Bremer Jurist soll sich von unliebsamem Fund entledigt haben Schädelsuche in der Anwaltskanzlei

Bremen. Anwohner in der Neustadt mussten am Sonnabend den Lärm von Presslufthammern ertragen. Die Polizei sucht mit dem THW nach einem verbuddelten Schädel. Nicht irgendwo, sondern pikanterweise im Souterrain einer Bremer Anwaltskanzlei.
05.03.2010, 05:50
Lesedauer: 3 Min
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Von Rose Gerdts-Schiffler

Bremen. Anwohner in der Neustadt mussten am vergangenen Sonnabend bis in die frühen Abendstunden den Lärm von Presslufthammern ertragen. Die Polizei brauchten sie nicht zu rufen, denn die stand von Anfang an an der Baugrube und schaute zu. Gemeinsam mit Mitarbeitern des Technischen Hilfswerkes suchten die Beamten nach einem verbuddelten Schädel. Nicht irgendwo, sondern pikanterweise im Souterrain einer Bremer Anwaltskanzlei.

Die kuriose Geschichte sickerte durch, nachdem das Technische Hilfswerk (THW) am Wochenende stundenlang vor dem Eingang einer Kanzlei an einer vielbefahrenen Straße mit mehreren Fahrzeugen stand. Verwundert stellten Nachbarn fest, dass das THW nicht nur einen Kompressor und einen Gerätewagen dabei hatte, sondern auch noch einen eigenen Stromgenerator. Die Helfer in den Blaumännern sperrten den Bürgersteig samt Fahrradweg mit Flatterbändern ab. Im Laufe des Tages schleppten die Männer Eimer für Eimer mit Bauschutt aus dem Souterrain des Hauses.

Ortsamtsleiter Klaus-Peter Fischer, der zufällig mit seinem Rad an dem Haus vorbeikam, vermutete zunächst einen Gasunfall. Verwundert rieb er sich die Augen, als er vor dem Gebäude auf Polizisten und die Staatsanwaltschaft stieß. Gegenüber unserer Zeitung wollte sich der Ortsamtsleiter dazu nicht äußern und verwies an die Ermittler.

Ausgesprochen zugeknöpft gab sich auch Uwe Picard. Der Staatsanwalt war am Wochenende den gesamten Tag vor Ort. Auf Nachfragen bestätigte er: 'Wir gehen zurzeit Hinweisen nach, wonach bei früheren Bauarbeiten in dem Haus menschliche Überreste zutage gekommen sind. Diese Reste sollen sich immer noch unter dem Boden des Souterrains befinden.' Die jetzigen Nutzer des Hauses gelten nach den Worten von Picard als 'unverdächtig'. Weitere Angaben wollte der Staatsanwalt mit Hinweis auf die laufenden Ermittlungen nicht machen.

Nach Informationen unserer Zeitung war das Haus vor wenigen Jahren nach einem Wechsel der Bewohner und Nutzer aufwendig umgebaut worden. Dabei sollen Handwerker im Souterrain des Hauses auf einen menschlichen Schädel gestoßen sein. Ein Fund, der für einiges Ungemach sorgen kann. Auf jeden Fall ist aber ein Schädel unterm Fußboden die Garantie dafür, dass die Bauarbeiten sich noch etwas hinziehen können. Als die Handwerker ihren Fund dem Rechtsanwalt meldeten, soll dieser dementsprechend genervt abgewunken und sinngemäß angeordnet haben: 'Schädel wieder verbuddeln.'

Anonymer Hinweisgeber

Gesagt, getan. Der Schädel wanderte erneut in die Grube. Wem er einst gehörte, oder ob die Knochen auf einen ungeklärten Mordfall hinweisen, blieb damals ungeklärt. Doch vor Kurzem soll sich ein anonymer Hinweisgeber bei der Polizei gemeldet haben. Der Zeuge zeigte den dubiosen Schädelfund an. Die ersten Nachforschungen ergaben offenbar genügend Hinweise, sodass am Wochenende zeitweise fast 20 Frauen und Männer vor Ort waren. Darunter sollen auch Mitarbeiter der Tatortgruppe gewesen sein. Doch die Experten brauchten ihre Geräte nicht auszupacken. Der Schädel blieb vorerst verschwunden.

Als sicher gilt, dass das Haus im Krieg nicht zerstört wurde. Dies bestätigte ein älterer Anwohner auf Nachfrage unserer Zeitung. Somit scheidet wohl auch die Hypothese aus, dass es sich bei den menschlichen Überresten um ein Kriegsopfer handeln könnte. Der Anwalt, der vor einigen Jahren die Bauarbeiten schnell abschließen wollte, dürfte diesen Schritt vermutlich bereuen. Am Sonnabend konnten Zeugen von außen beobachten, dass das THW Teile der Kanzlei mit Folien abgeklebt hatte. Außerdem schleppten die Helfer Gerätschaften in die Nebenräume.

Staatsanwalt Uwe Picard bestätigte, dass die Suche weitergehen wird. Nach Informationen unserer Zeitung soll der Anwalt inzwischen eingeräumt haben, dass er von einem Schädelfund im Souterrain gehört habe. Gegenüber unserer Zeitung wollte sich der Mann zu der höchst eigenwilligen Entsorgung aber nicht äußern. Im Umfeld der Beteiligten staunt man über die scheinbare Kaltschnäuzigkeit des Mannes. 'Gerade von einem Juristen hätte man so etwas nicht erwartet.'

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