Bremen Saubere Stadt durch Überwacher

Bremen. Das kann teuer werden: Wer seinen Müll einfach an der Straße abstellt oder die Zigarettenkippe wegwirft, muss mit einem Bußgeld rechnen. Zumindest dann, wenn man von einem Umweltüberwacher erwischt wird.
11.03.2013, 05:00
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Saubere Stadt durch Überwacher
Von Sabine Doll

Bremen. Das kann teuer werden: Wer seinen Müll einfach an der Straße abstellt oder die Zigarettenkippe wegwirft, muss mit einem Bußgeld rechnen. Zumindest dann, wenn man von einem Umweltüberwacher erwischt wird.

Der Morgen ist kalt. Uwe Möller und Martina Schmitt (Namen geändert) hätten auch gerne einen Kaffee zum Aufwärmen. "Das da würden wir aber nie machen", sagt Möller und zeigt in Richtung Ansgarikirchhof. Ein Mann hat gerade seinen Kaffeebecher fallen lassen und noch einmal beherzt dagegen getreten. Ein Fall für das Duo mit den blauen Uniformen und dem Bremen-Wappen auf den Ärmeln. Schnurstracks machen sie sich auf den Weg zum Tatort.

Uwe Möller und Martina Schmitt sind Umweltüberwacher. Sie patrouillieren durch Bremens Straßen und haben Menschen im Visier, die es nicht besonders ernst nehmen mit der Müllentsorgung: die ihren Abfall einfach an den Straßenrand stellen, Sperrmüll nicht anmelden, Kaugummi ausspucken, Zigarettenkippen wegwerfen, das Geschäft ihres Hundes nicht entfernen und auch jene, die eine Häuserwand der Toilette vorziehen. Neben einer Ermahnung müssen sie auch mit einer Anzeige und einem Bußgeld rechnen, wenn sie erwischt werden. "Immerhin handelt es sich dabei um eine Ordnungswidrigkeit", sagt Möller und zeigt einen Auszug des Bußgeldkataloges, der auf ein rotes Kärtchen gedruckt ist. Auf der Rückseite steht: "Schluss mit schmutzig". "Das kann richtig teuer werden", sagt Möller. "Zu dem Bußgeld kommt nämlich noch eine Verwaltungsgebühr von über 20 Euro."

Der Mann auf dem Ansgarikirchhof entpuppt sich nicht als bösartiger Müllsünder. Vielmehr ist er daran gescheitert, Stadtplan, Autoschlüssel und Kaffeebecher unter Kontrolle zu bringen. Den Kaffee hat er sich über die Hose geschüttet und den Becher büßen lassen. "Da drücken wir ein Auge zu", sagt Möller. "Wir haben einen Ermessensspielraum, das muss alles verhältnismäßig bleiben. Es kann nicht darum gehen, bei jeder Kleinigkeit einen Strafzettel zu verpassen." Anders sieht es aus, wenn die beiden Umweltüberwacher feststellen, dass jemand mit Vorsatz handelt und seinen Müll bewusst dort entsorgt, wo er nicht hingehört.

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Möller und Schmitt gehören zur Leitstelle "Saubere Stadt" bei der Umweltbehörde. 2007 ist das Projekt gestartet, um die illegale Müllentsorgung in der Stadt zu bekämpfen. Nach einer ersten Testphase hat es sich etabliert, allerdings sind heute statt vier nur noch drei Umweltüberwacher unterwegs. Erweitert hat sich dafür das Tätigkeitsfeld der Außendienstler. "Wir fahren auch in die Stadtteile", sagt Martina Schmitt. Neben den Spontan-Einsätzen auf der Straße reagieren sie zudem auf Beschwerden von Bürgern.

An der Martinistraße, Ecke Pieperstraße wartet der nächste Einsatz. Mülltonnen und Abfallsäcke versperren den Radweg. "Die Müllabfuhr war gestern da, also hätten sie längst reingeholt werden müssen", sagt Möller. Er notiert sich den Code der Tonnen, lässt die Besitzer überprüfen und macht sich mit seiner Kollegin auf den Weg zu der passenden Hausnummer. Da niemand auf das Klingeln reagiert, werden die Bewohner in einigen Tagen eine schriftliche Ermahnung bekommen. Das Tonnen-Problem kommt laut Möller besonders häufig vor. "Viele Leute lassen die Mülltonnen einfach draußen stehen, egal, ob sie damit den Gehweg blockieren und eine Gefahrensituation schaffen", erklärt er.

Die Reaktionen der Müllsünder, wenn sie erwischt werden, sind laut Möller ganz unterschiedlich: "Von unangenehm berührt, verständnisvoll bis unverschämt und aggressiv kann alles dabei sein", sagt er. "Gewalttätig ist bislang aber niemand geworden. Es kommt auch immer darauf an, wie man selbst vorgeht." Die Müll-Schwerpunkte in der Innenstadt sind nach Erfahrung der beiden Umweltüberwacher der Hauptbahnhof, Osterdeich und Werdersee. "Vor allem dann, wenn das Wetter gut ist und die Grillsaison begonnen hat", erzählt Martina Schmitt. Zuständig sind sie und ihre Kollegen auch für die Einhaltung des Räumdienstes im Winter, wenn Schnee und Eis Einfahrten und Bürgersteige bedecken. "Da klingeln wir dann und weisen die Bewohner darauf hin", sagt ihr Kollege. Ebenso gehört dazu, übergelaufene öffentliche Mülleimer zu melden und auch Anregungen zu geben, wo zu wenige sind.

"Es geht bei unserer Arbeit nicht darum, Leute zu schikanieren oder Sheriff zu spielen", sagt Möller. "Es geht um Geld. Das Entfernen von Kaugummis, Graffiti und das Entsorgen wilder Müllkippen ist aufwendig und verursacht erhebliche Kosten für die Stadt." Letztlich seien dies auch Steuergelder, die dafür ausgegeben werden müssten. "Insofern hat unsere Arbeit einen großen erzieherischen Anteil, dem wir gerne nachkommen", sagt Möller.

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