1000 Zierfische tummeln sich in Aquarien im Lesumer Schützenhaus / Großer Besucherandrang

Scheibenwischer mit Flossen

Lesum. Wenn die Blätter fallen und der Nebel übers Land zieht, bricht die Zeit der Aquarianer an. Dann beschäftigen sie sich besonders intensiv mit ihren farbenprächtigen Zierfischen. Was den besonderen Reiz ihres Hobbys ausmacht, zeigte die "Interessengemeinschaft Aquaristik von 1998 Bremen-Nord e.V." am Wochenende im Lesumer Schützenhaus. Wie aus Fels gemeißelt scheint der Harnischwels an der Innenseite des Aquariums zu kleben. Versteinert und leblos - bis er sein Maul öffnet und an der Scheibe entlangrutscht. Jetzt erklärt sich, weshalb der Aquarianer ihn auch "Scheibenwischer" nennt.
05.11.2012, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Klaus Grunewald

Lesum. Wenn die Blätter fallen und der Nebel übers Land zieht, bricht die Zeit der Aquarianer an. Dann beschäftigen sie sich besonders intensiv mit ihren farbenprächtigen Zierfischen. Was den besonderen Reiz ihres Hobbys ausmacht, zeigte die "Interessengemeinschaft Aquaristik von 1998 Bremen-Nord e.V." am Wochenende im Lesumer Schützenhaus. Wie aus Fels gemeißelt scheint der Harnischwels an der Innenseite des Aquariums zu kleben. Versteinert und leblos - bis er sein Maul öffnet und an der Scheibe entlangrutscht. Jetzt erklärt sich, weshalb der Aquarianer ihn auch "Scheibenwischer" nennt.

An diesem Sonnabendvormittag gehört das ursprünglich in Costa Rica beheimatete Kiemenmonster zu den Stars der Zierfisch- und Aquarienpflanzenbörse im Keller des griechischen Restaurants am Pohl, wo sonst die Büchsen der Schützen knallen. Nahezu lautlos ist dagegen die Freizeitbeschäftigung der Männer und Frauen, die sich mit der Zucht und Pflege von Fischen in einem gläsernen Wasserbehälter beschäftigen. Im Schützenhaus hat die nordbremische Interessengemeinschaft 44 Aquarien mit einem Fassungsvermögen von jeweils 50 Litern sowie sieben 100-Liter-Bassins aufgebaut. In siebenstündiger Arbeit, denn bevor sich die Zierfische den Besuchern präsentieren, müssen Wasserqualität, -temperatur sowie die Sauerstoffzufuhr in den Feriendomizilen stimmen.

Vereinsvorsitzender Arend Funcke und sein Sohn Sven sind mit dem Börsenauftakt zufrieden. Rund 50 Besucher bestaunen bereits eine halbe Stunde nach Eröffnung der Ausstellung die bunte und huschende Flossen-Vielfalt in den gläsernen Becken. Dort tummeln sich rund 1000 Zierfische: Barsche, Barben, Salmler, Schmerlen, Black Mollys, Welse oder Guppys. Guppys sind drei bis sechs Zentimeter lange, ursprünglich in Trinidad beheimatete Fische, die während der Trächtigkeit einen aufgeblähten Bauch haben. Und dann eine ähnliche Form aufweisen wie das Transportflugzeug, das nach ihnen benannt worden ist.

Aquarianer wird man oftmals schon in jungen Jahren. Weil das Hobby der Eltern auch die Kinder fasziniere, erläutert Sven Funcke, der mit zehn Zierfisch-Fan wurde. Vor dem Aquarium, sagt der heute 34-jährige Zollbeamte, könne man hervorragend Alltagsstress abbauen: Schweigende Entspannung vor einer lautlosen und doch äußerst lebendigen Welt.

Aber wie viele Fische dürfen sich eigentlich in einem Aquarium tummeln, ohne dass es zu "Überbevölkerung" kommt? "Es gibt eine Faustformel", erklärt Arend Funcke. "Pro Zentimeter Fischlänge ist ein Liter Wasser erforderlich." Der Vereinsvorsitzende gehört zu den acht Aquarianern, die bereits drei Jahre vor Gründung der Interessengemeinschaft gemeinsam Zierfische züchteten und zum Verkauf anboten. Der als Interessengemeinschaft eingetragene Verein wurde 1998 vor allem aus versicherungstechnischen Gründen aus der Taufe gehoben. Mittlerweile gehören ihm gut 20 Mitglieder an, die sich regelmäßig im Lesumer Schützenkeller treffen, Zuchterfahrungen austauschen und öffentliche Veranstaltungen planen.

Die erfreuen sich stets großer Beliebtheit. Neben Aquarianern, die neue Fische oder Pflanzen erwerben wollten, gaben sich am Wochenende zahlreiche Schaulustige ein Stelldichein. Sie fanden bei den Nordbremer Aquaristik-Experten stets ein offenes Ohr. Zu ihnen darf sich als jüngstes Mitglied der Interessengemeinschaft auch Torben Wegner zählen. Der Siebenjährige stand seinem Vater als fachkundiger Berater zur Seite. Auf die Frage nach seinem Lieblingsfisch überlegte Torben nicht lange: "Der Wels."

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