Schüler schreiben Kriminalroman

Schatzsuche mit Bob dem Hamster

Vier Freunde und ein Hamster auf Schatzsuche – das ist Story eines Kriminalromans aus der Feder von Schülern der Oberschule In den Sandwehen. Sie beteiligen sich am Projekt " Bremer Schulhausroman".
01.03.2018, 18:04
Lesedauer: 4 Min
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Von Gabriela Keller
Schatzsuche mit Bob dem Hamster

Für alle Beteiligten eine neue Erfahrung: Die Jugendlichen haben noch nie an einem Buchprojekt teilgenommen, für Autorin Alexa Stein ist es die erste Arbeit gemeinsam mit Schülern.

Kosak

Lüssum. „Der geheimnisvolle Schatz“ fällt sofort durch. Für „Das große Geheimnis“ und „Fünf Freunde im Einsatz“ können sich immerhin ein paar Schüler begeistern. Das Rennen aber macht ein anderer Vorschlag. Gleich 16 Arme schnellen für „Ein großes Abenteuer mit Bob dem Hamster“ in die Höhe.

Die Inklusionsklasse 8c der Oberschule In den Sandwehen hat entschieden: So soll ihr Kriminalroman heißen. Die 23 Lüssumer Schüler sind unter die Schriftsteller gegangen. Seit Oktober schreiben sie gemeinsam ein Buch. Es geht um einen verborgenden Schatz an der Schule. Zusammen mit einem sprechenden Hamster machen sich vier Freunde auf die Suche. Als Widersacher kommt ihnen dabei der Hausmeister in die Quere.

Als erste Schule in Bremen-Nord beteiligt sich die Blumenthaler Oberschule am Projekt „Schulhausroman“. Die Idee hatte 2005 ein Schweizer, das Literaturhaus Bremen setzt sie seit 2014 in der Hansestadt um. Das Konzept: Schüler entwickeln nach eigenen Ideen eine Geschichte, denken sich Charaktere und Dialoge aus und bringen das Ganze mit eigenen Worten zu Papier.

Zu Seite stehen ihnen dabei Autoren als Profis. Das Projekt in Lüssum begleitet Alexa Stein, Bremer Krimiautorin und langjährige Organisatorin des Krimifestivals „Prime Time – Crime Time“. Insgesamt acht Mal besucht sie zwischen Oktober und März die Klasse. Das Schreibprojekt an der Schule ist für die Autorin eine neue Erfahrung. „Es ist spannend, mit den Schülern zu arbeiten. Ich bin erstaunt, wie viele Ideen sie einbringen.“ Klein gibt den Schülern Tipps: Wie sie an eine Geschichte herangehen, Figuren aufbauen, eine Atmosphäre schaffen, lebendig und anschaulich schreiben können. „Statt zu schreiben, dass jemand traurig ist, lässt sich beschreiben, dass er Tränen in den Augen hat“, nennt sie ein Beispiel.

Zu viel einmischen will sich Klein nicht. Der Fantasie der jungen Autoren lässt sie freien Lauf. In Kleingruppen entwickeln die Schüler arbeitsteilig Szenen und Charaktere. Jeder kann seine Ideen einbringen. In großer Runde werden alle Vorschläge diskutiert, dann wird abgestimmt. Die Idee mit den meisten Stimmen wird in den Roman eingearbeitet. „Jeder kann seine Meinung sagen, keine Idee wird vom Tisch gewischt. Gemeinsam wird überlegt, was zur Geschichte passt. Das sorgt für eine große Zufriedenheit unter den Schülern“, stellt Irmgard Siepe fest. Zusammen mit Anne Mai Chau leitet sie die Inklusionsklasse.

Heftig diskutiert wurde etwa die Frage: Wer soll der Gegenspieler von Bob und seinen Freunden werden? Die einen wollten den Schulleiter als Bösewicht, andere schlugen den Hausmeister vor. Begründung: Der Schulleiter als Schatzsucher sei viel zu auffällig, ein Hausmeister nicht. Die Klasse hat einen Kompromiss gefunden: „Der Hausmeister ist jetzt der Widersacher, aber er hat die Eigenschaften des Schulleiters.“ Die Schüler haben an diesem Beispiel gelernt, was Profi Alexa Stein „Kill your darling“ nennt. „Es gibt viele gute Ideen, aber nicht jede passt zur Geschichte.“ In dem Fall müsse ein Autor bereit sein, sich von einem lieb gewonnenen Einfall zu trennen.

Anna-Lena Meyer hat mit ihrer Gruppe die Figur des Hausmeisters Fork erfunden. „Mir gefällt das Schreibprojekt, weil wir selber Ideen einbringen können“, sagt die Achtklässlerin. Kadirhan Tombuloglu und seine Gruppe haben Ahmed, einen der vier Freunde, auf dem Papier Leben eingehaucht. „Der ist witzig und macht sich gerne über andere Leute lustig.“

Projekt weckt die Schreiblust

Die Schüler entscheiden selbst, welche Veränderungen sie an ihren Texten vornehmen. „Frau Klein gab uns den Tipp, die Dialoge von Bob in der Ich-Perspektive zu schreiben. Das war für uns logisch, weil der Hamster im Roman erzählt, was passiert“, sagt Kadirhan. „Das Projekt macht mehr Spaß als Unterricht“, meint der Schüler.

„Die Schüler sind sehr motiviert“, stellen die Klassenlehrerinnen fest. Viele würden sogar in der Pause an ihren Texte feilen. Das Projekt weckt die Schreiblust. „Wir erleben große Überraschungen. Schüler, die sonst zurückhaltend sind und sich kaum etwas zutrauen, schreiben plötzlich seitenweise Texte. Selbst Problem-Schüler sind mit Freude dabei und kreativ ohne Ende“, erzählt Irmgard Siepe.

Oberschüler zum kreativen Einsatz der Sprache anzuregen und so die Sprachfähigkeit zu fördern, das ist laut Helga Müller vom Literaturhaus Bremen das Ziel des Sprachförderprojektes „Schulhausroman“. Bewusst werden dazu nach ihren Worten Brennpunkt-Schulen ausgewählt.

Sandwehen-Schulleiter Stephan Wegner sieht das Schreibprojekt auch als weiteren Baustein für die Leseförderung an der Oberschule. Mit verschiedenen Angeboten wie der Schulbibliothek „Lesegarten“ und Lese­paten versucht die Schule seit einigen Jahren, die Schüler zum Lesen zu animieren.

Die Klasse 8c setzt zum Endspurt für ihren Krimi an. Anfang Juni wird das Buch im Schünemann Verlag erscheinen. Verleger Hermann Schünemann machte sich kürzlich mit Projekt-Schirmherrin Alexia Sieling in der Schule ein Bild von der Arbeit der Schüler an ihrem Roman. Mit dabei waren der Blumenthaler Ortsamtsleiter Peter Nowack und Beiratssprecherin Ute Reimers-Bruns. Der Beirat unterstützt das Projekt an der Oberschule neben weiteren Sponsoren.

Bei einer öffentlichen Buchpremiere am 12. Juni um 18 Uhr in der Zentralbibliothek Bremen werden die Sandwehen-Schüler ihren Krimi präsentieren. Vorgestellt wird außerdem ein Schulhausroman, an dem die Oberschule Schaumburger Straße unter der Leitung des Slam-Poeten Bas Böttcher derzeit schreibt.

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