Urteil könnte heute fallen

Richter könnten Sauna-Verbot in Bremen kippen

Sauna-Betreiber in Bremen haben genug von der restriktiven Politik des Senats: Sie zogen gegen die Corona-Verordnung vor das Oberverwaltungsgericht. An diesem Freitag wird das Urteil erwartet.
31.07.2020, 05:00
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Richter könnten Sauna-Verbot in Bremen kippen
Von Joerg Helge Wagner
Richter könnten Sauna-Verbot in Bremen kippen

Das darf man im Fitness-Park-Studio in Horn immer noch nicht, in der Filiale in Brinkum aber schon seit gut fünf Wochen: gepflegt in der Sauna Schwitzen.

Fitness-Park-Studio

Die andauernde Schließung der Sauna-Betriebe im Land Bremen beschäftigt mittlerweile das Oberverwaltungsgericht (OVG). An diesem Freitag wird mit einem Urteil gerechnet. Gegen das Öffnungsverbot in den Corona-Verordnungen des Senats hatten drei Betreiber geklagt: die Sportstudio-Ketten Fitness Park und ULC sowie die Sport Lounge Munte.

Rund 400 Arbeitsplätze allein bei diesen drei Unternehmen sind durch die restriktive Politik des Senats gefährdet, sagt Karim Sandtmann. Er ist Geschäftsführer von drei Fitness-Park-Studios in Bremen und einem weiteren in Brinkum. Dort darf die Sauna seit Wochen angeheizt werden – wie auch in allen anderen Bundesländern mit Ausnahme Hamburgs (siehe Kasten). Und nirgendwo hat es bislang einen Infektionsfall in einem Sauna- oder Wellnessbereich gegeben.

Verbot gilt noch den kompletten August

Das Gesundheitsressort verteidigt das Öffnungsverbot für Saunabetriebe bislang mit der Gefährdung durch Aerosole, die das Coronavirus vor allem in geschlossenen Räumen übertragen. Man habe „nach Abwägung der bekannten virologischen Gefahren – etwa Aerosolbildung – entschieden, die Saunen weiterhin geschlossen zu halten“. So heißt es auch in der mittlerweile zwölften Corona-Verordnung vom 21. Juli unverändert: Shisha-Bars, Clubs, Diskotheken, Festhallen, Amüsierbetriebe und ähnliche Vergnügungsstätten, Prostitutionsstätten und Prostitutionsfahrzeuge, Swingerclubs, Saunen und Saunaclubs „dürfen nicht für den Publikumsverkehr geöffnet werden“. Und das gilt noch für den kompletten August – sofern das OVG den Passus jetzt nicht kassiert.

Wellness-Unternehmer Sandtmann findet es angesichts der schnell wechselnden Erkenntnisse über das Virus „merkwürdig, dass man solche Vorschriften so lange festschreibt“. Sinnvoller sei es doch, deren Sinn wöchentlich zu überprüfen. Was die Gefährdung durch Aerosole betrifft, verweist er auf die „vertikale Entlüftung“, die in jeder Sauna zwangsläufig stattfindet: „Als Schutzraum vor dem Corona-Virus ist für mich eine Sauna-Kabine die erste Wahl.“

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Viele Sauna-Betreiber verweisen zudem auf ein Gutachten des Mediziners Karl-Ludwig Resch vom Deutschen Institut für Gesundheitsforschung in Bad Elster. Resch wiederum bezieht sich vor allem auf zwei internationale Untersuchungen vom April und Juni dieses Jahres: Danach sind mehr als 99 Prozent der Sars-CoV-2-Viren schon nach fünf Minuten bei 56 Grad Raumtemperatur nicht mehr infektiös, nach fünf Minuten bei 70 Grad „waren keine infektiösen Viren mehr nachweisbar“. In diese Kerbe schlägt auch Sandtmann: „Den Mundschutz soll man bei 70 Grad auswaschen, aber das Sauna-Vergnügen fängt da doch erst frühestens an.“

Und auch zum Thema Aerosole in Bäderanlagen hatte sich Resch schon Ende Mai geäußert: Schon ein einigermaßen gleichmäßiger Luftstrom von wenigen Zentimeter pro Sekunde reiche aus, um ein ausgeatmetes infektiöses Aerosol eines Gastes in wenigen Sekunden aus dem Atembereich der übrigen Gäste zu entfernen. "Da gerade in Hallenbädern, Thermen und öffentlichen Saunen in so gut wie allen Funktionsbereichen von einer hohen Aerosolentwicklung auszugehen ist, sind entsprechend geeignete haustechnische Systeme dort eigentlich überall vorhanden – ein Vorteil, der diese Einrichtungen in Bezug auf das Ansteckungsrisiko mit Sars-CoV-2 über Aerosole besonders sicher macht“, befand der Facharzt für Rehabilitative Medizin.

„Stimmung am Tiefpunkt“

Jenseits der medizinischen Argumente gibt es natürlich den wirtschaftlichen und sozialen Aspekt. Durch die Fortschreibung des Öffnungsverbots „ist die Stimmungslage hier bei uns, wie auch bei den anderen Saunabetreibern in Bremen am Tiefpunkt“, klagt Sandtmanns Branchen-Kollege Helmuth Gaber von der Oase im Weserpark. Mit Blick auf die Sauna- und Badetempel im Umland meint er: „Faktisch wird hier Wirtschaftsförderung für Niedersachsen betrieben, vom Bremer Rathaus aus und zulasten Bremer Unternehmen.“

Sandtmann findet schon die bisherige Öffnungspolitik des Senats gegenüber Fitnessstudios und Wellness-Betrieben „halbherzig“. Im Gegensatz zu vielen anderen Betreibern habe sein Unternehmen Beiträge nur bei jenen der rund 15.000 Club-Mitglieder abgebucht, die auch tatsächlich kommen. „Aber viele kamen nicht, weil Umkleiden und Duschen ja noch lange dicht bleiben mussten.“ Dafür sei regelmäßig das Gewerbeaufsichtsamt in den Studios erschienen: „Von denen bekamen wir dann aber immer eine Eins mit Sternchen.“ Und doch bleibt der Dialog mit den Behörden offenbar schwierig. Wie zuvor schon Gaber findet Sandtmann die Einordnung der Sauna-Betriebe zwischen Shisha-Bars und Bordellen höchst unpassend, eigentlich schon beleidigend. Per Mail an die Senatskanzlei schilderte der gelernte Betriebswirt in der vorigen Woche seine Nöte. In einer sehr unverbindlichen Antwort habe man ihm lediglich mitgeteilt, dass sein Schreiben weitergeleitet wurde.

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Öffentliche Sauna-Anlagen dürfen in 14 von 16 Bundesländern wieder betrieben werden, zum Teil schon seit etlichen Wochen. Den Vorreiter machte Sachsen-Anhalt am 28. Mai.

Es folgten nacheinander

Sachsen (6. Juni)

Schleswig-Holstein (8. Juni)

Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz (10. Juni)

Brandenburg und Thüringen (13. Juni)

Bayern, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen, Saarland (15. Juni)

Niedersachsen (22. Juni)

Berlin (25. Juli, vorerst aber nur Trockensaunen ohne Aufguß).

Prozessiert haben vor allem Betreiber in Bayern und Berlin. In Bayern gilt ein Eilbeschluss des Verwaltungsgerichts Regensburg vom 12. Juni als Türöffner. Er galt zunächst ausdrücklich nur für ein einzelnes Hotel im Bayerischen Wald, doch nur drei Tage später hob die Landesregierung das generelle Verbot auf.

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