Geschäftsbericht: Home Staging

Schick statt verstaubt

Vor Jahren wollte die Aumunderin Nicole Schütz ihr Haus verkaufen und hat es dafür hergerichtet. Aus der privaten Erfahrung wurde ein Beruf: Home Staging.
19.03.2018, 18:07
Lesedauer: 3 Min
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Von Kristina Bumb

Vegesack. Vom anhaltenden Immobilienboom profitieren viele Branchen. Sogar neue Berufsbilder entstehen, wie das sogenannte Home Staging. Home Stager staffieren Häuser und Wohnungen mit Möbeln, Beleuchtung und einem neuen Anstrich aus, um sie für Käufer attraktiver zu machen. In Bremen gibt es nur eine Handvoll dieser Einrichtungsexperten, die im Berufsverband Deutsche Gesellschaft für Home Staging und Redesign DGHR zusammengeschlossen sind. Nicole Schütz aus Aumund ist eine von ihnen.

Wer ein Haus oder eine Wohnung kaufen möchte, der liest regelmäßig die Anzeigenspalten in der Zeitung oder kämpft sich durch die Angebote diverser Internetplattformen. Doch was man dort zu sehen bekommt, ist nicht immer verkaufsfördernd. Denn die präsentierten Fotos sind zumeist nicht professionell gemacht. Die Räume der offerierten Immobilie wirken düster und eng. Schrill-bunte Fliesen aus den 60er-Jahren und in die Jahre gekommenes Mobiliar scheint auf vielen Bildern fast schon Standard zu sein. Manches Mal gibt es für den Kaufinteressenten sogar etwas zu lachen, wenn gebrauchte Kleidungsstücke auf den Aufnahmen zu sehen sind, das Bett zerwühlt ist und auf dem Esstisch noch das gebrauchte Geschirr steht.

„Wie wichtig es ist, die Immobilie in einem attraktiven Zustand zu präsentieren, ist noch nicht bei allen angekommen“, bestätigt die Aumunderin Nicole Schütz, die seit vier Jahren ein Büro für Home Staging betreibt. Sie ist der Überzeugung, dass sich der Preis der Immobilie und die Schnelligkeit des Verkaufs deutlich steigern lassen, wenn vorab ein wenig Mühe investiert wird. „Das ist genauso, wenn man ein Auto verkauft. Bevor man es dem Interessenten zeigt, fährt man damit durch die Waschstraße“, sagt sie.

„Wenn ich mit der Verkaufsförderung für eine Immobilie beauftragt werde, steht eine Begehung am Anfang meiner Arbeit“, schildert sie. Der Zustand von Räumlichkeiten und Garten, die Möblierung, die Sauberkeit, sogar der Geruch finden Eingang in ihre Überlegungen. „Ich habe am Ende ein vollständiges Bild vom umgestylten Haus in meinem Kopf. Ich berücksichtige dabei, welche Zielgruppe beim Verkauf angesprochen werden soll und wie die Interessenten durch die Immobilie hindurchgeleitet werden sollen“, sagt sie. In Eigenregie oder gemeinsam mit den Verkäufern und mit der Hilfe von Handwerksunternehmen gestaltet sie die Räumlichkeiten dann um. Um alles ansprechend zu möblieren, hält sie vom Sofa bis zum Kerzenständer alles bereit. Die Stücke vermietet sie den Kunden für die Dauer der Verkaufsbemühungen. Hell, großzügig, modern und schick präsentieren sich die Immobilien, die von ihr umgestaltet worden sind.

„Oft beauftragen mich Erben, die ein älteres Gebäude verkaufen wollen. Ich organisiere dann alles bis hin zur Haushaltsauflösung“, schildert die Nordbremerin. Aber nicht nur Privatkunden, sondern auch Makler und Bauträger fragen bei ihr an. Für Neubauten in der Überseestadt hat sie zum Beispiel Musterwohnungen ausgestattet, damit Interessenten sie besichtigen können. Für ihre Dienstleistungen und eine etwaige Renovierung entstehen in der Regel Kosten von ein bis drei Prozent des Verkaufspreises der Immobilie. Aber der letztendlich höhere Gewinn für den Kunden mache das wieder wett, sagt Nicole Schütz.

Das Arbeitsgebiet des Home Staging ist dabei nicht neu. Seit rund 30 Jahren existiert die besondere Art der Verkaufsförderung bereits in den USA. Die Amerikanerin Barb Schwarz gilt als eine der Pionierinnen der Branche. 2010 gründeten deutsche Home Stager den hiesigen Berufsverband DGHR, der mittlerweile 250 Mitglieder zählt. Nicole Schütz ist dort Mitglied und ließ sich dort auch zur Home Stagerin schulen. Mittlerweile gibt es für die Branche auch ein Zertifikat der Industrie- und Handelskammern, das mittels eines fünftägigen Lehrgangs erworben werden kann.

Vor vier Jahren machte Nicole Schütz sich mit Home Staging selbstständig. „Ich wollte damals mein eigenes Haus möglichst gut verkaufen“, blickt die ausgebildete Kauffrau zurück. Um herauszufinden, wie sie das Gebäude möglichst vorteilhaft präsentieren konnte, recherchierte sie im Internet und in Fachzeitschriften. „Dabei bin ich dann schnell auf Home Staging gestoßen und die Idee reifte, mehr daraus zu machen.“ Mit 46 Jahren habe sie damals den Schneid gefunden, ihre berufliche Laufbahn noch einmal komplett umzukrempeln und den Sprung in die Selbstständigkeit zu wagen. „Ich habe am Ende nicht mein Haus verkauft, sondern einen neuen Beruf ergriffen. Und es hat sich gelohnt“, sagt sie.

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