Verzögerung der Gleisbaustelle Schlaflos im Steintor

Steintor. Der Presslufthammer war's. Anwohner der Straße Vor dem Steintor haben am Wochenende kein Auge zubekommen. 'Das war echt fies', sagt eine Leserin aus der Sachsenstraße über den wummernden Baulärm, der ihr dreimal hintereinander den Schlaf geraubt hat.
29.07.2010, 06:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Monika Felsing und Bastienne Ehl

Steintor. Der Presslufthammer war's. Anwohner der Straße Vor dem Steintor haben am Wochenende kein Auge zubekommen. 'Das war echt fies', sagt eine Leserin aus der Sachsenstraße über den wummernden Baulärm, der ihr dreimal hintereinander den Schlaf geraubt hat. 'Drei Nächte nicht schlafen können, ist echt viel. Da ist man arbeitsunfähig!' Die Viertelbewohnerin hat sich bei der Bremer Straßenbahn AG (BSAG) beschwert, den Verantwortlichen gesucht - und fühlt sich abgebügelt.

'Man verkauft uns für doof', sagt die Frau nach mehreren Telefonaten. Die BSAG habe sich bei ihr entschuldigt, sich aber auch für nicht zuständig erklärt und sie an die Baufirma verwiesen. 'Wir haben keine Wurfsendung bekommen, waren nicht rechtzeitig informiert und konnten nicht einfach übers Wochenende wegfahren', sagt die Bewohnerin der nahen Seitenstraße. 'Es soll etwas in der Zeitung gestanden haben.' Darauf habe man sich ihr gegenüber berufen. 'Aber die müssen selbst informieren, nicht darauf warten, dass die Zeitung recherchiert!'

Grenze der Belastbarkeit

Der Stadtteil-Kurier hat kontinuierlich über die Gleisbaustelle Vor dem Steintor berichtet, über die gute Zusammenarbeit mit der Interessengemeinschaft 'Das Viertel', über die Baustellenbespielung, die Schwerarbeit und die Materialprobleme angesichts der großen Hitze, über den Ärger mit rücksichtslosen Gehwegradfahrern - und über den Steinsetzer, der nicht zur Arbeit erschien und die Arbeiten ins Stocken brachte. Von Nachtarbeit war die Rede gewesen - aber nicht von drei aufeinander folgenden Nächten mit Baulärm.

Die Grenze der Belastbarkeit ist jetzt für einige Anwohner schmerzhaft überschritten. Am Wochenende habe das Telefon nicht still gestanden, habe man ihr bei der BSAG gesagt, berichtet die betroffene Anwohnerin. Eine andere Leserin hat sich beim Stadtteil-Kurier gemeldet, weil am Wochenende zu wenig Übergänge eingerichtet worden waren und vor allem Ältere kaum noch von einer Seite des Steintors zur anderen kamen. Bei Fritz Arndt im Ortsamt Mitte/Östliche Vorstadt hat ein Anwohner angefragt, ob der nächtliche Lärm etwa rechtens sei. Bei der Baustellenbesprechung am Mittwochmittag wollte Arndt das Thema ansprechen.

'Bescheiden', stehe es um den Fortschritt der Gleisbauarbeiten in der Straße Vor dem Steintor, sagt Klaus Pantke, Bauleiter bei der Bremer Straßenbahn AG (BSAG) vor der Sitzung auf unsere erneute Nachfrage. 'Und mit den Pflasterarbeiten geht es auch mehr schlecht als recht voran.' Deshalb hätten die Verantwortlichen die Teams durcharbeiten lassen.

Verantwortlich für die Baumaßnahmen ist die Arbeitsgemeinschaft der Bauunternehmer Stehmeyer und Bischoff zusammen mit Hastrabau. Projektleiter Joachim Wachter: 'Aufgrund der Verzögerung bei den Pflasterarbeiten haben wir uns dafür entschieden, vergangenes Wochenende mit dem zweiten Bauabschnitt zu beginnen und die neuen Gleise zu verlegen, um insgesamt zeitlich Vorlauf zu bekommen.'

Das Gewerbeaufsichtsamt hat laut Wachter die Genehmigung für die Sonntags- und Nachtarbeit erteilt. Die Polizei sei informiert gewesen. 'Die BSAG hat eine Schutzschrift besorgt, in der die Wichtigkeit der Maßnahme bestätigt wird.' Beantragt wurde diese beim Bausenator. Ressortsprecher Michael Ortmanns: 'Die zu erwartende Lärmbelästigung wurde von Emissionsschützern vorher geprüft. Hier wurde abgewogen und zugunsten des Gesamtprojekts entschieden. Die Zeit der zusätzlichen Belästigung verkürzt schließlich die gesamte Baustellenzeit.'

Kein langes Wochenende mehr

Anwohner der Straße Vor dem Steintor und einiger Seitenstraßen seien per Infozettel über die nächtlichen Bauarbeiten informiert wohnen - was unsere Leserin aus der Sachsenstraße bestreitet. 'Eine sehr zuverlässige Mitarbeiterin von uns hat die Zettel selbst verteilt", sagt Wachter und versichert, dass man den Radius überprüfen und gegebenenfalls erweitern werde.

Auch am Wochenende wird es Vor dem Steintor nicht still sein. Es sind Pflasterarbeiten geplant. 'Gearbeitet wird aber nur in der Zeit von 6 bis vielleicht 22 oder 23 Uhr', sagt Joachim Wachter. 'Für die Pflasterarbeiten brauchen die Bauarbeiter Tageslicht.' Und anstelle des Presslufthammers wird der Pflasterhammer zu hören sein.

Der Projektleiter ist zuversichtlich, dass am Donnerstag, 5. August, die Straßenbahnen wieder durch das Quartier fahren und dass die Bauarbeiter am 25. August fertig sind. 'Schließlich haben wir jetzt die Erfahrungen aus dem ersten Bauabschnitt.' Werde der Termin nicht eingehalten, sei eine Vertragsstrafe fällig.

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