Konkurrenz in Niedersachsen hat geöffnet

Noch bleibt der Sauna-Ofen aus

Die Betreiber Bremer Wellness-Oasen bangen um ihre Existenz: Das Sauna-Verbot in Bremen erschwert das Geschäft und stärkt die Konkurrenz im Umland. Nur noch Hamburg ist ebenso restriktiv.
22.07.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Noch bleibt der Sauna-Ofen aus
Von Joerg Helge Wagner

Was in Delmenhorst, Oldenburg oder Ganderkesee seit einem Monat wieder möglich ist, bleibt in Bremen verboten: ordentlich Schwitzen in einer öffentlichen Sauna. Für die ohnehin gebeutelten Betreiber von Bade- und Wellness-Einrichtungen verschärft sich die Lage dadurch noch einmal dramatisch: In der Oase im Weserpark oder im Badehaus am Bahnhof bleiben die Gäste weg und wandern zur Konkurrenz im niedersächsischen Umland ab.

So restriktiv wie in Bremen werden Sauna-Betriebe nur noch in Hamburg behandelt. Denn zum kommenden Wochenende dürfen selbst in Berlin – wo bislang die längste Verbotsfrist galt – zumindest die Öfen von „Trockensaunen“ wieder angeheizt werden. Aufgüsse bleiben dort jedoch verboten, ebenso sind Dampfbäder weiter geschlossen zu halten. Das gab die Bürgermeisterin und Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) am Dienstagnachmittag bekannt.

Betreiber fordern Klarheit

In 13 von 16 Bundesländern darf ohnehin längst wieder öffentlich geschwitzt werden: Sachsen-Anhalt hob das Verbot schon am 28. Mai auf, nach dem ersten Juni-Wochenende folgten Sachsen, Schleswig-Holstein, Rheinland-Pfalz und andere. Als Niedersachsen am 22. Juni die öffentlichen Sauna-Gänge wieder ermöglichte, hofften auch die Bremer Betreiber – vergebens. Helmuth Gaber, seit fast 20 Jahren Geschäftsführer der Oase im Weserpark, will nun endlich Klarheit, was er seinen aktuell 78 Mitarbeitern für die Zeit nach dem 31. Juli sagen soll. Dann läuft Bremens elfte Coronaverordnung aus. Die verfügt in Paragraf 4, dass Saunen und Saunaclubs nicht für den Publikumsverkehr geöffnet werden dürfen – wie auch Shisha-Bars, „Amüsierbetriebe“ und Bordelle. Ein Umfeld, das Gaber nicht angemessen findet: Er sieht seinen Betrieb vor allem als Gesundheitsdienstleister.

Der hauseigene Fitness-Club richtet sich eher an ein Ü-50-Publikum, das auf Yoga-Kurse oder Wassergymnastik im Innen- und Außenpool wert legt. Das immerhin ist seit Ende Mai wieder möglich. Aber auch für diese Klientel sei die Entspannung durch ein paar Sauna-Gänge der Hauptgrund zu kommen: „Die sagen mir jetzt: Die Oase ist gerade wie ein Omnibus ohne Sitze“, klagt Gaber. Vor allem aber fehlten die Tagesgäste, besonders die aus dem Umland. „Wir hatten im vorigen Jahr rund 260.000 Besucher, und von denen kamen rund 70.000 aus mehr als 50 Kilometer Entfernung“, weiß der Oase-Chef durch das personalisierte Kassen- und Buchungssystem. „Das heißt: Die Externen ermöglichen den Bremern erst den Betrieb, ohne die wären wir gar nicht profitabel.“

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Das aber muss die Oase sein, denn im Gegensatz zur niedersächsischen Konkurrenz ist sie ein rein privatwirtschaftlicher Betrieb ohne jede Subvention. GraftTherme, Sauna-Huus und OLantis sind hingegen städtische GmbHs „mit jährlich zuverlässig fließenden Betriebskostenzuschüssen in Millionenhöhe“, wie Gaber Ende Juni an die Senatskanzlei schrieb. Die leitete seine Mail an Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard (Linke) weiter, deren Büroleiterin dann Gaber antwortete: Gegen eine Sauna-Öffnung spreche „das Aerosol, das durch Feuchte, Wärme und fehlende Belüftung entsteht“.

Gaber möchte verstehen, warum „das Aerosol“ in Bremen ein Problem ist, wenn in 13 Bundesländern nach Wochen nicht ein einziger neuer Infektionsfall in einer Sauna aufgetreten ist: „Was für ein Wissen hütet das Gesundheitsressort?“ Der Deutsche Sauna-Bund geht immerhin von rund 16 Millionen regelmäßigen Besuchern in Deutschland aus. Behördensprecher Lukas Fuhrmann äußerte sich am Dienstag gegenüber dem WESER-KURIER dazu: „Bislang hat der Senat nach Abwägung der bekannten virologischen Gefahren – etwa Aerosolbildung – entschieden, die Saunen weiterhin geschlossen zu halten.“ Freilich können man Bremer, die in Niedersachsen saunen, nicht kontrollieren. Mit den Ressorts der anderen Länder stehe man zwar „fortlaufend im Austausch“, doch „wie die Entscheidungen in anderen Bundesländern zustande gekommen sind, kann von unserer Seite nicht gesagt werden“. Und auch nicht, was der Senat für die Zeit nach dem 31. Juli entscheidet.

Betreiber müssen auf Hygienemaßnahmen achten

In Niedersachsen herrscht allerdings auch keine Anarchie beim Schwitzen: Sauna-Betreiber müssen sicherstellen, dass die Besucher immer einen Mindestabstand von 1,5 Meter wahren können. Zudem sind Maßnahmen zur Hygiene und zur Steuerung des Zutritts zu treffen. Dazu hat der Deutsche Sauna-Bund den Landesregierungen auch Handlungsempfehlungen und ein Infektionsschutzkonzept angeboten. „Für uns beginnt eine Sauna ab 80 Grad Celsius“, sagt Sprecher Hans-Jürgen Gensow. Da Viren, die akute Atemwegserkrankungen verursachen, als hitzeempfindlich gelten, ist das nicht unwesentlich.

Gensow weist auch noch auf einen sozialen Aspekt hin: „In Deutschland gibt es mehr als 1,5 Millionen private Saunas. Die waren bislang – abgesehen von allgemeinen Regeln für private Treffen – gar nicht reglementiert. Das kann man schon als Privileg auffassen.“ Der Sauna-Bund vertritt rund 550 Betriebe bundesweit, in Bremen sind es zwölf und in Bremerhaven drei. Sie sind auch Freizeitangebote vor Ort für zahlreiche Menschen, die sich in diesem Sommer der Pandemie keinen Urlaub woanders leisten können oder wollen.

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