Eklat bei der Partei-Versammlung Sascha Aulepp soll die SPD führen

Sascha Karolin Aulepp soll Landesvorsitzende der SPD werden. So will es die Mehrheit der Parteimitglieder. Dennoch kündigte ein SPD-Mitglied an, beim Parteitag gegen sie antreten zu wollen.
17.04.2016, 00:00
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Sascha Aulepp soll die SPD führen
Von Antje Stürmann

Sascha Karolin Aulepp soll Landesvorsitzende der SPD werden. So will es die Mehrheit der Parteimitglieder. Dennoch kündigte ein SPD-Mitglied an, beim Parteitag gegen sie antreten zu wollen.

Sascha Karolin Aulepp soll Landesvorsitzende der SPD werden. So will es die Mehrheit der Parteimitglieder: Die Jugendrichterin vereinigte 65,18 Prozent (1327) der 2048 gültigen Stimmen auf ihre Person. Nicht einmal halb so viele Sozialdemokraten votierten für Mustafa Güngör. Insgesamt hatten sich 55,1 Prozent der knapp 4300 Wahlberechtigten an der Briefwahl beteiligt – 20 Prozent hätten es mindestens sein müssen. 313 Wahlzettel waren unvollständig, 12 nicht gültig. 118 Sozialdemokraten enthielten sich. Das teilte am Sonnabend Landesgeschäftsführer Roland Pahl im Veranstaltungszentrum „Kwadrat“ mit. Für einen Eklat am Rande der Veranstaltung sorgte der Ex-Chef des Schiffbauunternehmens Bremer Vulkan, Friedrich Hennemann, mit seinem unerwünschten Redebeitrag.

Der Zwischenfall war dem Podium sichtlich unangenehm. „Nur Sascha Aulepp und Mustafa Güngör haben das Recht hier zu sprechen“, wies Pahl Hennemann zurecht. Doch der ließ sich nicht unterbrechen. Er wolle Aulepp gratulieren, sagte er, kündigte jedoch im gleichen Atemzug an, während des Landesparteitags am 30. April direkt kandidieren und damit gegen Aulepp antreten zu wollen.

Dazu müsste Hennemann jedoch die Unterschriften von 20 Delegierten vorlegen, die ihn unterstützen. Hennemann, der im Nominierungsverfahren keine der geforderten Voraussetzungen erfüllt hatte, kritisierte den SPD-Landesvorstand als unfähig und pressefeindlich. Er sagte: „Ich wünsche mir ein demokratisches Verfahren.“ Mit betretenen Gesichtsausdrücken folgten Sascha Aulepp und Mustafa Güngör dem Wortgefecht. Pahl beendete das Intermezzo: „Ich denke, wir haben ein klares Ergebnis und eine designierte Landesvorsitzende.“

Sascha Aulepp feierte ihren Triumph mit einem strahlenden Lächeln. „Ich bin froh, dass es ein so klares Ergebnis ist und sich so viele Mitglieder an der Wahl beteiligt haben“, sagte sie. „Ich weiß, man setzt großes Vertrauen in mich und überträgt mir große Verantwortung.“ Dies sehe sie als Auftrag, „die großen Aufgaben in Bremen miteinander anzugehen, zu diskutieren, zu streiten und miteinander zu handeln“. Sie betonte einmal mehr, Kindern und Jugendlichen bessere Chancen einräumen und den sozialen Zusammenhalt fördern zu wollen.

Große Ziele durch knappen Haushalt begrenzt

Die Integration aller Bürger in Bremen und Bremerhaven hinzubekommen, „egal, wie lange sie hier leben und in welchem Stadtteil“ – das sei ihr Anliegen. Dazu wolle sie Positionen entwickeln und die Politik im Land beeinflussen. Ob es nicht konkreter ginge, fragte ein Zuhörer. Aulepps Antwort: „Wir stehen im Moment vor der Herausforderung einen ausgeglichenen Haushalt aufzustellen.“ Die SPD müsse darauf achten, dass sich in dem Zahlenwerk ihre Schwerpunkte wiederfinden. „Unsere Politik sollte in den Stadtteilen ankommen, das Leben dort besser werden“, so die Beisitzerin im Landesvorstand. Dafür müsse die SPD-Spitze den roten Faden vorgeben.

„Es gibt Schlimmeres als einen hohen Schuldenstand“, sagte Aulepp dann aber auf die Frage, ob es in Bremen überhaupt noch Gestaltungsspielraum gebe. „Jetzt müssen Ausgaben getätigt werden, wo es nötig ist“, die Infrastruktur sei kaputtgespart worden. Hole man den Bund ins Boot, gebe es genügend Gestaltungsspielraum.

Eine ihrer schwierigsten Aufgaben wird sein, die Landes-SPD aus ihrer Krise herauszumanövrieren. „Wir müssen deutlich machen, dass wir die Probleme in den Stadtteilen sehen und angehen“, rät Aulepp. „Wir müssen mit den Menschen auch jenseits des Wahlkampfs ins Gespräch kommen und deutlich machen, wofür die SPD steht – und handeln.“ Veränderungen plane sie nicht. In Sachen AfD wurde Aulepp deutlich: Die SPD werde klar machen, dass die AfD „gegen Werte antritt, die für uns als Sozialdemokraten entscheidend und nicht verhandelbar sind“. Sie sehe keine Gesprächsmöglichkeiten.

Güngör: "Mit dem Ergebnis kann ich leben."

Güngör, der nur 29,02 Prozent der Stimmen erhalten hatte, gratulierte Aulepp zu ihrem eindeutigen Sieg. Das sei ein guter Rückhalt für die Arbeit an der Basis: die Reihen zu schließen, nach vorn zu blicken und anzupacken. Warum er das Duell verloren hat, konnte er nicht sagen. „Ich habe ein Ergebnis erreicht, mit dem ich leben kann“, sagte Güngör.

Mit dem Wahlergebnis zufrieden ist die Vize-Landesvorsitzende, Sarah Ryglewski. Sie habe sich beide Kandidaten gut in dem zeitaufwendigen Ehrenamt des Vorsitzenden vorstellen können. Vorstandsmitglied Arno Gottschalk lobte, Aulepp sei eine Kandidatin mit klarem Profil. Die neue Vorsitzende müsse sich nicht nur um die Partei kümmern, sondern auch aufzeigen, wie die sozialen Herausforderungen und die Integration der Geflüchteten zu bewältigen sei. Sie müsse Orientierung geben und neue Plattformen für Diskussionen anbieten. Aulepp sei gut in der Lage, Lösungen zu suchen. „Das brauchen wir in Bremen und in der SPD. Es gibt viel zu tun.“ Der Landesvorstand wird Sascha Aulepp auf dem Parteitag Ende April für das Amt der Vorsitzenden vorschlagen. Ihre Wahl gilt als sicher.

Dieter Reinken hatte ohne Angabe von Gründen nicht wieder kandidiert. Der Vorsitzende ließ sich am Sonnabend entschuldigen, er feiere den 90. Geburtstag eines Familienmitglieds, so Pahl.

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