Vegesack

Schalenwild steht der Umzug bevor

Vegesack. Die Rehe auf dem Brunnengelände der swb müssen sich bald vom Acker machen. Für die zweite Monatshälfte ist eine Vertreibungsaktion geplant, die von der Polizei mit umfangreichen Verkehrssicherungsmaßnahmen begleitet werden soll.
06.01.2010, 16:53
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Schalenwild steht der Umzug bevor
Von Jürgen Theiner
Schalenwild steht der Umzug bevor

Ein Reh hinter dem Zaun des swb-Geländes, fotografiert im Sommer vergangenen Jahres. Ob das Leben auf der anderen Seite

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Vegesack. Die Rehe auf dem Brunnengelände der swb müssen sich bald vom Acker machen. Für die zweite Monatshälfte ist eine Vertreibungsaktion geplant, die von der Polizei mit umfangreichen Verkehrssicherungsmaßnahmen begleitet werden soll. Zielpunkt der 'Umsiedlung' ist die Niederung der Schönebecker Aue. Doch die Aktion könnte sich für die Tierschützer als Pyrrhussieg erweisen.

Die swb plagt sich seit dem Frühjahr 2009 mit ihren ungebetenen Gästen ab, die vor Jahren durch ein Loch im Zaun eingedrungen waren und sich danach fleißig vermehrt hatten. Das Versorgungsunternehmen erwirkte beim Stadtamt eine Abschussgenehmigung. Als das durch einen Bericht der NORDDEUTSCHEN bekannt wurde, erhob sich unter Tierschützern und Nachbarn des Brunnengeländes ein Sturm der Entrüstung. Er fegte Stadtamtsleiter Hans-Jörg Wilkens um die Ohren, als er sich im Juli 2009 bei einem Ortstermin ein Bild von der Situation verschaffen wollte.

swb und Stadtamt ruderten danach zurück und sannen gemeinsam mit Stadtjägermeister Harro Tempelmann über eine Lösung ohne Pulverdampf nach. Danach war eine Zeitlang im Gespräch, das Schalenwild durch den Einsatz von Duftmarken von dem 4 Hektar großen Areal zu vergraulen. Im Spätherbst stockte die swb zudem die bestehende Umzäunung auf und installierte eine neue entlang der Uhthoffstraße.

Bei einem weiteren Treffen der swb mit Vertretern von Behörden und Jägerschaft muss es Mitte Dezember einen Sinneswandel gegeben haben. Man will sich nun nicht mehr auf die zweifelhafte Wirkung der Duftmarken verlassen, sondern die aktuell gezählten 14 Rehe mit Treibern vom Gelände lotsen und den Tieren einen Weg Richtung Schönebecker Aue bahnen.

Ob ihnen dort das Schicksal gnädig ist, steht dahin. Nach Angaben des Jagdpächters für das Revier Lesum/St. Magnus/Grohn ist in der Aueniederung schon genug Schalenwild unterwegs. Der Jäger, der nicht namentlich in Erscheinung treten möchte, nannte gegenüber der NORDDEUTSCHEN eine Zahl von etwa 30 Rehen. Rechnet man die Tiere vom swb-Gelände hinzu, ergibt sich eine ziemlich üppige Population, die dann womöglich im Rahmen des normalen Waidwerks dezimiert werden müsste.

So sehen es zumindest Harro Tempelmann und der örtliche Jagdpächter, der die ganze öffentliche Diskussion der vergangenen Monate für irrational hält. 'In Deutschland werden jedes Jahr rund 1,5 Millionen Rehe geschossen, und um die paar auf dem swb-Gelände wird so ein Gewese gemacht', seufzt der Waidmann. Das Beste wäre es aus seiner Sicht gewesen, wenn man im vergangenen Sommer vor der Brunftzeit die drei oder vier Böcke auf dem swb-Grundstück abgeschossen und so die weitere Vermehrung des Schalenwildes gestoppt hätte.

Auch Stadtamtsleiter Wilkens würde die Akte gewiss gerne schließen. Doch er ist sich darüber im Klaren, dass das Problem auf Umwegen wieder in seiner Behörde landen könnte. Und zwar in Gestalt der Abschusspläne, die die Jäger im Frühjahr zur Genehmigung einreichen. Eine mögliche Überpopulation in der Schönebecker Aue könnte sich in diesen Zahlen niederschlagen. 'Das ist dann aber ganz normales Jagdrecht', macht Wilkens geltend und ergänzt: 'In der Aue haben die Tiere jedenfalls eine größere Überlebenschance als auf dem swb-Gelände.'

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