Umweltschützer sammeln Müll

Saubermachen am See

Den meisten Kohlfahrt-Gruppen geht es ums Trinken, Spielen und Spaß mit Freunden. Die Umweltschützer vom BUND haben nun eine Kohltour organisiert, bei der es galt, die Ufer des Werdersees aufzuräumen.
17.02.2018, 19:04
Lesedauer: 2 Min
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Saubermachen am See
Von Sara Sundermann
Saubermachen am See

Schrottfund am Rand des Werdersees: Gwen Nitz (Mitte) hat die Reste eines alten Fahrrads aus der Uferböschung gezogen. Die Kinder fischen den dazugehörigen Sattel aus dem nassen Gras.

Frank Thomas Koch

Kohlfahrten haben Hochsaison: Mehr als ein Dutzend Gruppen mit Bollerwagen und Schnapsgläsern konnte man am Sonnabend rund um den Werdersee zählen. Dick eingepackte Kleingruppen mit Krone im Gepäck. Riesige Gruppen in Partystimmung mit Profi-Equipment fürs Trinken, bei denen die Schnapsflaschen kopfüber am gepimpten Bollerwagen befestigt sind. Schlagerfans mit Luftballons am Wagen und solche, die zu entspanntem Deutsch-Rap am See entlangschlendern. Und auf der Fußgängerbrücke zur Werderinsel macht eine Riesengruppe mit Lautsprecher eine La-Ola-Welle – organisiert hat die Tour die Interventionistische Linke.

Irgendwo dazwischen ist die Truppe der Müllsammler unterwegs. Der Umweltschutzverband BUND Bremen hatte zum zweiten Mal zu einer etwas anderen Kohlfahrt aufgerufen, zu einer Tour mit klarem Ziel: Saubermachen am See. Zwei Dutzend Frauen, Männer und Kinder sind deshalb jetzt am Werdersee unterwegs, um die Wiesen im Zentrum der Stadt von Kippen, Kronkorken und Plastik zu befreien.

BUND: Kohltour mal anders - mit Müllsammeln .... und die klasssische Tour

Müllsammler und klassische Kohltour-Gruppen begegnen sich am See.

Foto: Frank Thomas Koch

Wer mehr Müll sammelt, gewinnt

In ihrem Bollerwagen sind neben Bier, Limo und Kinderpunsch auch Müllgreifer, blaue Säcke und Handschuhe zu finden. Hochprozentiges gibt es hier nicht, schließlich sind auch Kinder dabei, erklären die Umweltschützer. Und das gemeinsame Kohlessen nach der Tour kommt ohne Fleisch aus: Statt Kassler und Mettenden gibt es vegane Wurst aus Weizengrütze zum Kohl.

Die ehrenamtlichen Saubermacher teilen sich in zwei Teams auf: Wer mehr Müll sammelt, gewinnt. 40 große Müllsäcke voller Abfall haben sie im vergangenen Jahr am See gesammelt. Gleich zu Anfang gibt es auch heute einen großen Fund, der ein Team zunächst klar in Führung bringt: Die 21-jährige Gwenn Nitz entdeckt ein Fahrradgerippe in der Uferböschung und zieht es heraus. Die Kinder fischen noch den passenden Sattel dazu aus dem Gras. Das Fahrrad ist zu schwer, um es mitzunehmen, die Umweltschützer melden den Fund der Stadt über eine App (siehe Infobox).

BUND: Kohltour mal anders - mit Müllsammeln

Auch kleine Müllfunde zählen: Die Umweltschützer schwärmen aus.

Foto: Frank Thomas Koch

Bremen trägt Teilschuld

Zur Kohlfahrt-Saison steige das Müllaufkommen in der Weser spürbar an, sagt Dorothea Seeger vom BUND-Meeresschutzbüro. Auf der kleinen unbewohnten Insel am Lankenauer Höft in Woltmershausen sei dies durch Messungen von BUND-Mitarbeitern nachgewiesen worden. Für eine Untersuchung wurde der dort angeschwemmte Müll dokumentiert. Auch Bremen trägt zur Vermüllung der Meere bei, sagt Seeger: „Der Wind hier bei uns trägt Müll leicht ins Wasser, über die Weser gelangt er dann ins Meer.“ Etwa die Hälfte des Mülls in der Deutschen Bucht der Nordsee werde nicht von Menschen an Land verursacht, schätzt sie. Darauf, dass es in Deutschland schon mehr Bewusstsein für Mülltrennung und Müllvermeidung gebe als in manchem anderen Land, solle man sich nicht ausruhen, sagt Seeger: „Da ist noch viel Luft nach oben.“

Was die Truppe motiviert, diesen sonnigen Sonnabend freiwillig mit der Suche nach Kippen im Matsch zu verbringen? „Bisschen saubermachen, bisschen helfen, was für die Natur tun“, sagt die 63-jährige Eva Dahm, die nicht weit vom Werdersee in der Neustadt wohnt. „Beim Deichschart sieht man manchmal viel Müll.“ Und für die 17-jährige Anna Hoormann ist die Tour mit den Umweltschützern ihre allererste Kohlfahrt.

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