Mein erstes Mal

Schätze ans Licht bringen

Mit Pinsel, Spachtel und viel Geduld – Laura Blumenberg erzählt von ihrer Arbeit als Restauratorin
22.09.2019, 17:45
Lesedauer: 3 Min
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Schätze ans Licht bringen
Von Elena Matera

Bereits als Kind habe ich Kunst geliebt. Ich habe immer gerne und viel gemalt und gebastelt. Als es auf das Fachabitur zuging, habe ich einen Artikel über ein Mädchen gelesen, das ein Praktikum bei einem Restaurator gemacht hat. Sie erzählte von einem Auftrag in einem Schloss, von Wandmalereien und alten Räumen – alles ganz romantisch. Ich fand das damals unglaublich spannend. Irgendwie wusste ich da einfach, dass ich das auch unbedingt machen möchte. Der Artikel war aus einer Mädchenzeitschrift. Ich habe ihn bis heute aufbewahrt.

Mit 19 habe ich dann ein Praktikum bei dem Bremer Restaurator Siegfried Herrmann angefangen. Ich wollte es erst einmal ausprobieren und schauen, ob es mir gefällt. Daraus ist letztendlich ein zweijähriges Praktikum geworden, was damals die Voraussetzung für den Studiengang Restaurierung war. Herrmann hatte zu der Zeit auch Aufträge im Bremer St. Petri Dom, später einen Wartungsvertrag um Schäden im Wandbereich regelmäßig zu restaurieren. Denn die Wände bestehen nicht aus echten Steinen, sondern sind gemalte Sandsteinimitationen.

An ein ganz besonderes Projekt kann ich mich immer noch erinnern. Wir haben ein Gemälde auf Leinwand restauriert, das in einer Seitenkapelle des Doms hängt: das Jüngste Gericht aus dem Jahr 1698. Das ist ein riesiges Bild, sechs Meter hoch. Normalerweise transportiert man die Gemälde in die Werkstatt. Das war natürlich bei der Größe unmöglich. Wir haben damals mehrere Wochen lang an dem Ölgemälde gearbeitet. Das riesige Bild, der Dom, die Leute, die stehen blieben und uns neugierig zuschauten – das war alles total spannend für mich.

Klar hatte ich vor allem am Anfang auch Angst, etwas falsch zu machen oder Schaden an den alten Kunstwerken anzurichten. Aber sobald man sich in die Arbeit vertieft, vergisst man die Angst ganz schnell.

Nach dem Praktikum habe ich in Köln und Potsdam studiert. Seit vier Jahren lebe ich wieder in Bremen. Jetzt bin ich für den Dom zuständig und damit in die Fußstapfen von Siegfried Herrmann getreten, bei dem alles angefangen hat. Alle paar Monate gehe ich dann alleine durch den Dom und bessere hier und dort etwas aus: an den Wänden oder den Pfeilern.

Ansonsten bin ich selbstständige Restauratorin. Ich arbeite an Stuckdecken, mache Vergoldungen, restauriere Deckenmalereien. Das ist ganz vielfältig. Ich finde es spannend, an so vielen verschiedenen Orten arbeiten zu können und dabei immer neue Menschen zu treffen. Für die Arbeit als Restauratorin braucht man vor allem eine ruhige Hand und sehr viel Geduld. Vieles ist ganz filigran.

Ein ganz besonderes Erlebnis war, als ich 2015 die Kugel auf der Turmspitze der Unser Lieben Frauen Kirche zusammen mit Siegfried Herrmann vergolden konnte. Das war in über 80 Metern Höhe. Der Ausblick war der Wahnsinn. Wir haben versucht einen Oktobertag mit gutem Wetter zu erwischen, aber in der Höhe ist immer Wind – einiges an Gold ist weggeflogen. Die Arbeit ging zwar nur einen Tag lang, aber den werde ich trotzdem nicht so schnell vergessen.

Auch sonst gibt es immer wieder ganz besondere Schätze, an denen ich arbeite und die ich wieder ans Licht bringe. Das liebe ich an meiner Arbeit. Dieses Jahr habe ich drei Kassettendecken in einem Nebengebäude vom Hauptbahnhof restauriert. Die waren abgehängt. Maler haben nur durch Zufall die schönen Deckenmalereien entdeckt. Diese sind von 1844 und noch sehr gut erhalten. Den Malereien wieder zu ihrem früheren Erscheinungsbild zu verhelfen war einfach toll. Ich habe mich mit dem Projekt auch für den diesjährigen Denkmalpflegepreis beworben. Mal sehen, ob das klappt. Den Preis zu gewinnen, wäre auf jeden Fall ein Traum.

Aufgezeichnet von Elena Matera.

Info

Zur Person

Laura Blumenberg

hat ein Masterstudium im Fach Restaurierung abgeschlossen. Seit 2015 arbeitet die 34-Jährige als selbstständige Restauratorin für Wandmalereien und Steinobjekte im Ostertorviertel.

Blumenberg ist außerdem für die Restaurierung des Bremer St.Petri Doms zuständig. Mit dieser Aufgabe ist die gebürtige Bremerin in die Fußstapfen des Restaurators Siegfried Hermann getreten.

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