Mäßige Wurst am verschmierten Tisch

Scharfrichter in der Innenstadt

Teuflisch scharf soll es beim „Scharfrichter“ zugehen, das ist ein gehobener Imbiss für Würstchen und Pommes. Die Einrichtung ist ungewöhnlich. Die Qualität der Gerichte überzeugt jedoch nicht.
29.03.2015, 17:21
Lesedauer: 2 Min
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Von KARINA SKWIRBLIES
Scharfrichter in der Innenstadt

Mitarbeiterin Nadine Woitke mit dem Hauptgericht des Scharfrichters: Currywurst mit Pommes.

Frank Thomas Koch

Rot und schwarz sind die Farben des Teufels. Und teuflisch scharf soll es beim „Scharfrichter“ zugehen, das ist ein gehobener Imbiss (Lounge genannt) für Bratwürstchen und Pommes. Das Logo des Lokals ist originell: Eine Bratwurst mit Augen und einem Haarschopf aus Flammen blickt den Besucher finster an.

Überhaupt ist die Einrichtung ungewöhnlich. Hier dominiert nicht das übliche, nüchterne Imbiss-Weiß, vielmehr ist der Bereich hinter dem Tresen in Schwarz und Edelstahl gehalten. Der Gastraum ist mit hohen Tischen, Barhockern und langen Sitzbänken eingerichtet. Für Currywurst mit Pommes ist das ein sehr gediegener, angenehmer Rahmen. Wären da nicht zwei dauerplärrende Fernseher, die mit Musik-Clips unterhalten, mit der Werbung aber auch den letzten Nerv töten.

Zwei junge Frauen kümmern sich um die Gäste. Sie sind freundlich, aber unaufmerksam. Und darum geht meine Bestellung prompt schief. Die junge Dame erklärt mir das System vom Scharfrichter: Es gibt zehn verschiedene Schärfegrade für die Currywurst-Saucen. Wer möchte, kann es aber sogar noch schärfer bekommen: Schärfegrad 41 gibt es für einen Aufpreis von zwei Euro. Die Würste haben Namen wie Firestarter, Dr. Seltsam, Klabautermann oder Sudden Death. The Final Answer ist Schärfegrad 10.

Ich möchte mir so etwas erst einmal nicht zumuten und wende mich den Spezialitäten zu. Es gibt Würste mit Mango, mit Barbecue-Soße, mit Limetten-Jam und Chili (je 4 Euro) oder mit Wodka als Partisan-Wurst (5,60 Euro). Ich bestelle eine Bisonwurst mit Senf für 3,70 Euro. Am Preis von 2,70 Euro merke ich später, dass ich eine schlichte Bratwurst bekommen habe. Infolge der ganzen Erklärung der Speisekarte ist die Bestellung schief gelaufen.

Die Preise bewegen sich gerade so im Rahmen für dieses einfache Essen. Schon vor sechs Jahren war ein Kollege zum Test beim Scharfrichter. Damals waren die Würste etwa 50 Cent, die Getränke 30 Cent billiger. Das bedeutet eine üppige Preiserhöhung, die ich schon bei vielen Restaurants festgestellt habe. Die Preise fürs Essengehen haben in den vergangenen Jahren deutlich angezogen. Weit über der Inflationsrate, die seit 1994 nie über 2,6 Prozent lag.

Ich setze mich an einen dreckigen Tisch und warte auf das Bratwürstchen. Das Würstchen kommt, der Tisch bleibt dreckig. Wobei dreckig noch untertrieben ist, er ist völlig bekleckert und verschmiert. Dies scheint die Bedienung nicht weiter zu kümmern, denn als sie bei einem anderen Tisch das Geschirr abräumt, wischt sie auch diesen nicht ab.

Ich erhalte ausschließlich ein Bratwürstchen mit viel mildem Senf. Ein eher durchschnittliches Brötchen kommt auf Nachfrage. Die Wurst schmeckt nach Rindfleisch, ist von recht kräftigem Aroma, aber nicht besonders interessant gewürzt. Mit dem Brötchen zusammen geht das Ganze als akzeptabel durch, besonders lecker ist es aber nicht.

Bei einem zweiten Besuch im Scharfrichter wage ich mich an die Currywurst „Klabautermann“ mit dem Schärfegrad 4 mit Pommes (5,30 Euro). Die Pommes sind aus frischen Kartoffeln und schmecken gut. Mich stört allerdings die rote Gewürzmischung, die ihnen anhaftet. Die Currywurst hat einen eher langweiligen Geschmack. Wäre da nicht die scharfe Soße, wäre sie fad.

Die Soße, vor denen laut Speisekarte die Matrosen Angst haben, ist leicht scharf am Gaumen. Eine eher harmlose Schärfe, die schnell verfliegt. Vom Genussfaktor her ist das Ganze wenig spektakulär, so dass beim Verlassen des Lokals als Nachhall die Pommes mit ihrer Gewürzmischung dominieren.

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