegte Konferenz geben – Auftakt einer Serie von Veranstaltungen in der gesamten Republik.

„Wenn wir nicht bald etwas tun, bekommen wir riesige Probleme“, sagt Wilfried Eisenberg. Der BSAG-Chef sitzt im Präsidium des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen und hat sich dort dafür eingesetzt, dass die erste der Regionalkonferenzen zur Situation der Verkehrsinfrastruktur in Deutschland in Bremen stattfindet. Eisenberg will nach eigenen Worten den Fokus verrücken: „Die Bürger regen sich über Schlaglöcher auf, sicherlich zu Recht, ihnen ist aber noch nicht klar, wo die eigentlichen Probleme liegen.“

In Bremen sei das zum Beispiel der exorbitante Anstieg des Güterverkehrs auf der Schiene. Ohnehin schon auf hohem Niveau, wird er einem neuen Gutachten zufolge in den nächsten 20 Jahren noch einmal um zwei Drittel zunehmen. Der Schienenverkehr insgesamt um rund 40 Prozent. Die Zahl der Züge, die mitten durch Bremen fahren, steigt demnach von 270 000 auf 380 000. „Der Bremer Knoten muss unbedingt ausgebaut werden“, fordert Eisenberg, „wir brauchen separate Gleise für den Güterverkehr.“

Nachholbedarf allenthalben. Eine Kommission des Bundesverkehrsministers hat ausgerechnet, dass in Deutschland jährlich 7,2 Milliarden Euro benötigt werden, um die Verkehrsinfrastruktur in Schuss zu halten und sie dort, wo es nötig ist, auch auszubauen. Die Große Koalition in Berlin hat reagiert und für die nächsten vier Jahre zusätzlich fünf Milliarden Euro zur Verfügung gestellt. „Die machen was, aber nur halbherzig“, sagt Eisenberg.

Wie sehr es der sprichwörtliche Tropfen auf dem heißen Stein ist, zeigt ein Beispiel nicht aus Bremen, sondern aus Brunsbüttel. Dort ist das Tor zum Nord-Ostsee-Kanal, der nach jahrelangem Verfall dringend saniert werden muss. Kosten: Rund 1,5 Milliarden Euro. Ein Batzen, der zwangsläufig zulasten anderer Projekte geht.

Ein anderer Fall ist die Deutsche Bahn. Allein beim Schienennetz gibt es nach Angaben von Bahnchef Rüdiger Grube bei den Reparaturen einen Rückstau von gut 30 Milliarden Euro. Dazu die Brücken: „Wir haben 25 000 Eisenbahnbrücken. Davon sind 9000 älter als hundert Jahre, und bei 1400 besteht dringender Sanierungsbedarf“, sagte Grube in einem Interview mit der „Welt am Sonntag“.

In Bremen werden zurzeit die Straßenbrücken auf Schäden überprüft, genauer: sie werden nachgerechnet. Maßgabe sind Kriterien des Bundes. Er wird aktiv, weil die Brücken mittlerweile weit mehr aushalten müssen, insbesondere durch den Schwerlastverkehr, als bei ihrem Bau angenommen wurde. Von den insgesamt 780 Brücken in Bremen sind 70 so groß und wichtig, dass sie in das Prüfprogramm aufgenommen wurden. Unter zehn dieser Bauwerke haben die Prüfer bereits einen Haken gemacht. Ergebnis: Fünf müssen saniert werden.

Ein Beispiel: Auf der Weserbrücke der A 1 sind heute nach Zahlen des Verkehrssenators pro Tag durchschnittlich 110 000 Autos unterwegs, darunter gut 18 000 Lastwagen. Gegenüber dem Jahr 1990 bedeutet das eine Steigerung im Gesamtverkehr um 17,4 Prozent und beim Lkw-Verkehr um 28,6 Prozent. Die Folgen bei den Lastwagen sind immens: Jeder voll beladene 40-Tonner belastet die Infrastruktur 60 000-mal stärker als ein Pkw.

Abseits davon haben Wilfried Eisenberg und seine BSAG ihre eigenen Herausforderungen. Sie planen oder realisieren den Ausbau des Straßenbahnnetzes, wollen die 210 Fahrzeuge starke Busflotte auf Elektroantrieb umstellen und müssen zwei Drittel ihrer 120 Straßenbahnen aus Altersgründen liften lassen oder gegen Neufahrzeuge austauschen. Allein der letzte Posten wird mit einer Investition von bis zu 200 Millionen Euro veranschlagt.

„Das ist auch etwas, wofür es Zuschüsse geben könnte“, hofft Eisenberg. Geld vom Bund, meint er, die Regelungen dafür laufen allerdings nur noch fünf Jahre. Für die Zeit danach ist noch alles offen. Eisenbergs Verband macht deshalb Druck und will mit den Ergebnissen der Regionalkonferenzen im Herbst nach Berlin ziehen. Vorher wird diskutiert, mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft, Verwaltung und Verbänden, genauso aber auch mit interessierten Bürgern, die zu den Konferenzen eingeladen sind. In Bremen geht das los, am 25. März.

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