Schlechte Stimmung auf der Osterwiese Schausteller klagen über große Einnahmeverluste

Die Stimmung ist schlecht. Richtig schlecht. Die Osterwiese ist bisher ein Reinfall. Nicht nur für die Schausteller, deren Kassen verhältnismäßig leer bleiben. Auch die Besucher haben sich das anders erhofft.
30.03.2015, 20:00
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Schausteller klagen über große Einnahmeverluste
Von Kristin Hermann

Die Stimmung ist schlecht. Richtig schlecht. Die Osterwiese ist bisher ein Reinfall. Nicht nur für die Schausteller, deren Kassen verhältnismäßig leer bleiben. Auch für die Besucher, die sich auf Karussellfahrten und Eis im Sonnenschein gefreut hatten. Stattdessen gibt es seit der Eröffnung am vergangenen Freitag überwiegend Regen und starke Windböen.

Der Sturm hat am Montag sogar solche Ausmaße angenommen, dass das Stadtamt in Zusammenarbeit mit den Sicherheitsbehörden entschieden hat, die Osterwiese vorübergehend dicht zu machen. Zwischen 14 und 16 Uhr mussten sämtliche Buden und Fahrgeschäfte geschlossen bleiben.

Wer über das Radio oder das Internet nichts von dieser Entscheidung mitbekommen hatte, war zunächst verwundert über die verlassenen Stände, denn ein Hinweisschild oder Lautsprecheransagen auf dem Gelände selbst gab es nicht. So erfuhren die Besucher, die trotz des schlechten Wetters gekommen waren, erst nach und nach, dass sie am Nachmittag kein buntes Treiben erwarten würde. Für die 13-jährige Tabea ein regelrechter Schock. Sie war mit ihrer Freundin Johanna extra aus Kassel gekommen, um die Osterwiese zu besuchen. Dass sie auf das Volksfest zusammen mit ihren Großeltern geht, hat schon Tradition. „Ich hatte mich so darauf gefreut wieder mit dem „Breakdancer“ zu fahren“, sagt Tabea. Bei ihr in Kassel gebe es kein Feste in dieser Größe, weshalb sie die Ferien gerne dazu nutze, um über die Osterwiese und den Freimarkt zu schlendern.

Hinweisschilder fehlen

Die Schausteller waren bei dem Wetter dazu gezwungen, Sicherheitsvorkehrungen zu treffen, damit keine Gegenstände umherfliegen und Schaden anrichten können. Die Betreiber der Wildwasserbahn „Piratenfluss“ mussten beispielsweise ihre Dekorations-Piraten in Sicherheit bringen. „Außerdem haben wir einige der großen Holzbalken mit zusätzlichen Gurten gesichert“, erzählt Mitarbeiterin Carolin Schneider. Andere hatten vorsorglich schwere Eisenstangen und Lampen abgebaut.

Viel ärgerlicher als diese Sicherheitsvorkehrungen seien allerdings die Einbußen, mit denen die 210 Betreiber derzeit zu kämpfen haben. „Ich kann mich an keine Osterwiese erinnern, bei der wir dauerhaft mit solch extremen Wetterverhältnissen zu kämpfen hatten“, sagt Wolfgang Ahrens, Geschäftsführer des Bremer Schaustellerverbandes. So schlecht wie das Wetter sei deshalb auch die Laune der Schausteller. „Dieser miserable Start schlägt sich natürlich auf die Einnahmen aus“, sagt Ahrens. „Wir können jetzt nur hoffen, dass das Osterwochenende besser wird und einiges ausgleicht.“

Auch Alois Weber vom traditionellen Fahrgeschäft „Schnauferl“ setzt all seine Hoffnung auf Ostern. Im Moment laufe das Geschäft so katastrophal, dass man Miese mache. „Wir haben an solchen Tagen Umsatzeinbußen von bis zu 50 Prozent“, berichtet Weber. Obwohl das Stadtamt die Osterwiese am Montag ab 16 Uhr wieder für Besucher freigab, sei an solch einem Tag für die Schausteller nur noch wenig zu holen, meint Weber. „Auch wenn die Sturmwarnung aufgehoben wurde, haben viele Menschen noch Bedenken, am Abend auf die Osterwiese zu kommen.“

Kaum Sturmschäden in der Stadt

Offiziell endete die Sturmwarnung für Bremen am Montag um 18 Uhr. Größere Schäden gab es nach Angaben der Feuerwehr nicht. Die Einsatzkräfte rückten insgesamt 14-mal aus, vor allem wegen eingeknickter Äste und Bäume, einmal wegen einer Stromleitung. Auch für Dienstag sind Sturmböen bis Windstärke 11 angekündigt. Falls sich diese Wetterwarnungen bestätigen, rechnet die Feuerwehr mit einem erhöhten Meldeaufkommen.

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Ob die Osterwiese wieder geschlossen wird, entscheidet sich nach einer ersten Sitzung der Verantwortlichen gegen 11 Uhr. Dann trifft sich die Marktverwaltung mit den Sicherheitsbehörden und der Bauaufsicht. „Derzeit sehen die Prognosen nicht gut aus“, sagt Stadtamtsleiterin Marita Wessel-Niepel. „Aber für eine endgültige Entscheidung bleibt die aktuelle Wetterlage abzuwarten.“ Ab Windstärke 8 ist der Karussellbetrieb aus Sicherheitsgründen nicht mehr möglich.

Dass das Wetter den Betreibern einen Strich durch die Rechnung macht, passiert nicht zum ersten Mal. Als im Herbst 2013 das Orkantief „Christian“ über Bremen hinwegfegte, mussten die Schausteller auf dem Freimarkt eine unfreiwillige Pause einlegen. Auch die hiesigen Weihnachtsmärkte mussten die Behörden im vergangenen Dezember zeitweise sperren, weil es mehrere Stunden stark gestürmt hatte.

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